Titel: Ueber die Wirksamkeit oder Leistungsfähigkeit der Seifen beim Waschen; von Dr. N. Gräger in Mühlhausen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 6 (S. 395–396)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi05_6
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Ueber die Wirksamkeit oder Leistungsfähigkeit der Seifen beim Waschen; von Dr. N. Gräger in Mühlhausen.

Jeder Seifenfabrikant hat wohl schon die Erfahrung gemacht, daß von Seiten der Consumenten über die Güte, d.h. Leistungsfähigkeit der Seifen Klage geführt wird, selbst da, wo er sich bewußt ist eine gute Seife angefertigt zu haben. Sehr gewöhnlich gibt man es einem zu großen Wassergehalte Schuld, wenn die Seife den von ihnen gehegten Erwartungen nicht entspricht, womit es in vielen Fällen auch wohl seine Richtigkeit haben mag. Allein es scheint mir, wenn man hiervon und von manchen anderen Zufälligkeiten, welche auf die Beurtheilung der Güte einer Seife von Einfluß sind, absieht, noch ein anderer Grund vorhanden zu seyn, aus welchem es erklärlich wird, weßhalb richtig bereitete Seifen von gleichem Wassergehalte dennoch eine verschiedene Leistungsfähigkeit besitzen können. Dieser Grund ist kein anderer als der, daß die verschiedenen Fettsäuren mit ihren verschiedenen Aequivalent-Gewichten auch eine verschieden große Menge von ätzenden Alkalien aufnehmen, um in Seife verwandelt zu werden. Wenn es nun richtig ist, daß sich die Seifen nur vermöge ihres Alkaligehaltes reinigend erweisen, so müssen solche mit einem großen Alkaligehalte, also von kleinem Fettsäure Aequivalente auch die wirksamsten seyn.

Man könnte hiergegen vielleicht einwenden, daß der Unterschied der Fettsäure-Aequivalente überhaupt zu klein sey, um sich bei einer Wäsche geltend machen zu können. Bei den gewöhnlichen Hauswäschen mag dieser Einwand gelten; allein der Wollwaarenwäscher, der jährlich vielleicht 1000 Ctnr. Seife und darüber verbraucht, ja wenn er nur die Hälfte von diesem Quantum verbraucht, wird und muß den Unterschied herausfinden, der bei solchen Massen mit nichten ein kleiner genannt werden kann. Dieß ergibt sich aus folgender Zusammenstellung.

Die Aequivalent-Gewichte der verschiedenen, am meisten gebräuchlichen Seifen im wasserfreien Zustande sind:

Oelsäureseife (gewöhnlich Elainseife genannt) 3800,95
Palmölseife 3588,85
Talgseife 3300,95
Kokusölseife 3065,45

Berechnet man hiernach, wie viel von einer anderen Seife erforderlich ist, um 1000 Pfund Talgseife dadurch zu ersetzen, so findet man:

1151 Pfund Elainseife d.h. 15,1 Procent mehr als von Talgseife.
1087 Palmölseife. 8,7 „ „ „ „ „
928 Kokusölseife, 7,2 „ weniger „ „ „

Dieß sind Unterschiede, die sich gewiß in der Praxis geltend machen, und auch wahrgenommen werden würden, wenn man, was allerdings nicht leicht ist, die nöthigen Versuche behufs der Vergleichung der verschiedenen Seifen, je nachdem zu ihrer Darstellung die eine oder die andere Fettart verwendet wurde, anstellen wollte (Böttger's polytechn. Notizblatt, 1860, Nr. 5.)

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