Titel: Verfahren, Glas durch Aetzen mit Flußsäure zu verzieren; von Gugnon in Metz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 155/Miszelle 6 (S. 463–464)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj155/mi155mi06_6
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Verfahren, Glas durch Aetzen mit Flußsäure zu verzieren; von Gugnon in Metz.

Als Aetzgrund wendet Gugnon Asphalt mit einem Sechstel Mastix vermischt an; diese Mischung wird zu einem feinen Pulver zerrieben.

Die Zeichnung kann auf Blech von Kupfer, Blei, Zink etc. oder auf Papier, Pergament, einem Gewebe etc. gemacht werden. Nachdem die Zeichnung angefertigt ist, schneidet man die Fläche, auf welcher sie sich befindet, durch geeignete Mittel in der Art aus, daß das Muster oder im Allgemeinen alle Theile, welche auf dem Glase geätzt werden sollen, stehen bleiben, alles Uebrige aber entfernt wird.

Man legt die Glasplatte, auf welcher die Zeichnung hervorgebracht werden soll, horizontal, gibt ihr einen schwachen Ueberzug von Terpenthinöl, legt die ausgeschnittene Zeichnung oder Schablone darauf und führt sodann ein feines Sieb welches den vorerwähnten pulverförmigen Aetzgrund enthält, darüber hin. Nachdem eine hinreichende Menge des harzigen Pulvers sich abgesetzt hat, nimmt man die Schablone vorsichtig weg, worauf die Glasplatte an den Stellen, die nicht geätzt werden sollen, mit dem harzigen Pulver bedeckt, an den Stellen dagegen, welche man ätzen will, unbedeckt ist. Man setzt die Platte nun einer gelinden Wärme aus, wobei an den ersteren Stellen das harzige Pulver sich mit dem Terpenthinöl verbindet und auf der Platte fest schmilzt. Man umgibt die Platte dann mit einem Wachsrand und gießt Flußsäure, die mit 1/3 Wasser verdünnt ist, darauf. Man läßt diese Flüssigkeit etwa 40 Minuten lang auf das Glas wirken, worauf man die Platte mit Wasser abspült und sodann den Wachsrand und den Aetzgrund in gewöhnlicher Manier beseitigt.

Für die Anwendung im Großen empfiehlt Gugnon statt des Siebes einen größeren, unten halbcylindrischen Kasten, in dessen unterem Theile sich eine Flügelwelle befindet. Indem man diese Flügelwelle durch eine Kurbel dreht, wird das in den Kasten gebrachte harzige Pulver durch den Luftstrom in die Höhe gerissen und vertheilt sich als Staub in dem oberen Raum des Kastens. In diesen Raum schiebt man dann durch eine Spalte die in vorbeschriebener Art vorgerichtete Platte, läßt sie so lange in demselben, bis eine hinreichende Menge harzigen Pulvers sich darauf abgesetzt hat, zieht sie wieder heraus und verfährt weiter wie vorhin erwähnt wurde. Bei dieser Manier erzielt man eine gleichmäßigere Vertheilung des Pulvers und eine größere Schärfe der Contouren.

Nach dem vorbeschriebenen Verfahren kann man nicht bloß ausgeschnittene Zeichnungen, sondern auch durchbrochene Stoffe, Stickereien, Spitzen, Tüll etc. auf Glas abbilden. Die Arbeit geht rasch von statten, so daß, wie auch das Muster beschaffen seyn mag, zwei Leute an einem Tage circa 20 Quadratmeter Glas mit der geätzten Zeichnung versehen können. (Brevets d'invention, t. XXIX; polytechnisches Centralblatt, 1860 S. 71.)

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