Titel: Verfahren der Stahlfabrication mittelst Anwendung von Spiegeleisen und Wolfram, nach Robert Mushet.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 6 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi04_6

Verfahren der Stahlfabrication mittelst Anwendung von Spiegeleisen und Wolfram, nach Robert Mushet.

Mushet ließ sich am 18. März 1859 in England ein Verfahren der Stahlerzeugung patentiren, welches darin besteht, daß man eine Legirung von Wolfram, Eisen und Mangan mit durch Hineinleiten von Luft entkohltem Roheisen zusammenschmilzt. Die Legirung wird dadurch erzeugt, daß man reducirtes Wolframerz mit Spiegeleisen, wie es in Rheinpreußen erzeugt wird, zusammenschmilzt, indem man vorzugsweise das Verhältniß von 1 Th. reducirtem Wolframerz auf 4 Th. Spiegeleisen anwendet. Das Mengenverhältniß zwischen der Legirung und dem entkohlten Eisen richtet sich nach der beabsichtigten Qualität des Stahls: man setzt nämlich um so mehr von der Legirung zu, je harter der Stahl werden soll. Das Roheisen muß möglichst frei von Schwefel, Phosphor und Arsenik seyn, was auch von dem anzuwendenden (möglichst manganreichen) Spiegeleisen gilt.

Das Wolframmineral (wolframsaures Mangan- und Eisenoxydul), welches ebenfalls möglichst rein seyn muß, wird in Stücke bis zu Wallnußgröße zertheilt, sodann in Kasten, wie sie bei der Cementstahlfabrication benutzt werden in abwechselnden, je 3 bis 4 Zoll dicken Lagen mit Kohle (von Holz, Torf oder Braunkohle) geschichtet, indem man die unteren Lagen des Wolframminerals aus den größeren, die oberen successiv aus immer kleineren Stücken bestehen läßt, und das Ganze in einem Cementirosen geglüht. Hierbei muß eine möglichst starke Hitze (stärker als bei der Cementstahlfabrication) angewendet und dieselbe muß je nach der Größe der Kästen 72 bis 96 Stunden lang unterhalten werden. Nachdem der Ofen genügend abgekühlt ist, nimmt man das reducirte Wolfram nebst der Kohle aus den Kästen heraus, zertheilt die Stücke durch Stampfer oder Walzen und trennt dann die Kohle von dem Wolfram, was entweder durch Ausschwingen mittelst eines Luftstroms oder durch Waschen mit Wasser bewirkt wird. Das von der Kohle befreite Wolfram wird nachher in Tiegeln mit dem Spiegeleisen zusammengeschmolzen.

Das anzuwendende Roheisen wird im geschmolzenen Zustande durch Hineinleiten von Luft in einem geeigneten Apparat möglichst entkohlt, sodann aus diesem Apparat in einen andern heißen Behälter oder Ofen abgelassen und in demselben mit der geschmolzenen Legirung die man aus einem Tiegel hinzufließen läßt durch Umrühren vermischt, worauf man den so erzeugten Stahl in Formen fließen läßt. Auf 1 Tonne |317| entkohltes Eisen nimmt man 45 bis 315 Pfd. der Legirung, je nach der beabsichtigten Qualität des Stahls. Wenn der Apparat, in welchem die Entkohlung des Gußeisens stattfindet, eine solche Einrichtung hat. daß das Gebläse nach genügender Einwirkung sich abstellen läßt, so kann die Vermischung des entkohlten Eisens mit der geschmolzenen Legirung auch in diesem Apparate bewirkt werden. (Repertory of Patent-Inventions, Decbr. 1859, S. 462; polytechn. Centralblatt, 1860 S. 283.)

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