Titel: Patentirtes Verfahren der Reinigung des Colophoniums.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 11 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi01_11

Patentirtes Verfahren der Reinigung des Colophoniums.

Die eben so interessante, wie technisch wichtige Erfindung, das Colophonium, welches nur selten in Heller, gewöhnlich in mittel- oder dunkelbrauner Farbe im Handel vorkommt, so zu reinigen, daß es bei völliger Durchsichtigkeit eine nur schwach gelbliche Farbe besitzt, ja, in kleineren Stücken fast farblos erscheint, ist vor etwa einem Jahre in England gemacht und seitdem den Erfindern, Hunt und Pochin in Manchester, in den meisten Ländern, im Königreich Hannover im März 1859, patentirt. – Gegen die früher allgemein verbreitete Annahme, das Colophonium gehöre zu den nicht flüchtigen Stoffen, haben die Erfinder gezeigt, daß es verdampft, also destillirt werden kann, wobei die färbenden Beimischungen zurückbleiben. Wenn man Colophonium in einem Kolben schmilzt und auf 200° C. erhitzt, so bemerkt man über seiner Oberfläche eine niedrige Schicht von Dämpfen, welche sich fortwährend in Gestalt kleiner Tröpfchen wieder verdichten und in das geschmolzene Harz zurückfallen. Die Erfinder kamen nun auf die Idee, einen Strom heißen Wasserdampfs durch den Apparat zu leiten, um die Harzdämpfe mechanisch mit fortzureißen und in ein anderes Gefäß zu führen, worin sie sich niederschlagen und so das gereinigte Harz darstellen. Die Blase von Gußeisen hat die Gestalt eines Cylinders mit flachem Boden und ist oben halbkugelförmig gewölbt; 5 Fuß im Durchmesser und 7 Fuß hoch. Ein kupfernes Dampfrohr tritt zur Seite hinein und verzweigt sich nahe über dem Boden in mehrere kleinere, mit vielen kleinen Löchern versehene Röhren, aus welchen der Dampf austritt. Der in einem besonderen Dampfkessel erzeugte Dampf soll eine Spannung von 10 Pfund auf den Quadratzoll haben und in reichlicher Menge ausströmen. Zur Condensation der Dämpfe werden drei verschiedene Apparate empfohlen: 1) Apparat mit einfachem Recipienten. Die Dämpft gehen zuerst von der Blase durch ein sehr weites, 16 Fuß langes,

gerades, schräg abwärts geneigtes Kupferrohr, welches von einem weiteren Rohr oder Mantel umgeben, und durch kaltes Wasser gekühlt ist. Dieses Kühlwasser fließt durch den Zwischenraum zwischen dem Kühlrohr und dem Mantel. Der Recipient, in welchen das Kühlrohr tritt, ist ein geschlossener, flacher, kupferner Behälter von 20 Fuß Durchmesser und 2 Fuß Höhe, in einem, mit kaltem Wasser gefüllten eisernen Behälter befindlich. Das Harz wird in Stücke zerbrochen in die Blase gebracht; unter dieser wird nun gefeuert, bis das Harz geschmolzen ist, worauf man mit dem Einleiten des Dampfes beginnt. Man feuert nun unter der Blase fort bis die Temperatur auf 400° C. gesteigert ist, welche Temperatur dann erhalten wird, bis alles, was sich in der Blase verflüchtigen läßt, in den Recipienten übergegangen ist. Die Verflüchtigung beginnt übrigens schon bei 200°. Der Inhalt des Recipienten besteht nach der Abkühlung aus flüssigen und festen Theilen; die ersteren (Wasser) werden abgelassen, die letzteren sind das Harz, jedoch in wasserhaltigem, daher noch |80| undurchsichtigem Zustande. Um es zu entwässern, erhitzt man es entweder in einer Vacuum-Pfanne, oder schmilzt es in einer offenen Bleipfanne und leitet überhitzten Wasserdampf hindurch. 2) Apparat mit mehreren Recipienten. Bei dieser Einrichtung werden alle Recipienten, mit Ausnahme des letzten, auf einer Temperatur etwas über 100° gehalten, der letzte aber durch kaltes Wasser gekühlt. Es kann sich also in den ersteren Recipienten kein Wasser verdichten, weßhalb man den Inhalt derselben durchsichtig und fast frei von Feuchtigkeit erhält, und nur in dem letzten sammelt sich außer Wasser ein undurchsichtiges wasserhaltiges Harz, welches auf die angegebene Art entwässert werden muß; – 3) Eine dritte Anordnung des Apparates enthält zwei Recipienten, in welche durch zwei gesonderte Kühlröhren die Dämpfe gelangen.

Die eine dieser Kühlröhren geht ganz oben, die andere dagegen ziemlich nahe über der Oberfläche des Harzes ab, und es zeigt sich, daß durch die obere vornehmlich Wasserdampf, durch die untere vornehmlich Harzdampf abströmt. Beide Recipienten werden so kühl gehalten, daß sich sämmtliche Producte der Blase condensiren.

Das während der Destillation übergehende Harz soll jedoch von abweichenden Eigenschaften erhalten werden, weßhalb es die Erfinder vorziehen, es in drei gesonderten Portionen nach einander aufzufangen. Das während des ersten Stadiums der Destillation erhaltene Harz, welches etwa den vierten Theil des in die Blase gebrachten Quantums ausmacht, nennen sie Alpha-Harz; das darauf folgende, für sich aufgefangene Harz, ebenfalls 1/4 betragend, Beta-Harz-, das endlich im dritten Stadium des Processes erhaltene übrige Quantum Gamma-Harz. Ueber den Unterschied derselben ist in der Patentbeschreibung nichts gesagt, doch läßt sich vermuthen, daß das Alpha-Harz das reinste, am vollkommensten entfärbte, das Gamma-Harz dagegen weniger vollständig entfärbt ist.

Sie finden, entweder einzeln oder gemischt besonders zur Seifenbereitung, zu Firnissen und bei der Papierfabrication Anwendung. Es liegen dem Referenten Proben des Alpha-Harzes vor, welche in der That an Durchsichtigkeit und Farblosigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Da seit Ertheilung des Patentes für das Königreich Hannonor das gesetzliche halbe Jahr längst verstrichen ist, ohne daß die Fabrication hier zur Ausführung gekommen wäre, so kann das Patentrecht als erloschen angesehen werden. Als Bezugsquelle können wir die Handlung des Hrn. Fehrmann, 39 Royal-Bank-Buildings, Liverpool, empfehlen. (Mittheilungen des hannoverschen Gewerbevereins, 1859 S. 318.)

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