Titel: Verfahren der Gußstahlfabrication, von Robert Mushet in Coleford.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 5 (S. 315–316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi04_5

Verfahren der Gußstahlfabrication, von Robert Mushet in Coleford.

Erstes Verfahren. – Nach diesem Verfahren, welches dem Genannten am 16. December 1858 in England patentirt wurde, wird möglichst reines Roheisen geschmolzen und dann durch Einleiten von Luft von dem größeren Theile seines Kohlenstoffs befreit. Das entkohlte Eisen wird granulirt, dann zugleich mit manganhaltigem Spiegeleisen, wie es in Rheinpreußen aus Spatheisenstein erblasen wird, in einen Tiegel gebracht und mit demselben zusammen geschmolzen. Die geschmolzene Masse wird durch Gießen in Barren verwandelt, welche nachher in gewöhnlicher Weise weiter verarbeitet werden. Die Quantität von Spiegeleisen, womit das entkohlte Eisen zusammen geschmolzen wird, ist verschieden, je nachdem ein härterer oder weicherer Stahl erzeugt werden soll, und variirt von 1 bis 20 Th. |316| Spiegeleisen auf 100 Th. entkohltes Eisen. Zur Erzeugung von sehr weichem Stahl nimmt man 2 Th. Spiegeleisen auf 38 Th. entkohltes Eisen; für Stahl von mittlerer Härte 4 Th. des ersteren auf 36 Th. des letzteren; für recht harten Stahl 6 Th. des ersteren auf 34 Th. des letzteren Statt die beiden Materialien im ungeschmolzenen Zustande zusammen zu bringen, kann man auch jedes für sich in einen Tiegel schmelzen und dann das geschmolzene Spiegeleisen zu dem geschmolzenen entkohlten Eisen gießen, worauf die Masse umgerührt und in Formen gegossen wird. Das Spiegeleisen welches der Patentträger meint, enthält 2 bis 8 Th. Mangan auf 100 Th. Eisen. Statt desselben kann eine auf andere Art erhaltene ähnliche Verbindung von Eisen, Mangan und Kohlenstoff angewendet werden.

Zweites Verfahren. – Nach diesem Verfahren, welches am 15. Januar 1859 patentirt wurde, wird möglichst reines, namentlich möglichst schwefel- und phosphorfreies Roheisen durch Zerstampfen im glühenden Zustande granulirt, dann mit Eisenoxyd (pulverisirtem Rotheisenstein oder Magneteisenstein, nicht einem manganreichen Erz, welches die Tiegel zu sehr angreifen würde) und Spiegeleisen vermischt und diese Mischung in Tiegeln geschmolzen. Auf 30 Pfd. graues Roheisen Nr. 1 nimmt Mushet 5 Pfd. reinsten Roth- oder Magneteisenstein und 3 Pfd. Spiegeleisen; diese Verhältnisse können aber je nach der beabsichtigten Harte des Stahls abgeändert werden. Setzt man mehr Spiegeleisen zu. so erhält man härteren, durch größeren Zusatz von Eisenoxyd dagegen weicheren Stahl. Wenn statt des Roheisens Feineisen angewendet wird, so nimmt man auf 36 Pfd. desselben 3 Pfd. pulverisirtes Eisenerz und 3 Pfd. Spiegeleisen. (Repertory of Patent-Inventions, August 1859, S. 155, und October S. 309)

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