Titel: Ueber die Umhüllung von Dampfleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 1 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi01_1

Ueber die Umhüllung von Dampfleitungen.

Der Umstand, daß ein gewisser Pimont aus Ronen eine plastische Masse als Umhüllungsmaterial für Dampfleitungen angefertigt und der Industriegesellschaft zu Mülhausen zur Prüfung vorgelegt hatte, gab Veranlassung, daß der genannte Verein durch Royet und Burnat Versuche über den Effect anstellen ließ, den man mit verschiedenen Umhüllungsmaterialien erreicht. Es wurden zu diesem Zwecke fünf gußeiserne Leitungen, von denen jede aus vier Rohrstücken von 12 Centimeter äußerem Durchmesser bestand und 5,432 Quadratmeter Oberfläche hatte, in einem nicht geheizten Sale parallel neben einander aufgestellt. Jede Leitung stand von der anderen um 1 Meter ab und hatte 1/20 Neigung. Am oberen Ende jeder Leitung mündete ein Dampfrohr ein und das untere Ende mündete jedesmal in einen Kasten, der zur Aufnahme des Condensationswassers bestimmt war. Es bedurfte einiger Versuche, ehe man dahin gelangte, daß jede Leitung unter gleichen Umständen gleich viel Condensationswasser absetzte; doch kam man zuletzt zu dem Ziele, daß die höchste Differenz 2,3 Proc. betrug. Die mittlere Menge condensirten Wassers pro Stunde und Quadratmeter Oberfläche erhielt man bei bloßliegenden Rohren, einer Lufttemperatur von + 1 bis + 8,25° C. und den Spannungen von 1 1/2 bis 2 Atmosphären, zu 2,86 Kilogramm.

Nachdem man sich versichert hatte, daß man die einzelnen Leitungen, mit verschiedenen Umhüllungen bekleidet, mit hinreichender Genauigkeit unter einander vergleichen könne, legte man um die Leitung, welche die kleinste Menge Condensationswasser gegeben hatte, eine 6 Centimeter dicke Schicht der Pimont'schen Masse. Diese Masse besteht aus mit Wasser angerührtem Letten mit Kälberhaaren und vielleicht noch einigen anderen Substanzen und wird im feuchten Zustande in Ronen mit 22 Franken19) für 100 Kilogr. verkauft. In Mülhausen kommt dieses Material für 1 Quadratmeter Röhrenfläche auf 28 Franken zu stehen. Das Gewicht desselben für 1 Quadratmeter Röhrenfläche beträgt 65 Kilogramme, ist also sehr groß.

Nr. 1 erhielt eine 1 1/2 Centimeter dicke Strohschicht, über welche in dicht neben einander liegenden Lagen Strohzöpfe gewunden wurden.

Nr. 3 wurde mit Thonröhren umgeben, deren innerer Durchmesser etwas größer war, als der äußere Durchmesser der Rohrleitung, so daß zwischen den beiden Rohrwänden noch eine Luftschicht blieb; diese Thonröhren wurden durch Drähte festgehalten. Darüber war eine Lage Letten mit gehacktem Stroh und darüber endlich eine Umwickelung von Strohgeflecht. Diese Methode gewährt, wie die Pimont'sche, den Vortheil, daß sie bei sehr hoch erhitzten Röhrenwänden angewendet werden kann. Hirn bedient sich dieses Mittels schon seit längerer Zeit zum Bedecken der Leitungen, durch welche (bis zu 250°) überhitzter Dampf geführt wird.

Nr. 4 wurde mit Baumwollabfällen in 25 Millimeter Dicke bedeckt; zum Zusammenhalten derselben diente aufgebundene Leinwand.

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Nr. 2 endlich ließ man anfänglich bloß, wie in der ersten Versuchsreihe; später legte man eine Lage mit Kautschuk getränkten Filz darum.

Während dieser Versuchsreihen hielt sich die äußere Temperatur zwischen – 2,75 und + 8° C. und die Dampfspannung in den Leitungen zwischen 1 1/8 und 2 Atmosphären.

Die Resultate von 12 Versuchen, von denen jeder etwa eine Stunde dauerte, waren nun im Allgemeinen folgende:

1) Gußeisen ohne Bedeckung, 2,84 Kilogr. Condensationswasser pro Stunde und Quadratmeter.

2) Pimont'sche Masse (28 Franken der Quadratmeter) 1,56 Kilogramm Condensationswasser pro Stunde und Quadratmeter.

3) Filz, mit Kautschuk getränkt (2 Franken der Quadratmeter), 1,53 Kilogr. Condensationswasser pro Stunde und Quadratmeter.

4) Baumwollabfälle in Leinwand (2 Fr. 55 Cent. der Quadratmeter) 1,39 Kilogr. Condensationswasser pro Stunde und Quadratmeter.

5) Thonröhren, Letten und Stroh (9 Fr. 5 Cent. der Quadratmeter) 1,12 Kilogr. Condensationswasser pro Stunde und Quadratmeter.

6) Stroh (2,65 Fr. der Quadratmeter) 0,98 Kilogr. Condensationswasser pro Stunde und Quadratmeter.

Es geht hieraus hervor, daß die Umhüllungen der Dampfleitungen bei den mittleren Jahrestemperaturen von großem Vortheil sind, der um so mehr wächst, je höher die Spannung des Dampfes ist. Der Unterschied zwischen den Condensationswassermengen bei Mangel an Umhüllung und bei guter Umhüllung beträgt gegen 2 Kilogr. pro Stunde und Quadratmeter, also 1100 Calorien, zu deren Erzeugung in der Stunde 0,3, in 12 Stunden 3,6 und in einem Jahre 1100 Kilogr. Steinkohlen nothwendig sind. Dieß repräsentirt einen Werth von 33 Franken für jeden Quadratmeter, wenn die Spannung 2 Atmosphären beträgt. Eine Shawlfabrik mittlerer Größe hat eine Rohrleitung von 250 bis 300 Quadratmeter Oberfläche, sie würde also durch den Mangel einer guten Umhüllung eine jährliche Einbuße von 8250 Franken (250 Quadratmeter gerechnet) haben. (Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1859, Nr. 147; polytechnisches Centralblatt, 1859 S. 995.)

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1 Frank = 8 Sgr.

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