Titel: Ueber das Aufschließen der Knochen durch Pferdedünger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 8 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi02_8

Ueber das Aufschließen der Knochen durch Pferdedünger.

Schichtet man frische Knochen und Pferdedünger in der Weise, daß die Lagen einen Schuh hoch abwechselnd auf einander kommen, und überläßt diesen Haufen seinem Schicksal, so bemerkt man nach einigen Wochen, daß die Temperatur im Innern desselben sich bedeutend gegen die äußere erhöht hat. Mit der Zunahme der Temperatur bemerkt man auch eine Verringerung des Volumens, d.h. ein Zusammensinken. Beide Erscheinungen sind auffallend genug und zeigen den Vorgang eines Processes im Innern des Haufens an.

Während anhaltender Trockenheit ist ein Begießen mit Jauche oder Wasser nöthig. Nach 3/4 bis 1 Jahr ist das Volumen des Haufens auf die Hälfte herabgekommen, und, wenn man sich die Mühe gibt, nach den Knochen zu forschen, so findet man sie in einem Zustande völliger Auflösung zu Pulver, oder wenigstens so, daß der Proceß noch nicht beendigt worden ist. Die Theorie des Processes möchte folgende seyn.

Die Knochen repräsentiren uns einen Körper, der während der Kindheit des Individuums weich und elastisch war und nur aus leimgebenden Geweben bestand. Der phosphorsaure Kalk der Nahrungsmittel fing an in den Canälen dieser leimgebenden Gewebe sich abzulagern und so diesen einen innern Halt und Stützpunkt zu geben. Ausgebildet bestehen diese Knochen etwa aus 2/3 fester mineralischer Substanz vorzugsweise aus phosphorsaurem Kalk, und aus 1/3 thierischer Leimsubstanz.

In dem Haufen, wo wir Knochen und Pferdemist schichten, zeigt uns die Temperaturerhöhung den Vorgang eines Processes, zu dessen Einleitung der Pferdemist nichts als die nöthige Wärme liefert. Der Gegenstand der Zersetzung kann nur die thierische Leimsubstanz seyn; das Product der Zersetzung ist aber folgendes: die leimgebenden Gewebe enthalten gegen 16 Proc. Stickstoff; durch den Umsetzungsproceß zerfallen die Atome dieser stickstoffreicheren Substanz in einfachere, der Stickstoff bildet mit dem Wasserstoff Ammoniak ein Theil des Kohlenstoffs mit dem vorhandenen Sauerstoff Kohlensäure. Wir haben also kohlensaures Ammoniak als einen Factor der Zersetzungsproducte. War nun die mineralische Substanz in den Knoche gleichsam in der animalischen Substanz abgelagert, und gab die erstere der letzteren die Festigkeit unseren Körper zu tragen, so liegt es auf der Hand, daß wenn durch einen Fäulnißproceß die animalische Substanz zerstört wird, die mineralische in der Form wieder abgeschieden werden muß, in der sie sich im Körper abgelagert hatte, d.h. in Pulverform.

Es ist also die Knochensubstanz in der Weise verändert worden, daß der zu Pulver zerfallene phosphorsaure Kalk der Einwirkung des kohlensauren Ammoniaks sich nicht entziehen kann, daß also, wenn man die Bildung von phosphorsaurem Ammoniak annehmen will, dieses in der That sich zu bilden im Stande ist. Bedenkt man den Werth der Phosphorsäure und des Ammoniaks im Haushalte der Natur, so wird man sich sagen müssen, daß die wohlfeile Erzeugung einer Verbindung beider Körper von sehr bedeutendem Nutzen für die Oekonomie zu werden verspricht. (Landwirthschaftliche Zeitung für Kurhessen.)

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