Titel: Ueber Wolframstahl, insbesondere über dessen Anwendung für Münzstempel; von Münzcandidat Rößler in Darmstadt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 2 (S. 461–462)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi06_2

Ueber Wolframstahl, insbesondere über dessen Anwendung für Münzstempel; von Münzcandidat Rößler in Darmstadt.

Ein in verschiedenen technischen Zeitschriften mitgetheilter Aufsatz, der die bedeutende Festigkeit und Härte jener neuen Stahlsorte rühmt, veranlaßte mich, dieselbe hinsichtlich ihrer Tauglichkeit für Münzstempel, einer Probe zu unterwerfen. Es wurde zu diesem Zwecke eine circa 46 Millimeter dicke Rundstahlstange direct von dem ursprünglichen Darsteller, Hrn. Franz Mayr in Leoben, zum Preise von 24 kr. per Pfund bezogen und von derselben eine Anzahl circa 55 Millimeter hoher Stücke zu Stempelstöcken für Vereinsthaler, im rothwarmen Zustande abgehauen. Schon hier zeigte sich eine auffallende Härte, die dem eindringenden Meißel eine ungleich größere Schwierigkeit entgegensetzte, wie alle übrigen Stahlsorten. Um die Structur zu beobachten, hieb man die einzelnen Stücke mit dem Meißel nicht völlig durch, sondern ließ einen Kern in der Mitte stehen, der, kalt abgehauen, eine äußerst feinkörnige Bruchfläche zeigte. Nachdem hierauf vier dieser Stempelstöcke, unter vollständig gleicher Behandlung, wie die eben in der großh. Münze in Verwendung befindlichen Gußstahlstempel, ausgeglüht waren, wurden sie aufgelöthet und zum Zweck des Einsenkens mittelst der Originalpatrize angedreht. Unter dem Drehstahl verhielt sich der Wolframstahl sehr zart, und lang gezogene elastische Späne deuteten auf große Homogeneität. So vorbereitet begann man nun mit dem Senken, d.h. mit dem Eindrücken der Originalpatrize in die oben convex angedrehte Fläche der Stempelstöcke. Dasselbe geschieht bekanntlich unter dem sogenannten Anwurf (Schraubenpresse), und hier zeigte sich nun der neue Stahl in Betreff der Härte so vollständig verschieden gegen alle anderen Stahlsorten, daß ein 18maliges Senken, zwischen welchem jedesmal wieder ein Ausglühen erfolgte, erst vollendete, was ein |462| 5- bis 6maliges Senken der Stempel aus der Fabrik von Krupp in Essen schon zu Wege brachte. Eine solche langwierige Behandlung könnte man sich schon gefallen lassen, wenn auch die Haltbarkeit der Stempel im Verhältniß zu seiner auffallenden Härte stünde; aber hierin sah ich mich nun leider getäuscht und kann in diesem Punkte nicht mit dem in jenen technischen Zeitschriften ausgesprochenen Urtheile übereinstimmen.

Schon bei dem Härten, was wie gewöhnlich, und mit äußerster Sorgfalt geschah, zersprangen 2 Stück, wurden also schon von vornherein zum Gebrauch untauglich; die beiden übrigen zeigten kleine Haarrisse und ließen nur auf kurze Dauer schließen. Der Erfolg bestätigte dieß denn auch, indem jene Risse aufgingen und schon nach den ersten 100 Stücken geprägter Platten zu kräftigen Sprüngen wurden.

Als Beispiel, was andere Stempel zu leisten vermögen, mag folgende Notiz dienen:

In der großh. Münze wurden im Jahr 1859 circa 1,051,000 fl. in Vereinsthalern geprägt und hierzu 35 Stück Krupp'scher Stempel verbraucht, von denen während des Härtens auch nicht einer zersprang; es kamen somit auf einen Stempel im Durchschnitt 30,000 fl. in Vereinsthalern – ein Ergebniß, mit dem man schon zufrieden seyn kann.

Andere Versuche, den Wolframstahl zu Werkzeugen, als Meißel, Drehstahle u.s.w. zu verwenden, gaben ganz ähnliche Ergebnisse, indem er sich äußerlich im Schmieden und Bearbeiten wohl ganz gut verhielt, im Härten aber ebenfalls die fatalen Sprünge zeigte; hierbei muß jedoch bemerkt werden, daß letztere Versuche wohl mit der gleichen Stahlsorte, jedoch aus einer anderen Fabrik bezogen, angestellt wurden.

Um nun zu einem Resumé zu gelangen, so glaube ich, daß der Wolframstahl zu allen Zwecken, wo er ungehärtet verwendet wird, ganz Vorzügliches leistet, daß er jedoch in dem Falle, wo er das Härten zu passiren hat, noch nicht das bietet, was man von einer guten Stahlsorte verlangen kann. Ohne Zweifel wird jedoch dieser Mißstand in der Folge noch gehoben und er wird dann seiner ganz enormen Härte und Festigkeit wegen sich den vorzüglichsten Stahlsorten würdig anreihen, wenn nicht diese noch übertreffen (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1860 S. 25.)

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