Titel: Niepce, über den Einfluß, welchen das Sonnenlicht auf das vegetabilische und thierische Stärkmehl etc. ausübt.
Autor: Niépce de Saint‐Victor, Claude M.
Corvisart, L.
Fundstelle: 1860, Band 156, Nr. XV. (S. 38–39)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj156/ar156015

XV. Ueber den Einfluß, welchen das Sonnenlicht auf das vegetabilische und thierische Stärkmehl, den Rohrzucker etc. ausübt, und über einige Körper welche diese Wirkung begünstigen oder aufheben; von den HHrn. Niepce aus Saint-Victor und L. Corvisart.

Aus den Comptes rendus, September 1859, Nr. 10.

Wir haben gemeinschaftlich eine Reihe von Versuchen angestellt, welche zu folgenden Ergebnissen führten:

1) Das Sonnenlicht modificirt und verwandelt durch eine ihm eigenthümliche Wirkung einige stärkmehlartige Substanzen und mehrere ihrer Derivate.

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2) Durch die bloße aber andauernde Einwirkung des Lichtes verwandelt sich das reine und lösliche Stärkmehl zuerst in eine dem Inulin ähnliche Substanz, dann in Dextrin und Zucker.

In einer schwachen Lösung von Stärkmehl (etwa 1/1000) ist diese Veränderung nach sechsstündiger guter Besonnung im Juli oder August bewirkt. Meistens ist aber zur Erzielung einer vollständigen Wirkung eine 12–18stündige Besonnung erforderlich. Dagegen bleibt Stärkmehl, welches an demselben Ort, zu derselben Zeit, bei derselben Temperatur, aber in einem dunklen Kästchen exponirt wurde, ohne Veränderung, so zwar, daß einige Tropfen dieser letztern Lösung das Product welches bei dem andern Versuch erhalten wurde und mit Jodtinctur farblos geblieben ist, dunkelblau machen können.

3) Mehrere Substanzen beschränken oder vernichten diese umwandelnde Wirkung des Lichtes auf das Stärkmehl; so milchsaures oder citronensaures Eisen, Quecksilbersublimat.

Der Zusatz von 1 Procent salpetersaurem Uranoxyd verdreifacht, versechsfacht, verzehnfacht sogar die Wirkung des Lichtes auf das Stärkmehl.

4) Schwache Lösungen von Salpetersäure oder Weinsteinsäure (2 Proc. enthaltend) verhindern das Licht seine gewöhnliche umwandelnde Wirkung zu äußern. Die Oxalsäure besitzt hingegen die Eigenschaft, die Veränderung des Stärkmehls durch das Licht zu beschleunigen.

5) Ob bei den erwähnten kräftigen Umwandlungen das Licht allein wirkt, oder nur die Wirkung einleitet, jedenfalls kommt dem Lichte dabei eine ursächliche Rolle zu.

6) Eine vierprocentige Lösung von Oxalsäure, mit einer einprocentigen Lösung von salpetersaurem Uranoxyd gemischt, bleibt unzersetzt, man mag sie im Dunkeln bis zum Sieden erhitzen oder dreißig Stunden lang einer Wärme von 50° C. aussetzen; es genügt aber den Deckel des Apparates aufzuheben, um dem Lichte, selbst bei bedecktem Himmel, einen momentanen Eingang zu verschaffen, damit sich augenblicklich Gasblasen entwickeln.

7) Nach unseren directen Versuchen mit thierischem Stärkmehl geht auch dieser Körper im Lichte viel reichlicher und schneller in Zucker über, als im Dunkeln; aber salpetersaures Uranoxyd, weit entfernt hier die Wirkung des Sonnenlichtes zu vermehren, verhindert und beschränkt sie vielmehr.

Es ist sehr merkwürdig, daß, wie Schiff gefunden, das thierische Stärkmehl in der Leber der Frösche sich im Winter nicht in Zucker verwandelt, wie es das Stärkmehl in den Pflanzen in dieser Jahreszeit ebenfalls nicht thut.

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