Titel: Meschelynck's Verfahren zur Darstellung reiner Kohlensäure.
Autor: Meschelynck,
Lionnet, J.
Fundstelle: 1860, Band 157, Nr. XCII. (S. 361–362)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/ar157092

XCII. Neues Verfahren zur Darstellung reiner Kohlensäure behufs der Entkalkung des geläuterten Runkelrübensaftes; von Meschelynck und J. Lionnet.

Aus den Comptes rendus, Juli 1860, Nr. 5.

Die Idee, die Kohlensäure zur Entkalkung des mittelst Kalk geläuterten Runkelrübensaftes anzuwenden, tauchte zuerst vor mehr als zwanzig Jahren auf. Sie gehört Kuhlmann an, welcher sie aber wieder aufgab, ohne Zweifel weil er von anderen Arbeiten in Anspruch genommen war.54) Im J. 1848 wurde sie von Rousseau wieder aufgenommen55); ungeachtet der ausgezeichneten Resultats, welche man während der Campagne 1849–1850 erhielt, wurde sie jedoch wieder aufgegeben, weil das Verfahren um sich die zur Entkalkung nothwendige Kohlensäure zu verschaffen, kein industrielles war.

Unser Verfahren, um die in den Rübenzuckerfabriken erforderlichen Quantitäten von Kohlensäure fast kostenfrei zu gewinnen, besteht darin, Wasserdampf auf den kohlensauren Kalk einwirken zu lassen. Bekanntlich zersetzt sich der kohlensaure Kalk bei einer um so niedrigeren Temperatur, je feuchter er ist, und er kann sogar seine sämmtliche Kohlensäure verlieren, wenn man ihn auf 100° C. in einem Strom von Wasserdampf erhitzt.

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Wir bringen Retorten aus feuerbeständigem Thon in einen Flammofen und erhitzen sie darin nach Erforderniß. Diese Retorten communiciren an ihrem hintern Theil mit dem Dampfkessel mittelst Röhren, welche mit Hähnen versehen sind. Nachdem die Retorten gleichförmig auf die Dunkelrothglühhitze gebracht sind, öffnet man die Dampfhähne, und es entbinden sich fast augenblicklich Massen von kohlensaurem Gase, welche man in einem Gasometer sammelt. 100 Kilogr. Kreide können beiläufig 20000 Liter Gas liefern, womit man, für 1000 Liter Saft 300 Liter angenommen, 66000 Liter Saft entkalken kann.

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Kuhlmann empfahl die Kohlensäure zur Entkalkung des geläuterten Runkelrübensaftes im J. 1833; man sehe seine Abhandlung im polytechn. Journal Bd. LII S. 67. Im J. 1838 machte er in einer zweiten Abhandlung über Runkelrübenzuckerfabrication (polytechn. Journal Bd. LXX S. 209) den Vorschlag, Zucker ohne Anwendung von thierischer Kohle zu fabriciren, indem man den Saft mit einem Ueberschuß von Kalk kochen läßt, und erst nach diesem Kochen oder theilweisen Abdampfen den Kalk mittelst Kohlensäure fällt, bei einer Temperatur der Flüssigkeit von beiläufig 27° C. Nach letzterem Verfahren konnten aber im Großen keine günstigen Resultate erzielt werden; man s. Payen's Bericht im polytechn. Journal Bd. CXVIII S. 221.

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Polytechn. Journal Bd. CXVI S. 297 und Bd. CXVIII S. 221.

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