Titel: Pimont's Apparate zur Benutzung der Wärme des aus Färbe- und Bleichgefäßen abgelassenen Wassers; von Professor C. H. Schmidt in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 2 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi02_2

Pimont's Apparate zur Benutzung der Wärme des aus Färbe- und Bleichgefäßen abgelassenen Wassers; von Professor C. H. Schmidt in Stuttgart.

Ueber diese von dem Ingenieur Pimont construirten und mit dem Namen Caloridoren belegten Apparate hat E. Burnat der Société industrielle in Mülhausen im Namen einer mit der Prüfung beauftragten Commission einen sehr günstigen |156| Bericht erstattet, aus welchem hier, mit Hinweisung auf die unten angeführte Quelle, einige Hauptpunkte zur Kenntniß der Industriellen gebracht werden sollen.

Um die Wärme der aus den Küpen abgelassenen Flüssigkeiten, deren Temperatur zwischen 30 und 80° C. liegt, nutzbar zu verwenden, leitet Pimont diese Flüssigkeiten in eine Anzahl hölzerner Kästen, in welchen eine vielfach gewundene Kupferrohrleitung sich befindet; das kalte, zur Speisung der Küpen, Bütten, Kessel etc. bestimmte Wasser wird behufs seiner Erwärmung durch diese Rohrleitung und hierauf in ein besonderes Reservoir geführt von welchem aus es dann weiter zur Speisung des Dampfkessels, zum Füllen der Färbeküpen, Bleichbütten etc. verwendet werden kann. Die zum Vorwärmen dienenden Kästen, gewöhnlich sechs Stück, haben 3 Meter Länge 1,2 Meter Breite. 0,6 Meter Höhe mit 0,095 Meter Wandstärke und werden in zwei Reihen in angemessener Tiefe unter den Färbeküpen aufgestellt. In jedem Kasten liegt, in zwei Etagen abgetheilt, eine etwa 25 Meter lange Rohrleitung von 0,08 Meter Weite, und diese einzelnen Rohrleitungen sind der Art unter einander verbunden, daß dadurch eine ununterbrochene Röhrentour von 155 Meter Länge entsteht. Das aus den Küpen abgelassene warme Wasser wird durch diese sechs Kasten so geleitet, daß es dem durch die Röhrentour geführten kalten Wasser entgegen strömt, also das Kastensystem an demjenigen Punkte verläßt, wo das kalte Wasser in dasselbe eintritt.

In dem Etablissement von Dollfus. Mieg und Comp. in Mülhausen betrugen die Herstellungskosten eines derartigen Vorwärmeapparats die Totalsumme von 12900 Fr. Den Kasten wurden täglich 82300 Liter Wasser von 72,2° C. zugeführt, und mit diesem Wasserquantum wurden täglich 58265 Liter reines Wasser von 5,8° auf eine Temperatur von 38,5° erwärmt. Die dem Speisewasser zugeführte Wärmemenge betrug demnach täglich 1,905265 Calorien, und da 1 Kilogr. Steinkohlen bekanntlich 3500 Calorien entwickelt, so belief sich die tägliche Ersparniß auf 544 Kilogr. Steinkohlen, d. i., wenn 100 Kilogr Steinkohlen zu 2,8 Fr. gerechnet werden, eine Summe von 15,25 Fr. per Tag oder 4575 Fr. per Jahr. Von diesem Gewinn sind zwar noch Capita-Unterhaltungs- und Reinigungskosten in Abzug zu bringen; aber es ist auch der Vortheil zu berücksichtigen, welchen die größere Beschleunigung und die schnellere Aufeinanderfolge der Arbeitsoperationen mit sich bringt.

Außerdem hat Pimont noch einen zweiten ähnlichen Apparat construirt, welcher zur Nutzbarmachung des aus Bleich- und Bäuchkufen entweichenden Dampfes dient Mittelst eines im Deckel der Kufe angebrachten Rohres wird der Dampf nach zwei Kästen geführt, in welchen auf ganz ähnliche Weise, wie beim ersten Apparate, das zur Leitung des reinen Wassers dienende Röhrensystem circulirt.

Die Quelle gibt unter Beifügung einer brauchbaren größeren Zeichnung weitere Erläuterungen über die Construction beider Apparate, deren Anschaffungskosten und den mit denselben erzielten Gewinn, unter Beziehung auf mehrere in Elsaß ausgeführte Anlagen. (Bulletin de la Société industrielle de Mulhouse, 1859 p. 363, durch das württemberg. Gewerbeblatt)

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