Titel: Anwendung von unterchlorigsaurer Thonerde als Mittel zum Bleichen und Desinficiren, von Z. G. Orioli in Paris.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 11 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi02_11

Anwendung von unterchlorigsaurer Thonerde als Mittel zum Bleichen und Desinficiren, von Z. G. Orioli in Paris.

Die unterchlorigsaure Thonerde, welche nur in wässeriger Lösung existirt, erhält man durch Vermischen der Lösungen von Chlorkalk und schwefelsaurer Thonerde. Wegen seiner leichten Zersetzbarkeit zerstört dieses Salz alle organischen Farbstoffe sehr leicht. Es ist in dieser Beziehung einer Mischung von Chlorkalk und Säure zu vergleichen, hat aber den Vorzug, immer neutral zu bleiben und nicht zu einem Rückhalt von Salzsäure in dem gebleichten Stoffe, welcher nach Orioli bei dem gewöhnlichen Verfahren oft vorkommt und nach und nach ein Mürbewerden des Stoffes bedingt, Anlaß zu geben. Bei der bleichenden Wirkung der unterchlorigsauren Thonerde wirkt dieselbe lediglich durch Abgabe von Sauerstoff, indem andererseits Chloraluminium entsteht. Beim Bleichen des Papierzeugs mit unterchlorigsaurer Thonerde braucht das Waschen nicht mit solcher Sorgfalt wie gewöhnlich ausgeführt zu werden, und man erhält doch ein festes und dauerhaftes Papier. Da das Chloraluminium ein antiseptisch wirkendes Salz ist, so kann man den Papierzeug in Berührung mit demselben im ungewaschenen Zustande längere Zeit aufbewahren, ohne daß er eine Zersetzung erleidet. Das Bleichen des Papierzeugs mit unterchlorigsaurer Thonerde kann man im Holländer vornehmen, indem man dem Papierzeug eine Lösung von schwefelsaurer Thonerde und andererseits eine Chlorkalklösung in passendem Verhältniß zufügt und nach 10 Minuten die Masse zum Abtropfen in einen |156| anderen Behälter fließen läßt, in welchem die Bleichung nach und nach vollständig stattfindet.

Um Gewebe oder Garne aus Baumwolle, Leinen etc. zu bleichen, behandelt man den Stoff erst mit Lauge und bringt ihn sodann in ein Bad, welches auf je 200 Pfd. des Stoffes 4 Pfd. unterchlorigsaure Thonerde enthält. Nach 2 bis 3 Stunden wird der Stoff wieder herausgenommen, worauf man ihn zusammengehäuft über Nacht liegen läßt. Am andern Tage wird er gespült und ein zweitesmal mit Lauge behandelt. Diese Procedur wird noch einmal oder nach Umständen noch mehreremale wiederholt.

Nach Orioli soll die unterchlorigsaure Thonerde auch statt essigsaurer Thonerde als Mordant mit Vortheil angewendet werden können. Ebenso empfiehlt derselbe dieses Salz als Mittel zum Desinficiren fauliger Stoffe, zum Conserviren anatomischer Präparate etc. – Patentirt in England am 20. Juli 1859. (Repertory of Patent-Inventions, April 1860, S. 337; polytechnisches Centralblatt, 1860 S. 799.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: