Titel: Ueber die Fabricationsweise der ungeschweißten Bandagen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 1 (S. 154–155)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi02_1

Ueber die Fabricationsweise der ungeschweißten Bandagen.

Ueber die ungeschweißten Bandagen, wie sie in dem Eisenwerk von Ougrée in Belgien seit einiger Zeit fabricirt werden, und zwar namentlich über die Fabricationsweise, ist Folgendes bekannt geworden. Zunächst wird eine Eisenstange in der Form des gewöhnlichen Flacheisens von entsprechenden Dimensionen in gewöhnlicher Weise durch das Walzen hergestellt, wobei darauf Rücksicht genommen wird, daß nach Absagen der Enden bis auf das gute Eisen das Gewicht der Stange demjenigen der fertigen Wagenrad-Bandage unter Berücksichtigung des Abgangs bei den weiteren Operationen entspricht. Die Stange gelangt von der Walze auf eine etwas conische Rolle, welche eine langsame Umdrehung erhält und auf welche sich die Eisenstange der Art aufrollt daß die Windungen dicht aneinander liegen. Der so gewonnene Ring, Rondelle genannt, wird zur Glühhitze erwärmt, dann unter einem 130 Ctr. schweren Hammer, dessen Amboß die zum Einlegen des Rings nöthige Vertiefung hat, bearbeitet. |155| Diese Operation wird in 2–5 auf einander folgenden Hitzen wiederholt, bis die Windungen derart zusammen geschweißt sind, daß ein compacter Ring entsteht, welcher bereits die Form der Bandagen im Rohen darstellt. Das Rondelle hat wie es von der Rolle kommt, einen Durchmesser von 40 Centim. und eine Dicke oder Höhe von 35 Centim. Unter dem Hammer bleibt der Durchmesser unverändert, wogegen die Höhe auf dasjenige Maaß reducirt wird, welches der Breite der fertigen Bandage entspricht. Der Ring kommt nun wiederholt in einen Schweißofen und von diesem unter die von einer 150pferdigen Dampfmaschine betriebene Walze von eigenthümlicher Construction, aus welcher der Ring mit vergrößertem Durchmesser und mit einem der fertigen Bandage annäherndem Profil hervorgeht. Durch wiederholtes Walzen wird der Bandage der genaue Durchmesser und das richtige Profil gegeben; sie wird dann im Wasser abgekühlt und ist zur Verwendung bereit Das gleiche Verfahren findet bei der Fabrication der Locomotive-Bandagen statt, mit denjenigen Modificationen, welche durch die veränderten Dimensionen und das größere Gewicht der Bandagen bedingt sind.

Für die auf diese Art dargestellten Bandagen wird der Verzug viel besserer Durcharbeitung des Eisens und größerer Gleichartigkeit geltend gemacht. Proben welche mit gewöhnlichen geschweißten und mit ungeschweißten Bandagen nach dem neuen System, beide aus Eisen gleicher Qualität erzeugt, unter dem Rammklotz gemacht worden sind, sollen für die letzteren äußerst günstig ausgefallen seyn; während nämlich die gewöhnliche geschweißte Bandage unter dem Rammklotz alsbald nachgab, ließ die ungeschweißte sich durch wiederholte Schläge vollständig zusammenbiegen ohne zu brechen. Sodann sind die ungeschweißten Bandagen so vollendet, daß sie für Wagenräder kaum, oder doch nur sehr wenig abgedreht zu werden brauchen und auch die Locomotivrad-Bandagen nur geringer Abdrehung bedürfen, wodurch an Material und Arbeit erspart wird. Hiebei kommt noch weiter in Betracht, daß die viel härtere äußere Kruste der Bandage erhalten bleibt und dadurch die Nothwendigkeit des Abdrehens in Folge der Abnützung viel später eintritt.

Bei der Bestellung von ungeschweißten Bandagen ist dem Werke ein Spielraum von 1/2 Millimeter im inneren und von 3 Millimeter im äußeren Durchmesser zu gestatten.

Was die Dauer der von dem Etablissement in Ougrée gelieferten ungeschweißten Bandagen betrifft, so soll sich hierüber das Zeugniß des Chefs der Werkstätten der belgischen Staatsbahnen in Mecheln sehr günstig aussprechen. 300 Locomotiv-Bandagen, welche auf den belgischen Staatsbahnen verwendet sind, haben durchaus keinen Fehler wahrnehmen lassen und nach 3monatlicher Benützung gar keine Abnützung gezeigt, was für die Härte und Gleichmäßigkeit des Materials spricht.

Das belgische Werk erzeugt Bandagen von gewöhnlichem sehnigem Eisen bloß für Wagenräder, dann von feinkörnigem Eisen und von Puddelstahl für Wagen-, Tender- und Locomotivräder. Der Preis für 100 Kilogr. loco Ougrée bei Lüttich beträgt für Bandagen von

sehnigem Eisen Feinkorneisen Puddelstahl
für Wagenräder 30 Fr. 45 Fr. 70 Fr.
„ Locomotiv- und Tenderräder
von 300 Kil. und weniger


55 Fr.

80 Fr.
„ 300 Kil. bis 400 Kil. 60 Fr. 85 Fr.
„ 400 Kil. und mehr 70 Fr. 95 Fr.

(Eisenbahn-Zeitung, 1859, Nr. 49.)

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