Titel: Der Ventilator des Maschinenbauers Wedding in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 2 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi01_2

Der Ventilator des Maschinenbauers Wedding in Berlin.

In der Versammlung der Mitglieder des Vereins für Gewerbfleiß in Preußen, im Monate März (zu Berlin), erklärte Hr. Geh. Regierungsrath Wedding einen von dem Maschinenbauer Wedding construirten und aufgestellten Ventilator, welcher, in Verbindung mit einer kleinen Dampfmaschine, viele Vorzüge vor den bisherigen Ventilatoren besitzt.

Die Dampfmaschine hat 4'' Kolbendurchmesser und 6'' Hub; ungefähr nur ein Drittel Expansion, aber die für den kleinen Schieber sehr große Voreilung von fast 4/8''. Bei einem beiläufig 20 Fuß langen Dampfrohr von 3/4'' innen macht sie, wenn der Ventilator bei geschlossenen Düsen getrieben wird, 300–320 Umdrehungen in der Minute mit einem Kesseldruck von 42 Pfd. pro Quadratzoll, d.h. 3 Atmosphären. Es stellt sich hiernach theoretisch ein Nutzen von 5 Pferdekräften heraus. Bei Berechnung der Expansion und des Verlustes durch Reibung etc. bleibt immer noch ein praktischer Nutzen von 1 1/2 bis 2 1/2 Pferdekräften; ein Beweis, daß die allgemeine Furcht – für kleinere Werkstätten sey eine Dampfmaschine eine zu kostbare Auslage – eine unbegründete ist. Eine solche Maschine treibt bequem mehrere Drehbänke und kleine Hobelmaschinen und würde sich für eine kleine Schlosserei in kurzer Zeit bezahlt machen. Der Preis ist 200 Thaler.

Um nun dem mit der Dampfmaschine verbundenen Ventilator eine schnelle Bewegung von 6000 Umdrehungen zu geben, war – da die Dampfmaschine wohl kaum mehr als 300 Umdrehungen machen darf – eine Uebertragung von 1 : 20 nöthig. Da die auf der Welle des Ventilators sitzende Scheibe nur 1 1/2'' Durchmesser, das Schwungrad aber 36'' Durchmesser hat, so mußte ein einfacher aufgelegter Riemen, um nur einigermaßen zu treiben, so stark gespannt werden, daß bei einem gemachten Versuche sofort das Oberlager des Ventilators und das Unterlager des Schwungrades heiß wurden, auch diese Reibung großen Kraftverlust bedingte. Eine Uebertragung durch Friction war aus demselben nur umgekehrt sich zeigenden Grunde unmöglich. In dem vorgezeigten Ventilator ist Beides vereint. Eine zwischen beide Scheiben gelegte Rolle hält dieselben auch bei der enormsten Riemenspannung immer so weit auseinander, daß eine Reibung in den Lagern eigentlich nur durch die eigene Schwere des ganzen Systems, und zwar nur in den Lagern der langsamer gehenden Schwungradswelle stattfindet. Die damit verbundene Ventilatorwelle schwebt frei in der Luft und wird nun einerseits von der Zwischenrolle, andrerseits von dem mit gleicher Peripherie-Geschwindigkeit laufenden Riemen wie ein Quirl zwischen zwei Händen umgedreht. Abnutzung kann, da alle drei Rollen |76| von Eisen sind und mit den Stirnen nicht reiben, sondern auf einander rollen, nicht stattfinden.

Der Ventilator selbst ist mit seiner Welle und seinen Schaufeln aus einem Stück gegossen. Mit der gußstählernen Welle der die Bewegung erhaltenden Scheibe ist er innerhalb des langen Lagers mit einer ein wenig beweglichen Kuppelung verbunden. Er ist vollständig symmetrisch gebaut, so daß er, einmal in schneller Bewegung, sich seine Drehachse wählen und ohne irgend welchen Druck auf irgend welche Lagerstelle frei in der Atmosphäre schwingen kann, daher fast gar keines Oeles bedarf. Das etwa aus den Lagern auslaufende Oel wird in eingegossene Vertiefungen des Untertheils angesammelt und läuft von dort quer durch das Gestell in Röhrchen nach Außen angehängten Kästchen und kann dann wieder benutzt werden. Die sonst so unangenehme Unreinlichkeit gewöhnlicher Ventilatoren, die meist in einem Oelsumpf stehen, ist hierdurch vermieden. Der Deckel ist leicht abzunehmen, und dann jeder Punkt des Ventilators zugänglich.

Die Leistung ist bei geschlossenen Düsen ein Druck von 10'' Wassersäule, also nahe 1/2 Pfund pro Quadratzoll, bei einer offenen 20 Fuß langen Röhre von 5'' Durchmesser 4 1/2 Kubikfuß Wasser. Dieß entspricht einer Leistung von 1200 Kubikfuß pro Minute wirklichen Nutzeffects bei 300 Umdrehungen der Dampfmaschine oder 6000 des Ventilators. Preis complett 300 Thlr. mit Dampfmaschine, die, wenn der Ventilator nicht geht, andere Maschinen mittelst aufgelegten Riemens treiben kann. (Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1860, zweite Lieferung, S. 63.)

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