Titel: Ueber die Anwendung der Schießwolle zum Filtriren starker Säuren, leicht zersetzlicher Flüssigkeiten u. dgl.; von Prof. Böttger.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 5 (S. 463)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi06_5

Ueber die Anwendung der Schießwolle zum Filtriren starker Säuren, leicht zersetzlicher Flüssigkeiten u. dgl.; von Prof. Böttger.

Angeregt durch eine Bemerkung der Redaction des in Berlin erscheinenden polytechnischen Intelligenz-Blattes in Nr. 4. auf Seite 30, finde ich mich veranlaßt, meine Erfahrungen, bezüglich der Anwendung der schon seit einer Reihe von Jahren von mir benutzten Schießwolle zum Filtriren starker Säuren und ähnlicher ätzend und scharf wirkender, deßgleichen leicht sich zersetzender Stoffe, hiemit der Oeffentlichkeit zu übergeben. Da die Schießwolle bekanntlich ein Product der Aufeinanderwirkung von starken Säuren ist, und, gut bereitet, meinen Erfahrungen zufolge, außer vom Essigäther, fast von keinem einzigen wenn auch noch so kräftig wirkenden Agens, bei mittlerer Temperatur, im mindesten angegriffen wird, so kann dieselbe den Chemikern, den Apothekern, so wie überhaupt den Verfertigern chemischer Producte in allen den Fällen, wo es sich um Abscheidung von Niederschlägen aus sauren Mutterlaugen, um Filtration von concentrirten Säuren, von durch organische Stoffe leicht zersetzbaren Flüssigkeiten u.s.w. handelt, nicht genug und zwar als ein ganz ausgezeichnetes Filtrir-Material empfohlen werden Außer der von oben gedachter Redaction empfohlenen Anwendung zur Trennung des Chlorsilbers von starker, durch Silbernitrat chlorfrei gemachter Salpetersäure, habe ich die Schießwolle als Filtrir-Material (indem man dieselbe nur in Form eines Pfropfes locker in den Trichterhals einzuschieben braucht), besonders in folgenden Fällen mehrfach mit großem Nutzen in Anwendung gebracht: Beim Abfiltriren der mit etwas Wasser versetzten rauchenden Schwefelsäure von dem darin nach und nach sich abscheidenden Selenschlamm; bei der Trennung der krystallisirten Chromsäure von der schwefelsauren Mutterlange; beim Filtriren einer concentrirten Lösung, von übermangansaurem Kali, respective Trennung derselben von dem darin suspendirten Mangansuperoxyd. Ja selbst zum Filtriren von concentrirten Aetzlaugen, von einer concentrirten Lösung von Chlorzink und von Königswasser habe ich, einer großen Menge anderer Flüssigkeiten gar nicht zu gedenken, die Schießwolle als vollkommen geeignet gefunden. Die bisher zu ähnlichen Zwecken in Anwendung gebrachten Granaten, ferner den Asbest, das Glaspulver u. dgl. sind der gelockerten faserigen Schießwolle in jeder Hinsicht bei weitem nachzusetzen. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1860, Nr. 7.)

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