Titel: Die Fabrication von hämmer- und schweißbarem Gußeisen bei Georg Fischer in Schaffhausen; von Prof. C. H. Schmidt in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 5 (S. 236)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi03_5

Die Fabrication von hämmer- und schweißbarem Gußeisen bei Georg Fischer in Schaffhausen; von Prof. C. H. Schmidt in Stuttgart.

Seit etwas länger als einem Jahre hat das durch seine ausgezeichneten Stahlfabricate in der ganzen technischen Welt wohlbekannte Etablissement von Fischer in Schaffhausen auch die Fabrication von hämmer- und schweißbarem Guß aufgenommen, und liefert hierin ein ganz ausgezeichnetes Product.

Das Roheisen, ein feinkörniges graues Holzkohleneisen ganz eigenthümlicher Gattung, wird in Tiegeln mittelst eines Gebläseofens von runder Form (Sefströmscher Ofen) umgeschmolzen. Das Etablissement enthält dermalen nur einen derartigen Ofen, welcher mit 5 Tiegeln besetzt wird, deren jeder im Mittel circa 35 Pfd. Roheisen aufnimmt. Jeden Arbeitstag wird in der Regel eine Schmelzung gemacht, und dabei werden 170 bis 180 Pfd., jährlich mithin gegen 500 Centner Roheisen umgeschmolzen, aus welchem, mit Rücksicht auf den Verlust durch Abbrand und Gießzapfen, gegen 400 Centner fertiges Fabricat gewonnen werden. Die Gießformen werden aus fettem Sande angefertigt, vor dem Gießen stark erwärmt und während des höchsten Grades von Hitze und Dünnflüssigkeit des Eisens mit möglichster Schnelligkeit gefüllt.

Um die Gußstücke in hämmerbares Eisen umzuwandeln, werden dieselben mit einem zweckentsprechenden pulverförmigen Material in cylindrischen Tiegeln von circa 6'' Durchmesser und 12'' Höhe geschichtet und in einem Ofen von ziemlich derselben Construction, wie die aufrechten Hafneröfen, einer für längere Zeit unterhaltenen Rothglühhitze ausgesetzt. Die zum Glühen erforderliche Zeit beträgt bei kleinen Gegenständen 8–10 Stunden, bei größeren Gegenständen 40–60 Stunden. Das Etablissement enthält drei Glühöfen, welche zur Aufnahme von 9, 28 und 48 Tiegeln eingerichtet sind, und führt durchschnitlich alle 14 Tage einen Glühproceß aus, wobei je nach der Quantität des vorhandenen Gusses der eine oder andere dieser Oefen in Anwendung kommt.

Das durch diesen Glühproceß in hämmer- und schweißbaren Zustand übergeführte Eisen ist von vorzüglicher Güte; es übertrifft an Weichheit und Zähigkeit viele andere derartige Producte und ist in Folge dessen bereits ein sehr gesuchter Artikel geworden. Es läßt sich nach Belieben biegen und in Schraubenwindungen drehen, gestattet das Zusammenschweißen mit anderem weichem Eisen oder Stahl und zeigt auf angefeilten Stellen vollkommen den Glanz und die Farbe des reinen Schmiedeeisens. Mehrfache Versuche, die hier zu Lande mit diesem Eisen gemacht worden sind, haben diese Eigenschaften nachgewiesen, sie haben sogar gezeigt, daß sich die durch den Guß erzeugten Löcher und Schlitzen ebenso gut wie im gewöhnlichen Schmiedeeisen erweitern und auftreiben lassen.

Der Preis beträgt loco Schaffhausen im Mittel 30 kr. per Pfund, stellt sich aber auch höher und niedriger, je nach Form und Größe der Gegenstände. Einfache Schloß- und Wagenbestandtheile größerer Dimensionen, große Schlüssel, Hufeisen, Pferdegeschirrtheile und dergl. werden mit 24 bis 26 kr., feinere Schloß- und Gewehrtheile, Gegenstände für Messerschmiede, als Reb- und Baumscheren, die Griffe zu großen Schneiderscheren und dergl. mit 28 bis 30 kr., kleine Schatullenschlüssel, große Schlüssel mit Verzierungen, Säbelkörbe, Säbelgriffe u.s.w. mit 36 bis 48 kr. per Zollpfund berechnet. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1860, Nr. 32.)

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