Titel: Moissenet's, Verfahren, den Zinngehalt der Zinnerze zu bestimmen.
Autor: Moissenet,
Fundstelle: 1860, Band 157, Nr. CXII. (S. 452–453)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/ar157112

CXII. Verfahren, den Zinngehalt der Zinnerze zu bestimmen; von Moissenet.

Aus den Comptes rendus, August 1860, Nr. 6.

Den jetzt gebräuchlichen Methoden zum Probiren der Zinnerze kann man mit Recht vorwerfen, daß sie keine hinreichend genauen Resultate liefern und sich für die armen Erze nicht so gut eignen wie für die angereicherten Producte der mechanischen Aufbereitung.

Auf den Hütten begnügt man sich mit rasch ausführbaren Probirmethoden, welche annähernde Resultate geben; in den Laboratorien kann man den Zinngehalt der Erze genau bestimmen, aber das Verfahren dazu ist selbst für einen geübten Chemiker mühsam und schwierig.

Im Laboratorium der Ecole des mines wenden wir die genauen analytischen Methoden an, welche von Berthier, sonach von Rivot 69) angegeben wurden, welchem letztern man die Anwendung des Wasserstoffgases als Reductionsmittel verdankt. Nach meiner Ansicht muß man jedoch an ein praktisches Verfahren die Anforderungen stellen: 1) daß das oxydirte Zinn reducirt werden kann, ohne das Ganggestein zu schmelzen; 2) daß hierzu der Wasserstoffgas-Apparat entbehrlich ist, um ohne vorhergegangenes Pulverisiren ein beträchtliches Gewicht zinnarmen Materials reduciren zu können; 3) daß die Anwendung des Schwefelwasserstoffs zur Trennung des Eisens und Zinnes vermieden wird, wenigstens im allgemeinsten Falle; endlich ist es 4) offenbar wünschenswerth das Zinn in metallischem Zustande zu erhalten.

Das Verfahren welches ich vorschlage, besteht in der Regel in fünf Operationen:

1) Behandlung mit Königswasser; Reinigung des Erzes;

2) Reduction mit Anwendung überschüssiger Kohle;

3) Auflösen des Zinnes und Eisens durch Salzsäure;

4) Fällen des Zinnes aus der salzsauren Lösung durch Zink;

5) Schmelzen des gefällten Zinnes mittelst eines Bades von Stearinsäure.

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Das Zinn wird durch das Zink ziemlich schnell und endlich vollständig aus der noch stark sauren Flüssigkeit gefällt. Der Betrag des vorhandenen Zinnchlorürs und das Verhältniß der freien Säure sind (abgesehen von den elektrischen Wirkungen) auf die Form des Niederschlags von Einfluß. Man erhält, nach den Umständen, glänzende Nadeln; Schuppen, entweder glatte, oder mit gezahntem Rande, oder wie Farnblätter gestreifte und von Perlmutterglanz; einen moosartigen Niederschlag; endlich einen schlammigen Niederschlag, welchem die eingeschlossenen Wasserstoffbläschen ganz das Ansehen eines Schwammes von grauer Farbe ertheilen. Letzterer Zustand charakterisirt immer das Ende einer Fällung, denn er entspricht einer sehr verdünnten Zinnlösung.

Das käufliche Zink enthält Unreinigkeiten; dem Nachtheil, welcher daraus entstehen könnte, beugt man dadurch vor, daß man das Zink in Form eines Knopfes anwendet, welcher an einem Kupferdraht in der Flüssigkeit aufgehängt wird; das Zinn schlägt sich um den ganzen Knopf herum nieder und bildet eine nicht anhaftende Hülle, aus welcher der Zinkknopf, bedeckt mit den dem angegriffenen Theile entsprechenden Unreinigkeiten, leicht herausgenommen werden kann.

Die Zinnhülle wird in einer Reibschale von Porzellan mittelst eines Pistilles aus Achat zusammengedrückt; die so erhaltenen Plaketten sind in einigen Minuten mit Zusatz eines Stückchens Stearinkerze geschmolzen. Das erhaltene Korn ist reines Zinn.

Die häufigsten Ganggesteine in den Zinnlagern sind: die einhüllenden Gebirgsarten, nämlich Granit, Porphyr, Thonschiefer; die nichtmetallischen Mineralien: Quarz, Feldspath, Turmalin, Glimmer, Flußspath und Chlorit; die metallischen Mineralien: Schwefelkies, Arsenikkies, Kupferkies, Kupferglanz, Eisenoxyd, Blende, endlich Wolfram.

Keines von diesen Ganggesteinen bildet ein Hinderniß für die Anwendung des beschriebenen Verfahrens.

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Anales de chimie et de physique, 3me série, t. XXX p. 188; Journal für praktische Chemie, Bd. LI. S. 338.

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