Titel: Neues Adoucirverfahren zur Erzeugung des schmiedbaren Eisengusses.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 6 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi01_6

Neues Adoucirverfahren zur Erzeugung des schmiedbaren Eisengusses.

Ein sehr einfaches und sicheres Verfahren zum Entkohlen des Gußeisens hat Prof. H. K. Eaton in Elisabethport, New Jersey (Vereinigte Staaten), entdeckt. Es besteht darin, die Gußstücke in das weiße Zinkoxyd, statt in Eisenoxyd einzuhüllen und das Ganze auf die Rothglühhitze zu bringen, wodurch der Kohlenstoff des Eisens abgeschieden wird, während metallisches Zink überdestillirt, welches man in einem Wasserbad verdichtet. Bei dem bisherigen Adoucirverfahren wird die Hitze gewöhnlich acht bis neun Tage lang ohne Unterbrechung unterhalten, und nach beendigtem Entkohlungsproceß muß man oft mit großer Mühe einzelne Metalltheile entfernen, welchen das als Cementirpulver |78| angewandte Eisenoxyd fest anhaftet. Diese mühsame und daher kostspielige Arbeit fällt bei Prof. Eaton's Methode ganz weg; bei diesem Verfahren bewirkt das Zinkoxyd nicht nur die Entkohlung in beiläufig vierzig Stunden, sondern dieselbe erfolgt auch bei einer verhältnißmäßig niedrigen Temperatur, und von dem angewandten Cementirpulver kann an der Oberfläche der Eisengüsse nichts haftend bleiben. Man hat bis jetzt Ringe, Schnallen, Pferdegebisse und Steigbügel, verschiedene Messerschmiede-Waaren und kleine Maschinentheile von Eisenguß mit dem besten Erfolge nach dem neuen Verfahren behandelt. Dasselbe liefert nicht nur ein hämmerbares Eisen von viel besserer Qualität, sondern auch mit viel geringeren Kosten, weil die Hitze bei weitem nicht so lange wie bisher unterhalten werden muß und man aus dem Cementirpulver das darin enthaltene Zinkmetall großentheils gewinnt. 40 Th. Zinkoxyd enthalten 32 Th. Zink und 8 Th. Sauerstoff; wenn daher ein Quantum Eisengüsse, welches 6 Pfd. Kohlenstoff enthält, in 40 Pfd. Zinkoxyd eingehüllt wird, so trennen sich 8 Pfd. Sauerstoff vom Zink und verbinden sich mit dem Kohlenstoff des Eisens zu 14 Pfd. Kohlenoxydgas, welches in die Atmosphäre entweicht, während 32 Pfd. reines metallisches Zink überdestilliren und die Eisengüsse um 6 Pfd. leichter werden.

Ein wichtiger Umstand bei dem neuen Verfahren die Eisengüsse durch Entkohlung hämmerbar zu machen, ist auch die Sicherheit der Operation; denn wenn man besorgt war einen Ueberschuß von dem Zinkoxyd anzuwenden, und es destillirt kein Zink mehr, so weiß man daß der Entkohlungsproceß gänzlich beendet ist und kein Kohlenstoff mehr dem Eisen entzogen werden kann. (Chemical News, 1860, Nr. 26.)

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