Titel: Die Nähmaschinen-Ausstellung bei der Centralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 156/Miszelle 3 (S. 73–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj156/mi156mi01_3

Die Nähmaschinen-Ausstellung bei der Centralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart.

Die Anwendung der Nähmaschinen zur Verarbeitung mittelfeiner und ganz feiner baumwollener, leinener und wollener Stoffe sowohl, wie auch zur Verarbeitung ganz grober Stoffe, wie Sackleinwand etc., und zu Lederarbeiten findet immer größere Ausdehnung, und diese Maschinen haben bereits auch für den häuslichen Geschäftskreis bei Familien schon starken Eingang gefunden. Die Centralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart hielt es deßhalb für angemessen durch eine Ausstellung der verbreitetsten Constructionen von Nähmaschinen, welche am 9. April d. J. begann, dem Publicum Gelegenheit zu geben, sich durch eigene Anschauung von dem gegenwärtigen Stand der Nähmaschinentechnik unterrichten zu können.

Von den Maschinen, welche bei der Ausstellung in Thätigkeit gesetzt waren, werden folgende Arten von Stichen geliefert:

1) Der Ketten- oder Tambourinstich,

welchen die wohlfeileren Maschinen, die nur mit einem Faden nahen, liefern. Diese Maschinen werden in Amerika in großer Anzahl im Preise von 15 fl. an aufwärts ausgeboten und haben große Verbreitung auch in Familien gefunden Der Stich, welcher namentlich auch zum Nähen von Verzierungen und Ornamenten auf Stoffe dient und nur aus einer einfachen Verschlingung des Fadens, ähnlich wie beim Stricken, besteht, ist leichter löslich als die Stiche, welche die mit zwei Fäden nähenden Maschinen liefern, gibt aber eine sehr elastische Naht und ist darum sehr beliebt.

2) Der Doppel-Kettenstich,

von den Erfindern der Maschine Grover- und Bakerstich benannt, von zwei Faden gebildet. Es geht ebenfalls nur der obere Faden durch den Stoff, wobei er mit dem unteren in der Art sich verschlingt, daß die Naht auf der oberen Seite den gewöhnlichen Stich darbietet, wogegen auf der unteren Seite der obere und der untere Faden Schlaufen bildend sich verschlingen.

3) Der Steppstich, auch Web- oder Hafenstich genannt.

Die Maschinen welche diesen Stick liefern, nähen auch mit zwei Fäden, von denen der eine von der unter dem Stoffe liegenden Spule abläuft, der andere von der oben an der Maschine angebrachten Spule ab durch die Nadel geht. Nach dem Princip der Construction gibt es dieser Maschinen zweierlei, nämlich solche, bei welchen das Schiffchen (Weberschiffchen) und solche, bei welchen ein Haken oder Fanger zur Verschlingung der Fäden in Anwendung gebracht ist. Beide Arten von Maschinen liefern einen guten und festen Steppstich.

Folgende Maschinen waren in der Ausstellung in Thätigkeit:

A. Maschinen für den Kettenstich

Nr. 1. Nähmaschine für leichte Damenarbeit, von Willcox und Gibbs in Philadelphia, mit Tisch und Tretvorrichtung Preis 80 fl. 30 kr.

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Nr. 2. Nähmaschine für denselben Zweck, von Charles Raymond in Brattleboro, Vermont, Verein. Staaten von Nordamerika, ohne Tisch, zum Treiben mit der Hand. Preis 25 fl.

Nr. 3. Nähmaschine für denselben Zweck, von B. G. Sloat und Comp. in Philadelphia, zum Handbetrieb. Preis 20 fl.

Nr. 4. Nähmaschine, besonders für Tuch-, Kattun- und Handschuhfabriken geeignet, von F. Böcke in Berlin Preis 131 fl. 30 kr.

B. Maschinen für den Doppel-Kettenstich.

Nr. 5. Nähmaschine für Schufter-, Säckler., Schneider-Arbeit, von dem Grover und Baker'schen Depot bei Theod. Heinr. Menke in Hamburg. Preis 157 fl. 30 kr.

Nr. 6. Nähmaschine für dieselben Zwecke, von Stähle und Supper in Cannstatt. Preis 180 fl.

C. Maschinen für den Steppstich:

a) mit Fanger oder Haken.

Nr. 7. Nähmaschine für Kappenmacher und Säckler, von Stähle und Supper in Cannstatt Preis 150 fl.

Nr. 8. Nähmaschine für Schneider, von Stähle und Supper in Cannstatt. Preis 125 fl.

Nr. 9. Nähmaschine für feine Weißnähterei, von Stähle und Supper in Cannstatt. Preis 125 fl.

Nr. 10. Nähmaschine für feine Weißnähterei, von H. D. Schmid in Wien, im J. 1854 bezogen; damaliger Preis 300 fl.

Nr. 11. Nähmaschine für feine Weißnähterei, von Carl Beermann in Berlin. Preis 113 fl. 45 kr.

Nr. 12. Nähmaschine für Weißnähterei, nach Wheeler und Wilson, von F. Böcke in Verlin. Preis 87 fl. 30 kr.

Nr. 13. Nähmaschine für alle Arten von Weißnähterei, nach Wheeler u. Wilson, auf Gestell in Form eines Schrankes, von F. Böcke in Berlin. Preis 122 fl. 30 kr.

b) mit Schiffchen.

Nr. 14. Nähmaschine für feine Weißnähterei, von W. F Thomas und Comp. in London. Preis 285 fl.

Nr. 15. Nähmaschine für Corsetten und andere stärkere Weißnähterei, von W. F. Thomas und Comp. in London. Preis 285 fl.

Nr. 16. Nähmaschine für die Fertigung von Männer- und Frauenkleidern, von Barrère, rue du Quay-Trouin Nr. 12 in Paris. Preis 198 fl. 20 kr.

Nr. 17. Nähmaschine für Schneiderarbeit, von Niederegger in Ulm. Preis 275 fl.

Nr. 18. Nähmaschine für Schuhmacher, Sattler etc, von Nellinger in Pforzheim. Preis 225 fl.

Nr. 19. Nähmaschine für Sattler, Schuster etc., von A. B. Howe in New-York. Preis 345 fl.

Nr. 20. Nähmaschine zum Fertigen von Sacken und anderen groben Arbeiten, von Carl Beermann in Berlin. Preis 113 fl. 45 kr.

Nr. 21. Nähmaschine für Taschner- und leichtere Sattler-Arbeiten, von F. W. Thomas in London. Preis 324 fl.

Nr. 22. Nähmaschine (Fingerhut-Pendelmaschine) für Schneider- und Kürschnerarbeiten, von F. Böcke in Berlin. Preis 105 fl.

Nr. 23. Nähmaschine für Schneider und Damenkleidermacher, System Singer, von F. Böcke in Berlin. Preis 157 fl. 30 kr.

Nr. 24. Nähmaschine für Hutmacher, zum Einfassen der Hüte, von F. Böcke in Berlin. Preis 192 fl. 30 kr.

(Württembergisches Gewerbeblatt, 1860 Nr. 16 und 17.)

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