Titel: Ueber die Entdeckung der Fuselöle im Weingeist; von Prof. W. Stein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 6 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi02_6

Ueber die Entdeckung der Fuselöle im Weingeist; von Prof. W. Stein.

Zur Entdeckung der Fuselöle im Weingeist sind, wie bekannt, schon verschiedene Verfahrungsweisen vorgeschlagen worden. Ich bediene mich seit Jahren mit dem besten Erfolge des nachstehend beschriebenen.

Gepulvertes oder möglichst poröses Chlorcalcium in kleinen Stücken wird in einem Becherglase mit so viel von dem zu untersuchenden Weingeiste übergossen, als nöthig ist, um es so weit vollständig zu durchfeuchten, daß es naß erscheint, und dann das Becherglas mit einer Glasplatte bedeckt. Riecht man nach einiger Zeit in das Glas hinein, so bemerkt man den Geruch des Fuselöls, der nach mehreren Stunden sich noch deutlicher entwickelt. Bei sehr geringen Beimischungen von Fuselöl ist es nöthig, das Gemisch lange stehen zu lassen, ehe man daran riecht, und dann nicht zu lange auf einmal, sondern öfter von Zeit zu Zeit daran zu riechen.

Auf diese Weise ist es möglich, nicht bloß Spuren eines Fuselöls, sondern auch mehrere Fuselöle oder Riechstoffe irgend welcher Art neben einander zu erkennen, sofern nur das Geruchsorgan empfindlich und gehörig geübt ist.

Streng genommen ist dieses Verfahren nichts anderes als eine Abänderung und Verbesserung des allergewöhnlichsten praktisch angewendeten, nach welchem man den zu prüfenden Weingeist in warmes Wasser gießt. Die Unmöglichkeit, geringe Mengen von Fuselöl in einem Weingeiste zu erkennen, beruht nämlich, wie man leicht einsieht, darauf, daß die Geruchsnerven durch die mit dem Fuselöle gleichzeitig wirksamen Alkoholdämpfe betäubt werden. Will man also das Fuselöl allein riechen, so muß man die Entstehung der Alkoholdämpfe verhindern. Dieß erreicht man, wenn man den Alkohol in Wasser gießt, noch besser aber, wie gesagt, indem man ihn mit überschüssigem Chlorcalcium zusammen bringt, welches ihn bindet. Es ist nun zwar bekannt, daß auch das Fuselöl sich mit Chlorcalcium verbinden kann, jedenfalls ist aber diese Verbindung nicht geruchlos, während der Alkohol vom Chlorcalcium so fest gehalten wird, daß er die Wahrnehmung des Fuselölgeruchs nicht stört. (Polytechnisches Centralblatt, 1859 S. 1627.)

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