Titel: Dierick's Verfahren zum Justiren der Münzplatten.
Autor: Dierick, C. L.
Fundstelle: 1860, Band 157, Nr. LXVII. (S. 281–282)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/ar157067

LXVII. Verfahren zum Justiren der Münzplatten; von C. L. Dierick, Director der Pariser Münze.

Patentirt in England am 20. Juni 1859. – Aus dem Repertory of Patent-Inventions, März 1860, S. 240.

Bisher hat man zum Justiren der Münzplatten von Gold etc. die Feile (Justirfeile) benutzt, mit welcher man so viel Metall abnahm, als nöthig war, um die Platte auf das gehörige Gewicht zu bringen. Ich erreiche diesen Zweck durch bloßes Eintauchen der Goldplatten in Königswasser, indem ich ein Bad anwende, welches aus 5 Theilen Salpetersäure, 20 Theilen Salzsäure und 15–20 Th. Wasser besteht, je nachdem es die Platten mehr oder weniger schnell angreifen soll. Man classificirt die Platten zuerst nach der erforderlichen procentischen Gewichtsverminderung, taucht sie dann in das Bad und läßt sie darin 10 bis 20 Minuten, je nachdem mehr oder weniger Metall aufgelöst werden muß, um sie auf das gehörige |282| Gewicht zu bringen Im Sommer kann die Operation bei der gewöhnlichen oder Mittlern Temperatur ausgeführt werden, aber im Winter muß die Temperatur des Bades auf 20 bis 30° C. erhöht werden. Damit die Lösung gleichförmig auf jede einzelne Platte wirkt, bringe ich dieselben in ein cylindrisches Gefäß aus Porzellan (Kautschuk oder Gutta-percha), welches mit zahlreichen Löchern versehen ist und von Hand oder durch einen Mechanismus um seine Achse gedreht wird; dasselbe tauche ich so oft in das Bad, als es für die erforderliche Gewichtsverminderung nöthig ist. Ein solcher Cylinder kann bis 10000 Platten enthalten und sollte im Innern mit einigen Kreuzstücken versehen seyn, um die Platten zu zertheilen, damit sie der Einwirkung der Lösung beständig neue Oberflächen darbieten. Hernach muß der Cylinder mit seinem Inhalt in eine Anzahl von Gefäßen, welche reines Wasser enthalten, nach einander getaucht werden, bis keine Spur von Chlorgold im letzten Bade zurückbleibt. Nachdem die Platten auf diese Weise gereinigt und dann getrocknet worden sind, wiegt man sie, und die geringe Anzahl zu schwer gebliebener wird wieder in die saure Lösung getaucht. Das im Auflösungs- und Wasserbade enthaltene Gold wird durch Fällen mit Eisenvitriol wieder gewonnen.

Anstatt des um seine Achse sich drehenden cylindrischen Gefäßes könnte man auch eine Schale anwenden, worin man das Königswasser und das Gold durch einen Spatel in Bewegung erhält, aber die Platten würden hierbei unregelmäßiger angegriffen werden.

Bei der neuen Methode erspart man das Scheuern, wenn die Münzplatten vor dem Justiren ausgeglüht worden sind, weil die Königswasserlösung den gleichen Erfolg hervorbringt.

Das beschriebene Verfahren ist bei allen Münzsorten anwendbar, namentlich auch bei den Kupfermünzen, denn das Kupfer wird vom Königswasser sogar noch leichter angegriffen als das Gold; man hat in jedem Falle nur die Zusammensetzung des Bades dem zu behandelnden Metalle anzupassen.

Sollte es nothwendig werden, den Münzplatten wieder Metall zu ersetzen, um sie auf das gehörige Gewicht zu bringen, so kann dieß auf galvanoplastischem Wege geschehen.

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