Titel: Ein Mittel, um eine Verfälschung des Bleies mit wohlfeileren Metallen auf mechanischem Wege zu entdecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 4 (S. 157–158)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi02_4

Ein Mittel, um eine Verfälschung des Bleies mit wohlfeileren Metallen auf mechanischem Wege zu entdecken.

Die Bleistangen oder Bleiblöcke werden zuweilen durch Glockengut oder altes Eisen verfälscht, das man im Augenblicke des Schmelzens und Fließens in die Gieß formen bringt. Um sich gegen diesen Betrug zu schützen, schneidet man gewöhnlich die Bleiblöcke im Augenblicke des Empfangs entzwei. Scharukin hat nun ein genaueres und rascheres Verfahren ersonnen, das gegenwärtig in den russischen Zeughäusern in Anwendung gebracht wird. Man bedient sich zum Wägen der Bleiblöcke, statt der gewöhnlichen Gewichte, titrirter Bleigewichte Sobald das Gleichgewicht hergestellt ist, taucht man die beiden Waagschalen mit ihrer Belastung in einen vollen Wasserbehälter. Wenn das Blei nicht verfälscht ist, verbleibt das Gleichgewicht im Wasser wie in der Luft; wenn aber das Blei Eisen- oder Glockengutstücke beigemischt enthält, neigt sich die Waagschale auf die Seite der graduirten Gewichte.

Man sieht, daß sich diese Methode auf das Archimedische Princip gründet, wonach ein im Wasser ganz eingesenkter Körper so viel von seinem absoluten Gewichte verliert, als das Gewicht des aus seiner Stelle verdrängten Wassers beträgt. Je voluminöser folglich ein Körper ist, desto mehr wird er von seinem absoluten Gewichte |158| im Wasser verlieren, oder was dasselbe ist: desto leichter wird er im Wasser erscheinen.

Der berühmte Mathematiker, welcher dieses Princip entdeckte, hatte es, wie männiglich bekannt, zur Lösung eines gleichartigen Princips angewendet: es handelte sich nämlich darum, festzustellen, ob die von dem Goldarbeiter des Königs Hiero gelieferte goldene Krone lediglich aus reinem unvermischten Golde gemacht, oder ob dem Golde ein fremdes, specifisch leichteres Metall beigemischt sey. Archimedes löste die Frage dadurch, daß er die Krone abwechselnd im Wasser und in der Luft wog, und so den Gewichtsverlust bestimmte, welchen sie im Wasser erlitt. Dieser Verlust stellte genau das Gewicht eines Wasservolumens gleich dem der Krone dar. Nehmen wir an das Gewicht dieses Gegenstandes sey genau 1 Kilogramm; Archimedes hatte sich überzeugt, daß 1 Kilogrm. reines Gold im Wasser nur den zwanzigsten Theil seines Gewichts verliert. Die untersuchte Krone erlitt aber im Wasser einen beträchtlicheren Gewichtsverlust; sonach war sie aus einer Legirung gebildet, welche ein leichteres Metall als Gold enthielt.

Das Verfahren Scharukin's läßt sich anwenden, ohne daß man irgend einen Irrthum zu befürchten hat, denn in der That sind alle Metalle, welche schwerer sind als Blei, theurer und werden sonach niemals zur Verfälschung dieses Metalls gebraucht. (Journal pour Tous; Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1860, Nr. 1.)

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