Titel: Paraffin, fertig gebildet in Bogheadschiefer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 17 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi02_17

Paraffin, fertig gebildet in Bogheadschiefer.

Im Verlauf einer Untersuchung über einige Eigenschaften fossiler Brennmaterialien, die Hr. Stud. Merz aus Herisau auf meinen Wunsch ausführte, fand sich in einem ätherischen Auszug der Bogheadkohle als Rückstand eine nicht sehr tief braungefärbte mehr fettig als harzend anzufühlende Masse, welche für 1000 Gewichtstheile der Kohle 2,63 Theile betrug. Meine Vermuthung, daß sie sich durch Wiederlösen und Behandeln mit Thierkohle werde entfärben lassen, fand sich vollkommen bestätigt. Die fast weiße Masse wurde jedoch bei längerem Erwärmen behufs des Austrocknens wieder etwas bräunlich. Nach dem Behandeln mit verdünnter Natronlauge, wobei sie etwas an Gewicht verlor, wurde sie wieder weiß und blieb es bei längerem Erwärmen. Sie ist in Aether ziemlich gut, in Alkohol wenig, in Wasser nicht löslich. Ihr Schmelzpunkt betrug 41° C. Die Elementaranalyse ergab 86,33 Proc. Kohlenstoff und 13,32 Proc. Wasserstoff. Dieses Resultat, die Lösungsverhältnisse, lassen keinen Zweifel, daß diese Substanz Paraffin sey. Extracte von eigentlichen Steinkohlen ergaben beim Versuch der Reinigung nichts, was als Paraffin angesehen werden könnte. Es ist bis jetzt meines Wissens das Paraffin in dem Bogheadschiefer noch nicht nachgewiesen worden. In Braunkohlen fand man den Scheererit in deutlichen vom Auge erkennbaren ausgeschiedenen Massen, und in Erdöl fand man es ebenfalls. Vielleicht daß weitere Nachsuchungen ergeben würden, daß das Paraffin, das wir im Theer vieler fossilen Brennmaterialien finden, immer schon präexistirt. Im Steinkohlentheer hat man es noch nicht gefunden und man nahm an, es sey dieß der höheren Temperatur zuzuschreiben, bei welcher der Destillationsproceß vorgenommen werde; es ist nach Obigem jedoch auch möglich, daß es sich nicht in den Destillationsproducten findet, weil es nicht im Rohmaterial vorkommt. Prof. Bolley. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1860, Bd. V S. 55.)

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