Titel: Gewinnung von Potasche aus dem Schweiß der Schafwolle, nach C. J. Maumené und V. Rogelet in Rheims.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 13 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi02_13

Gewinnung von Potasche aus dem Schweiß der Schafwolle, nach C. J. Maumené und V. Rogelet in Rheims.

Wenn die Schafwolle in Fässer gebracht, möglichst zusammengedrückt und mit Wasser übergossen wird, so löst dieß einen großen Theil des Schweißes auf und bildet eine |157| braune Flüssigkeit, welche unten aus dem Fasse abläuft, ohne erdige Theile mit sich zu nehmen. Auch der fettige Theil des Schweißes bleibt, wenn man kaltes Wasser anwendet, in der Wolle zurück. Die braune Flüssigkeit enthält Kali in Verbindung mit Fettsäuren etc., und außerdem, abgesehen von einer Spur Kalk, keine andere Basis. Durch Abdampfen und Glühen erhält man daraus Potasche, die kein Natron enthält, wie es bei keiner gewöhnlichen Potasche der Fall ist. Die beim Glühen der Masse entwickelten flüchtigen Stoffe kann man namentlich auf Ammoniak benutzen. Die dabei zurückbleibende kohlige Masse liefert durch Auslaugen und Abdampfen die Potasche, welche bloß mit etwas Chlorkalium und schwefelsaurem Kali verunreinigt ist.

Im Vorstehenden ist das Princip des Verfahrens angegeben, welches die Genannten sich am 15. Juni 1859 in England patentiren ließen. Die Ausführung desselben erfolgt am besten in der folgenden Weise: Die Wolle wird in Fässer oder Kufen gebracht, die in solcher Weise angeordnet sind, daß eine methodische Waschung oder Auslaugung mit Wasser darin vorgenommen werden kann. Diese Operation führt man in der Art aus, daß eine Flüssigkeit von 1,01 spec. Gewicht gewonnen wird. Man dampft diese Flüssigkeit ab und gewinnt dadurch das in der Wolle enthaltene Kalisalz oder Gemenge von Kalisalzen (in der Patentbeschreibung Suintate of potash genannt) als eine schwarzbraune Masse. Diese Masse wird entweder nach dem Erkalten im festen Zustande in die Retorten gebracht oder man läßt sie im heißen geschmolzenen Zustande in dieselben fließen. In den Retorten wird sie zum Glühen erhitzt, wobei Theer, Ammoniakwasser und Gase als flüchtige Producte auftreten, die man in ähnlicher Art verwendet, wie die Producte der Destillation von Steinkohle etc. Das Calciniren der Masse kann auch direct in Oefen vorgenommen werden, in welchem Falle man die entweichenden Gase verbrennt und die dadurch erzeugte Wärme zum Abdampfen der Lösung verwendet. Die beim Calciniren zurückgebliebene Masse wird in großen eisernen Gefäßen systematisch ausgelaugt. Die dabei erhaltene Flüssigkeit verdampft man bis zur Dichte von 30 bis 50° Baumé und läßt sie erkalten, wobei das schwefelsaure Kali und Chlorkalium sich größtentheils abscheiden. Die von denselben getrennte Flüssigkeit wird sodann weiter abgedampft, wodurch man fast reines kohlensaures Kali gewinnt. Sollte dasselbe etwas Schwefelkalium enthalten, so calcinirt man es zuletzt noch in einem Flammofen oder behandelt es mit etwas Bleiweiß.

Statt ganz in der beschriebenen Weise zu verfahren, kann man auch die beim Waschen der Wolle in gewöhnlicher Manier erhaltene Flüssigkeit, vorausgesetzt, daß bei diesem Waschen nur Wasser ohne Seife oder Soda angewendet wurde, zur Bereitung von Potasche verwenden. Man muß sie zu diesem Zweck 24 Stunden oder länger stehen lassen, damit die erdigen Verunreinigungen sich zu Boden setzen und die fettige Substanz, welche, wenn beim Waschen warmes Wasser angewendet wurde, auch in geringer Menge vorhanden ist, sich auch abscheidet. Die Flüssigkeit wird dann weiter so behandelt, wie es vorstehend angegeben ist.

Wenn das Waschen der Wolle nach dem hier vorgeschlagenen Verfahren ausgeführt wird, erhält man dieselbe weißer wie beim gewöhnlichen Waschverfahren, wie aus folgendem Versuch sich ergibt. Eine Portion Wolle wurde in gewöhnlicher Manier (vor dem Kämmen) gereinigt, nämlich erst mit Wasser von ungefähr 60° C. und dann in zwei Seifenbädern behandelt. Eine andere Portion derselben. Wolle wurde erst in kaltem Wasser eingeweicht und dann ebenfalls mit zwei auf einander folgenden warmen Seifenbädern behandelt. Die auf die letztere Art gereinigte Wolle war nun viel weißer als die nach der ersten Manier gereinigte, obschon die Verschiedenheit des Verfahrens doch bloß darin bestand, daß im ersteren Falle das Entschweißen mit etwas erwärmtem, im zweiten dagegen mit kaltem Wasser ausgeführt wurde.

Was die Quantität der aus dem Schweiß zu gewinnenden Potasche anbetrifft, so geben die Patentträger an, daß 1000 Pfd. rohe Wolle im Allgemeinen 140 bis 180 Pfd. trockenes Kalisalz und dieses durch Calciniren und Auslaugen nahezu die Hälfte seines Gewichts Potasche liefert, wonach für die aus 1000 Pfd. Wolle zu gewinnende Potasche mit Einschluß des Chlorkaliums und schwefelsauren Kalis, die zusammen kaum 5 bis 6 Pfd. ausmachen, 70 bis 90 Pfd. betragen würde: (Repertory of Patent-Inventions, März 1860, S. 231; polytechnisches Centralblatt, 1860 S. 796.)

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