Titel: Der Wachsstrauch, von Dr. C. Scherzer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 11 (S. 79–80)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi01_11

Der Wachsstrauch, von Dr. C. Scherzer.

Während meiner Ausflüge ins Innere der Cap-Colonie ist mir ein Strauch bekannt geworden, welcher durch seine Nützlichkeit und die Naturverhältnisse, unter welchen derselbe gedeiht, der besonderen Berücksichtigung der kaiserlichen Expedition werth erschien.

Es ist dieß der sogenannte Wachsstrauch (Myrica cordifolia), welcher eine Beere liefert, die eine so reiche Quantität vegetabiles Wachs enthält, daß die Bewohner der Küste dasselbe vielfach zur Kerzenbereitung verwenden. Der Wachsstrauch gedeiht hauptsächlich |80| in sandigem Boden auf den sogenannten downs oder Sanddünen, entlang der Küste zwischen Tafelbai und Falsebai, wo er wild fortkommt und gewissermaßen der Pionnier für alle anderen Gewächse ist. Erst nachdem der Wachsstrauch einige Jahre Wurzel gefaßt, siedeln sich andere Gesträuche und Pflanzen an. Der Wachsstrauch blüht im November und trägt kleine dunkle Beeren im März oder April. Drei Büschel (bushel) Samen geben 9–10 Pfund Wachs, wenn der Same ganz reif ist; je älter der Same, desto mehr gibt er Wachs. Die Wachsgewinnung ist sehr einfach.

Man schüttet den Samen in einen Kübel mit heißem Wasser, worauf sich das Wachs von der Hülse der Beere absondert und bloß abgeschöpft zu werden braucht. Da die Ernte des Wachsstrauches in der Cap-Colonie in den Monat März oder April fällt, dem Winter des Caps, so dürfte in Dalmatien und anderen Theilen der Küste Istriens die Aussaat im März oder April, die Ernte im September geschehen. Man könnte jedenfalls den Versuch der Aussaat im März machen und im September wiederholen. Beim Säen sind keine besonderen Rücksichten zu beobachten. Sandiger, trockener Boden ist eine Hauptbedingung des Fortkommens des Strauches; da derselbe entlang der Küste der Tafelbai in großer Menge wild vorkommt, so hat man auf dessen Cultur bisher noch nicht die geringste Sorge verwendet. (Niederösterr. Gewerbevereinsblatt.)

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