Titel: Einfluß der Fette auf die Löslichkeit der arsenigen Säure; von Hrn. Blondlot.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 13 (S. 319)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi04_13

Einfluß der Fette auf die Löslichkeit der arsenigen Säure; von Hrn. Blondlot.

Ich will hiemit die Toxikologen auf die merkwürdige Thatsache aufmerksam machen, daß die Fette die Eigenschaft besitzen die Löslichkeit der arsenigen Säure, sowohl in reinem Wasser, als in schwach saurem und deßgleichen in schwach alkalischem Wasser, zu verhindern. Zahlreiche Versuche haben mir nämlich gezeigt, daß die arsenige Säure im festen Zustande nur im geringsten mit einem fetten Körper in Berührung gewesen zu seyn braucht, damit ihre Löslichkeit in jenen verschiedenen Flüssigkeiten auf 1/15 oder 1/20 derjenigen reducirt wird, welche sich unter übrigens gleichen Umständen ohne Dazwischenkunft der fetten Substanz herausstellt; man kann sich davon leicht überzeugen, wenn man das Verhältniß des aufgelösten Arseniks mittelst Stärkekleister und Jodtinctur bestimmt. Da eine Spur von irgend einem Fett hinreicht um diese Wirkung hervorzubringen und dieselbe durch die Säuren eben so wenig wie durch die starken Basen verhindert wird, so ist es einleuchtend, daß in diesem Falle gar keine chemische Verbindung zwischen der arsenigen Säure und dem fetten Körper erfolgt, und daß folglich die Rolle welche letzterer spielt, nur eine mechanische seyn kann, indem er sich nämlich in die arsenige Säure so einsaugt, daß sie der Einwirkung der wässerigen Flüssigkeit, worin sie sich auflösen müßte, entzogen wird.

Diese Thatsache erklärt uns vorerst, warum man bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen den Arsenik manchmal vergeblich im flüssigen Theil von Nahrungsmitteln, welche solchen enthielten, aufgesucht hat, wenn letztere mehr oder weniger fetticht waren, wie Fleischbrühe, Milch etc. Sie erklärt uns auch, warum als Pulver eingenommene arsenige Säure, wenn sie im Magen fette Substanzen antraf welche ihre Auflösung verzögerten, sehr lange Zeit darin verbleiben konnte, bevor sie giftige Wirkungen hervorbrachte 5 was in gewissen Fällen die Justiz bei ihren Nachforschungen irre führen könnte. Endlich können wir uns durch diese Thatsache die Angabe von Morgagni erklären, daß man zu seiner Zeit nicht selten Taschenspieler ohne Nachtheil ein Paar Finger voll weißen Arsenik verschlucken sah, weil sie, sagt er, die Vorsicht gebrauchten vorher Milch und fette Substanzen einzunehmen, welche sie hernach, nachdem sich das Publicum zurückgezogen hatte, durch Erbrechen wieder von sich gaben.

Endlich zeigt die von mir beobachtete Thatsache, daß man bei der Arsenikvergiftung zweckmäßig fette Substanzen, namentlich Milch, verordnet, weil sie nicht bloß vortheilhaft als erweichende Mittel wirken, wie man allgemein annimmt, sondern wahrhafte Gegengifte sind, indem sie die Auflösung und folglich die Absorption derjenigen arsenigen Säure, welche noch im festen Zustande zurückgeblieben ist, beträchtlich zu verzögern vermögen. (Comptes rendus, Januar 1860, Nr. 3.)

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