Titel: Neue Turbinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 1 (S. 460–461)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi06_1

Neue Turbinen.

Der k. k. Sectionsrath Hr. P. Rittinger hielt am 17. December v. J. im österreichischen Ingenieurverein einen Vortrag über Turbinen eigener Construction und die mit denselben neuerlich auf dem fürstlich Salm'schen Eisenwerke zu Blansko abgeführten Versuche. Er ging von der Jonval'schen Turbine aus, welche gegenwärtig am allgemeinsten verbreitet, und gegenüber anderen Turbinen durch mehrfache Vorzüge ausgezeichnet ist, und bemerkte nach Erörterung ihrer |461| wesentlichsten Constructionsverhältnisse, daß die meisten derselben bisher nur auf empirischem Wege und nur sehr wenige durch Berechnung festgestellt werden, und daß er hierdurch veranlaßt worden sey, die Größenverhältnisse der Turbinen einer sorgfältigen Untersuchung zu unterziehen. Er charakterisirte die sogenannten Jonval'schen Turbinen als Röhren-Turbinen im Allgemeinen, und unterschied drei Arten derselben: Actions-Turbinen, bei welchen vorzugsweise die Geschwindigkeit, Reactions-Turbinen, bei welchen hauptsächlich die Pressung des Wassers in Arbeit umgesetzt wird, und gemischte Turbinen, wozu die gewöhnliche Construction gehört, worin beide ersteren Systeme vereiniget sind. Die theoretischen Untersuchungen zeigten, daß es eine große Zahl von nach der Theorie ganz richtigen Turbinen gebe, unter welchen jedoch die praktisch brauchbaren erst gewählt und durch Versuche erprobt werden müßten. Es wurden demnach drei Turbinen, darunter eine reine Actions- und zwei gemischte Turbinen, und zwar nicht als bloße Modelle, sondern für ein Gefälle von 6 Fuß und 5 bis 6 Kubikfuß Wassermenge in der Secunde construirt, und mit denselben eine systematische Reihe von Versuchen ausgeführt. Diese Versuche zeichnen sich vor anderen dieser Art durch ihre besondere Verläßlichkeit aus, indem dabei die Wassermenge direct in einem großen Wasserkasten gemessen wurde, was in den seltensten Fällen zu geschehen pflegt. Auch wurde dabei von Hrn. Rittinger ein eigener Brems-Dynamometer mit elastischen Armen angewendet, welcher in ähnlichen Fällen sehr ersprießliche Dienste leistet. Von den Ergebnissen der Versuche möge hier nur hervorgehoben werden, daß der Nutzeffekt der reinen Actions-Turbine 70 Proc. und bei den beiden anderen 72 Proc. und 62 Proc. betrug; daß Hr. R. die erstbezeichnete Turbine ungeachtet ihres gegen die zweite etwas geringeren Nutzeffekts dennoch vorzugsweise empfahl, weil sie unter allen Turbinen die geringste Anzahl von Umgangen für einen bestimmten Nutzeffect benöthiget, und wegen der Stellung ihrer Schaufeln auch nicht so leicht durch Verlegen der Zellen im Gange beirrt wird. Es ist diese Turbine das erste bisher construirte Exemplar einer reinen Actions-Turbine. Die fürstliche Eisenwerks-Direction zu Blansko ist in der Lage, die von dem Hrn. P. Rittinger berechneten Turbinen auszuführen. Eine ausführliche Broschüre über diesen Gegenstand wird demnächst erscheinen. (Zeitschrift des österreichischen Ingenieurvereins, December 1859, S. 224.)

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