Titel: Ueber die Verbindung der Thonerde mit den Cyanverbindungen des Kaliums und des Eisens.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 5 (S. 236–237)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi03_5

Ueber die Verbindung der Thonerde mit den Cyanverbindungen des Kaliums und des Eisens.

Ueber diesen Gegenstand theilt Tissier folgende Thatsachen mit. Gießt man in eine neutrale Lösung eines Thonerdesalzes, z.B. des Alauns, eine Lösung von gelbem Blutlaugensalz, so tritt keine besondere Erscheinung ein; nach sehr langer Zeit bildet sich jedoch allmählich ein weißer Niederschlag. Ungefähr dasselbe geschieht, wenn man in der Kälte mit einer sauren Lösung den Versuch anstellt, oder in der Hitze mit einer neutralen. Läßt man jedoch einige Zeit lang die saure Lösung eines Thonerdesalzes mit gelbem Blutlaugensalze kochen, so bildet sich unmittelbar ein weißer Niederschlag, der sich an der Luft rasch blau färbt. In diesem Falle bewirkt die durch die Säure hervorgebrachte Zerlegung des gelben Blutlaugensalzes die Zerlegung des Thonerdesalzes. Ist die Quantität des Reagens hinreichend, und das Kochen mehrere Minuten lang fortgesetzt worden, so wird alle Thonerde ausgefällt, und daher auch durch kohlensaures Ammoniak kein Niederschlag mehr in der Flüssigkeit hervorgebracht.

Arbeitet man mit einem Ueberschuß des Thonerdesalzes, so zwar, daß die vom Niederschlage getrennte Flüssigkeit kein gelbes Blutlaugensalz mehr enthält, so gewinnt man einen Niederschlag, der auf Grundlage mehrerer Analysen folgende Zusammensetzung zeigt: 44,75 Thonerde, 55,25 Eisenoxyd. Dieses Verhältniß wurde bei einer Lösung von 10 Grm. Alaun mit 5 Grm. gelbem Blutlaugensalze erhalten.

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Die Cyanverbindung des Aluminiums und Eisens ist im Augenblick der Fällung weiß, wird an der Luft rasch blau und erhält nach dem Austrocknen eine schön blaue Farbe. Tissier meint, daß die in den meisten Berlinerblausorten enthaltene Thonerde nicht bloß beigemengt, sondern in den meisten Fällen chemisch gebunden sey, und daß eben hierdurch vorzugsweise der Farbenton des Productes modificirt werden könne. In diesem Falle wäre das Waschen mit verdünnter Säure, welches man anwendet, um Berlinerblau von Thonerde zu befreien, eine unnütze Operation, indem die Thonerde-Verbindung darin unlöslich ist. Dürfte nicht auch hierin die Ursache der Unlöslichkeit mancher Berlinerblausorten in Oxalsäure liegen? (Aus Monit. scientif., durch die Mittheilung des niederösterreichischen Gewerbevereins, 1859 S. 368.)

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