Titel: Anwendung der Centrifugaltrockenmaschinen zum Trocknen des Leders.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 10 (S. 466–467)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi06_10

Anwendung der Centrifugaltrockenmaschinen zum Trocknen des Leders.

Die in neuerer Zeit in Gebrauch gekommenen Centrifugaltrockenmaschinen haben mit vollem Rechte die Aufmerksamkeit der Gewerbtreibenden auf sich gezogen, da sie Vorzügliches leisten große Dauerhaftigkeit besitzen, nur wenig Raum zu ihrer Aufstellung beanspruchen, leicht zu handhaben sind, unabhängig von Jahreszeit und Witterung ihren Zweck erfüllen, verhältnißmäßig nur geringe Anschaffungs- und |467| Unterhaltungskosten erfordern und endlich durch Einfachheit in der Construction nicht minder als durch leichte Zugänglichkeit zu allen Maschinentheilen sich vortheilhaft empfehlen.

Die allgemeine Verbreitung solcher Maschinen in den Kattunfabriken, Färbereien, Waschanstalten und noch zahlreichen anderen gewerblichen Etablissements mehr ist ein vollgültiges Zeugniß obiger Behauptung.

Nur zum Trocknen des Leders haben diese Art von Maschinen wenig oder gar keine Beachtung gefunden, indem von der großen Zahl derselben, welche seit Jahren aus der Feska'schen Maschinenbauanstalt in Berlin (die sich vorzugsweise mit ihrer Herstellung beschäftigt) hervorgegangen sind, nur eine einzige für, eine Lederfabrik bestimmt gewesen, nämlich für die freiherrlich v. Eichthal'sche in München, Firma J. Mayer. Die dort in Betrieb stehende Maschine wird wegen des daselbst überdieß verfügbaren und nahestehenden Dampfkessels durch Dampf in Bewegung gesetzt und macht 900 Umdrehungen in der Minute, sie bedarf indeß nur 3/4 Pferdekraft; die innere Trommel hat 35 Zoll Durchmesser und 15 Zoll Tiefe rheinl. Maaßes; auf 1 Quadratzoll Seitenwand treffen 5 Oeffnungen. Die äußere Trommel zur Aufnahme des Wassers hat einen Durchmesser von 3 Fuß 2 Zoll gleichen Maßes; die Gesammthöhe der ganzen Maschine beträgt 6 1/2 Fuß und ihre größte Breite 4 1/2 Fuß; fundirt ist die Maschine durch einen Tuffstein von 7 Fuß Länge, 4 Fuß Breite und 2 Fuß Dicke, nimmt sonach nur 28 Quadratfuß Bodenfläche zu ihrer Aufstellung in Anspruch und läßt sich in jeder Ecke eines Gebäudes placiren. Der Preis der Maschine betrug loco Berlin 400 Thaler, wovon gegen 60 bis 70 Thaler auf den Metallwerth der aus starkem Kupferblech gefertigten Trommeln sich vertheilen möchten.

Als Referent die Maschine in genannter Fabrik in Thätigkeit sah, diente sie zum Trocknen der Kuh- und Kälberhaare, damit man diesen Abfall von gehöriger Beschaffenheit für Teppichfabrication in den Handel bringen konnte. Mit nahezu einer Pferdekraft trocknete die Maschine binnen 15 Minuten 62 Pfund Haare in so weit, daß davon 21 Pfund trocken erhalten wurden; das aus ihnen abgeschiedene Wasser betrug 39 Pfund, so daß die fehlenden 2 Pfund im Innern der Trommel verdunstet seyn müssen, wenn es nicht vielleicht theilweise verschüttet worden.

Erfahrungen über das Trocknen des Leders mittelst dieser Maschinen liegen zwar nicht vor, es läßt sich aber um so weniger bezweifeln, daß sie auch hierzu tauglich seyn werden, als es doch bei ihm auch nur die Luft ist, und zwar von nicht erhöhter Temperatur, welche wirksam ist. Bekanntlich geschieht das Trocknen des Leders in den Gerbereien noch an freier Luft, und nur beim Oberleder, welches, wegen der späteren Anwendung von Fetten, damit diese vollständiger eindringen können, sehr trocken seyn muß, bedient man sich geheizter Räume.

Beim Sohlleder, welches wegen der größeren Menge des darin befindlichen Wassers schwer trocknet, geschieht dieß vorzugsweise im Frühjahr und Herbst hauptsächlich auf Speichern, nur in Malmedy gibt man dem Trocknen an der Sonne den Vorzug, so daß die Häute dort förmlich gesonnt werden. Nachts kommen sie auf den Speicher. – Uebergroße Sonnenhitze ist eben so sehr als Frost zu vermeiden, indem beide einen nachtheiligen Einfluß auf die gutem Leder zukommenden Eigenschaften, ingleichen auf das Gewicht des fertigen Fabricats haben würden, welches möglichst hoch zu erhalten das pecuniäre Interesse der Fabrikanten erheischt. Dieß würde übrigens auch bei Anwendung der Centrifugaltrockenmaschinen der Fall seyn, indem man es bei ihnen in der Gewalt hat, mit dem Trocknen aufzuhören, wenn es nothwendig ist. (Zeitung für Lederfabrication und Lederhandel.)

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