Titel: Ueber Pöhlmann's Instrumental-Saiten aus Gußstahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 6 (S. 236–238)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi03_6
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Ueber Pöhlmann's Instrumental-Saiten aus Gußstahl.

Der Central-Verwaltungs-Ausschuß des polytechnischen Vereins für Bayern hat auf das Gesuch des Vereinsmitgliedes Hrn. Moriz Pöhlmann, Kaufmann und Metallsaitenfabrikanten in Nürnberg, „neue Muster der von ihm fabricirten Pianofortesaiten aus Gußstahldraht einer kunstgerechten Prüfung in Hinsicht auf ihre absolute Festigkeit oder Tragkraft zu unterwerfen, und die Resultate mit denen der im November v. Js. mit denselben Stahlsaitennummern aus der nämlichen Fabrik angestellten Probe zu vergleichen“ – eine Commission ernannt, welche in dem Fabriklocale des Hrn. Hof-Pianofortefabrikanten Alois Biber in München mit der ihr zur Benützung überlassenen Miller'schen Maschine die Prüfungen der von Hrn. Pöhlmann eingesendeten Saitennummern 12, 13, 14, 15 und 16 vornahm.

Es wurde jedesmal eine Länge von 6 Zoll bayer. in die Maschine gespannt. Die Prüfungsergebnisse waren folgende.

Saitennummer 12.

Dicke 0,788 Millimet.

I. Versuch. Die Saite dehnte sich bleibend gar nicht und riß bei 233 Pfd.
II. „ Die Saite dehnte sich bleibend gar nicht und riß bei 232 Pfd.
III. „ Die Saite dehnte sich bei 240 und riß bei 248 Pfd.
––––––––––––––––
Mittel 237,6 Pfd.

Saitennummer 13.

Dicke 0,844 Millimet.

I. Versuch. Die Saite dehnte sich bleibend gar nicht und riß bei 275 Pfd. 14 Lth.
II. „ – – – – – – – 280,7
III. „ – – – – – – – 260
––––––––––––––––––––––
Mittel 272,045 Pfd.

Bei 0,85 Millimet. Dicke würde die Saite tragen 275,8 Pfd.

Saitennummer 14.

Dicke 0,863 Millimet.

I. Versuch. Die Saite dehnte sich bei 160 Pfd. und riß bei 274 Pfd. 20 Lth.
II. „ Die Saite dehnte sich rasch und riß bei 228 Pfd.
III. „ Die Saite dehnte sich bleibend bei 140 und riß bei 250 Pfd.
––––––––––––––––––––––
Mittel 250,875 Pfd

Saitennummer 15.

Dicke 0,919 Millimet.

I. Versuch. Die Saite dehnte sich bleibend bei 292 Pfd. 2 Lth.
und brach bei

292 Pfd. 3 Lth.
II. „ Die Saite dehnte sich bei 286 Pfd. und brach bei 291 Pfd. 22 Lth.
III. „ Die Saite dehnte sich und riß bei 286 Pfd.
––––––––––––––––––––––
Mittel 289,926 Pfd.

Saitennummer 16.

Dicke 0,994 Millimet.

I. Versuch. Die Saite dehnte sich bleibend bei 298 Pfd. 19 Lth.,
dehnte sich fortwährend, ruhte endlich auf der
Unterlage bei


330 Pfd.
II. „ Die Saite dehute sich bleibend bei 337 Pfd. 19 Lth.
und riß bei

357 Pfd. 16 Lth.
III. „ Die Saite dehnte sich bleibend bei 338 Pfd. (das
Hebelende ruhte auf der Unterlage), ohne zu reißen
bei


351 Pfd.
IV. „ Die Saite dehnte sich bleibend bei 348 Pfund und
riß bei

351 Pfd.
–––––––––––––
Mittel aus den Versuchen II u. IV 354,25 Pfd.

Stellen wir demnach diese Versuche mit denen im Decemberhefte des Kunst- und Gewerbeblatts vom Jahre 1859 S. 645 angeführten zusammen, so ergeben sich, wenn wir die Saitendicken immer auf gleiche Dimensionen reduciren, folgende Thatsachen.

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Pöhlmann's Saitennummer 12.
Miller. Pöhlmann 1859. Pöhlmann 1860.
253 Pfd. 207 Pfd. 257 Pfd.
Saitennummer 13.
256 231,6 275,8
Saitennummer 14.
256 238,7 250
Saitennummer 15.
249,6 254,6 289
Saitennummer 16.
280 274,6 354

Aus diesen Verhältnissen ergibt sich endlich:

Bei der Pöhlmann'schen Saitennummer 12 übertrifft die neue Pöhlmann'sche Saite die Miller'sche. (Firma: Miller und Sohn in Wien) an Tragkraft um 1,6 Procent, die frühere Pöhlmann'sche von 1859 um 19,5 Procent.

Bei Saitennummer 13 übertrifft die neue Pöhlmann'sche Saite die Miller'sche um 6,9 Proc., die frühere Pöhlmann'sche um 16 Proc.

Bei Saitennummer 14 bleibt die neueste Pöhlmann'sche Saite um 2,1 Proc. unter der Miller'schen zurück; übertrifft aber die frühere Pöhlmann'sche um 5 Proc.

Bei Saitennummer 15 übertrifft die neueste Pöhlmann'sche Saite die Miller'sche um 14 Proc., die frühere Pöhlmann'sche um 12,2 Proc.

Bei Saitennummer 16 übertrifft die neueste Pöhlmann'sche Saite die Miller'sche um 21 Proc., die frühere Pöhlmann'sche dagegen um 22,5 Proc.

Diese Daten ergeben zur Genüge, welch große und rasche Fortschritte Pöhlmann in Bezug auf absolute Festigkeit seiner Pianofortesaiten gemacht habe.

Zu bemerken ist noch, daß diese Pöhlmann'schen Saiten zugleich sich dem vollkommenen Cylinder viel mehr nähern, als die Wiener.

Aus den Dimensionen der einzelnen Saitennummern geht hervor, wie wenig gleich sich diese Nummern in den verschiedenen Zeiträumen ihrer Fabrication bleiben. Diese Ungleichförmigkeit in den Dimensionen rührt natürlich von der nicht zu vermeidenden Abnützung der Löcher des Zieheisens her. Die Saitenfabrikanten sollten aber das Verhalten dieser Ziehlöcher genauer controliren, als dieß bisher geschehen ist. Ohne sorgfältige Prüfung dieser Löcher durch die Loupe und das Mikrometer wird eine so sehr zu wünschende Gleichförmigkeit der einzelnen Nummern nie erzielt werden können. (Kunst- und Gewerbeblatt für Bayern, Aprilheft 1860.)

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