Titel: Anfertigung von Pergamentpapier mittelst Chlorzink, nach Thomas Taylor.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 8 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi05_8
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Anfertigung von Pergamentpapier mittelst Chlorzink, nach Thomas Taylor.

Der Genannte ließ sich am 29. März 1859 in England ein Verfahren patentiren, geleimtes oder ungeleimtes Papier in solcher Art zu präpariren, daß es weniger porös, dichter, stärker, steifer, dauerhafter und namentlich der Wirkung des Wassers besser widerstehend wird und mehr oder weniger die Zähigkeit, die durchscheinende Beschaffenheit und überhaupt das Ansehen von Pergament erhält. Dasselbe besteht im Wesentlichen darin, daß man eine Lösung von Chlorzink auf das Papier wirken läßt, indem man in folgender Weise verfährt:

Man nimmt eine Lösung von Chlorzink, macht dieselbe durch Zusatz von Zinkoxyd oder kohlensaurem Zinkoxyd so neutral als möglich und concentrirt sie durch Abdampfen, bis sie in der Kälte die Consistenz eines Syrups besitzt. In diesem Zustande hat sie ein spec. Gewicht von circa 2,100. Man taucht das trockne Papier in diese Lösung oder läßt es auf derselben schwimmen, bis es sich vollständig mit der Flüssigkeit imprägnirt hat; dann nimmt man es aus derselben heraus, entfernt die anhängende Lösung durch einen Schaber oder zwischen Walzen und taucht das Papier sofort in Wasser, um alle lösliche Substanz daraus zu entfernen. Wenn man eine Portion Zinkoxyd in dem Papier zurückhalten will, bringt man dasselbe, nachdem es theilweise gewaschen ist, in eine schwache Lösung von Soda, und wäscht es dann erst vollständig mit Wasser. Das Papier wird nachher gepreßt, getrocknet und in gewöhnlicher Manier geglättet oder auch geleimt und gefärbt. Nach dieser Behandlung ist es mehr oder weniger verändert, hat sich zusammengezogen, ist aber dichter, weniger porös und fester geworden. Wenn man beabsichtigt, daß diese Veränderung des Papiers möglichst vollständig eintritt, so muß man die Lösung des Chlorzinks schwach erwärmen, oder das Papier, nachdem es aus der kalten Lösung wieder herausgenommen und der Ueberschuß derselben daraus entfernt ist, einer gelinden Wärme aussetzen. Die anzuwendende Temperatur variirt je nach dem beabsichtigten Effect von 27 oder 32° C. bis etwas unter 100° C. Bei Bestimmung derselben ist auch zu berücksichtigen daß die Art des Papiers, seine Dicke und Dichtigkeit, die Concentration der Chlorzinklösung und die Dauer der Einwirkung derselben auf das Resultat Einfluß haben. Im Allgemeinen ist, wenn man gewöhnliches Löschpapier anwendet und dasselbe an einer metallenen Fläche erwärmt eine Temperatur von 49 bis 60° C. hinreichend. Ein Kennzeichen der beendeten Umwandlung besteht darin, daß das Papier etwas angeschwollen ist und ein trocknes Ansehen hat, sowie daß es aus dem halbdurchscheinenden und steifen Zustande in einen mehr undurchsichtigen und schlaffen Zustand übergeht. Die Wärme kann man entweder auf die Weise einwirken lassen, daß man der Chlorzinklösung die geeignete Temperatur gibt, oder man legt das mit derselben imprägnirte Papier auf eine erwärmte Fläche oder überfährt es mit einer solchen, wie beim Plätten. Wenn man Papier ohne Ende anwendet, läßt man dasselbe zwischen erwärmten Walzen hindurchgehen oder eine erwärmte Kammer passiren; man führt in diesem Falle die ganze Operation vom Eintauchen des Papiers in die Chlorzinklösung bis zum letzten Waschen desselben continuirlich aus. Wenn Papierblätter, welche mit Chlorzinklösung gesättigt wurden, auf einander gelegt, zusammengepreßt und darauf mit einem erwärmten Eisen überfahren werden, kleben sie fest zusammen und geben ein einziges starkes Blatt (London Journal of arts, December 1859, S. 351; polytechnisches Centralblatt, 1860 S. 207.)

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