Titel: Ueber einen verbesserten Apparat zur Darstellung elektrischen Lichtes; von Dr. Söchting.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 5 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi01_5

Ueber einen verbesserten Apparat zur Darstellung elektrischen Lichtes; von Dr. Söchting.

Der Gebrauch des elektrischen Lichtes hat sich in neuerer Zeit vielfach vermehrt, und breitet sich immer weiter aus, zumal da, wo es sich darum handelt, größere Räume zu erhellen, ohne daß es dabei auf eine durchweg gleichförmige Beleuchtung ankomme. So hat das elektrische Licht in England und Frankreich bereits mehrfaltige Anwendung gefunden, wie z.B. bei Hafenbauten und andern großartigen Arbeiten.

Die Hauptschwierigkeiten, welche bisher verhinderten, daß dasselbe noch weitern Eingang sich verschaffte, waren folgende: 1) der Kostenpunkt, 2) der Mangel eines, das elektrische Licht in gleicher Stärke erhaltenden Regulators, 3) die umständliche Behandlung der erforderlichen Batterien. Doch dürfte es gelingen, eine wesentliche Erleichterung durch die Benutzung eines, in der Fabrik galvanischer Apparate und Batterien von Keiser und Schmidt in Berlin, Oranienburger Straße Nr. 27, erfundenen und wesentlich verbesserten Apparates zu gewinnen. Ein solcher Apparat vermag den, etwa 15,000 Quadratfuß messenden Hofraum der Fabrik auf das Vollständigste zu erleuchten und würde für einen noch weit größeren Raum zureichen. Die Unterhaltungskosten belaufen sich, der Angabe nach, auf: Salpetersäure, etwa 40 Pfund (den Centner zu 12 Thaler gerechnet) = 4 Th. 24 Gr. – kann aber 2–3mal benutzt werden; – Schwefelsäure 4 Pf., zu 1 1/2 Gr. = 6 Gr.; Kohlenspitzen 5 Gr.; Verlust der Batterie = 15 Gr.; 1 Stunde Arbeit des Zusammenstellens u.s.w. = 2 1/2 Gr., zusammen 3 Th. 10 1/2 Gr. (bei zweimaliger Benutzung der Salpetersäure); hierbei ist aber auch vorausgesetzt, daß die Batterie stetig an ihrem Platze bleibe. Diese besteht aus 40 Kohlenplattenelementen aus der eigenen Fabrik, welche reichliche Lieferungen für die verschiedensten deutschen und außerdeutschen Staats- und Privattelegraphenlinien ausführt. Die 8'' hohen, quadratischen Kohlenplatten stehen, von Thoncylindern umgeben, in dicken, gegossenen Zinkcylindern und werden durch einfache, abnehmbare Armaturen so zweckmäßig mit einander verbunden, daß die Aufstellung der ganzen Batterie von einem einzigen Arbeiter in wenigen Minuten bewerkstelligt werden kann.

Ebenso einfach ist die Construction der elektrischen Lampe oder des Regulators. Die Regulirung erfolgt selbstthätig einzig durch den Kampf der Schwere einer Eisenstange gegen die Anziehung durch zwei, vom elektrischen Strom selbst inducirte Elektromagnete auf eine so sichere und gleichmäßige Weise, wie es eben nur mittelst eines so einfachen Instrumentes, als das in Rede stehende es ist, ermöglicht werden kann.

Die eben genannten beiden Elektromagnete befinden sich senkrecht über einander an einer hölzernen Säule, welche ein mit Quecksilber gefülltes Rohr enthält. Ein darin senkrecht schwimmender Eisenstab steht in Verbindung mit der, in Leithülfen vertical vor den Elektromagneten verschiebbaren Eisenstange, an deren unterm Ende die eine Kohlenspitze eingeschraubt wird. Der eine Poldraht der Batterie endet in |76| dem Quecksilber und verknüpft also diese mit der Stange, während eine Nebenleitung zu den Elektromagneten geht. Der andere Poldraht wird an zwei untere, senkrecht auf dem Fußgestelle und transversal zu den obern stehende Elektromagnete befestigt, über denen durch eine Spiralfeder ein Anker spielend erhalten wird. Durch zwei, die Verlängerung der Achsen dieser Elektromagnete bildende und den Anker durchbohrende Schrauben vermag man dem letztern, welcher die zweite Kohlenspitze trägt, eine solche Entfernung von den Elektromagneten zu geben, als die Brennweite der Kohlenspitzen betragen soll. Hiezu muß das untere Elektromagnetenpaar schwächer seyn als das obere, sowie für des letztern Stärke die Schwere der Eisenstange genau abgemessen seyn muß. Sobald der Strom eintritt, wird die Stange angezogen und festgehalten, bis die Entfernung der Kohlenspitze durch die Verbrennung zunimmt, worauf die Stange so lange langsam niedergleitet, bis die Stromstärke wieder hergestellt ist, so daß die Kraft der Elektromagnete über das Sinkbestreben der Stange das Uebergewicht gewinnt, und bis diese in ihrer Abwärtsbewegung aufgehalten wird. So bleibt die Intensität des Lichtes gleich. Die untern Elektromagnete haben den besondern Zweck, in Thätigkeit zu treten, sobald durch irgend einen Zufall im obern Theile des Apparats eine Störung eintreten sollte, etwa eine wirkliche Berührung der Kohlenspitzen Statt hätte, worauf durch die Kraft jener der, die untere Spitze tragende Anker mit Ueberwindung der ihn wegdrückenden Feder angezogen, und die Brennweite wieder hergestellt wird. Der Apparat ist auf seinem Fußgestelle um seine Achse drehbar, sowie außerdem ein hoch und niedrig und in verschiedener Neigung verstellbarer Spiegel für die beliebige Richtung des Lichtes sorgt.

Der Preis eines solchen Regulators beträgt 30 Thaler, der eines 8'' hohen Kohlenzinkelementes 2 Thaler, wonach die Anschaffungskosten eines vollständigen Apparates mit einer Batterie von 40 Elementen sich auf 110 Thaler stellen würden. Solcher Apparate ist bereits eine nicht unbeträchtliche Zahl abgegeben und für sehr zweckentsprechend anerkannt worden, so daß unter andern neuerdings auch die Rheinische Eisenbahngesellschaft einen davon zur Beleuchtung des Trajectes bei Ruhrort bezogen hat.

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