Titel: Ueber Darstellung von Cyanbaryum und Ammoniakerzeugung mittelst des Stickstoffs der Luft; von Margueritte und de Sourdeval.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 5 (S. 316)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi04_5

Ueber Darstellung von Cyanbaryum und Ammoniakerzeugung mittelst des Stickstoffs der Luft; von Margueritte und de Sourdeval.

Wir haben in diesem Bande des polytechn. Journals S. 73 die von den genannten Chemikern in den Comptes rendus in diesem Betreff veröffentlichte Notiz mitgetheilt. Derselben fügen wir nach Moigno's Cosmos, vol. XVI p. 642, folgende Bemerkungen hinzu:

Margueritte und de Sourdeval haben gefunden, daß der Baryt den Stickstoff der Luft oder der thierischen Stoffe viel leichter aufnimmt und viel leichter in Cyanverbindung übergeht als Potasche und Soda. Diese Entdeckung ist für die Fabrication des Berlinerblaues von Wichtigkeit, da ein Aequivalent Baryt ungefähr siebenmal weniger kostet als ein Aequiv. Kali und außerdem der Stickstoff der Luft benutzt werden kann. Daß der Baryt für die Cyanbildung vortheilhafter ist, liegt darin, daß er nicht schmilzt, sondern porös bleibt, während die Potasche schmelzbar ist und deßhalb nur oberflächlich in Cyankalium übergeht, außerdem aber auch durch Verdampfung zu einem bedeutenden Verlust Veranlassung gibt. Margueritte und de Sourdeval haben bisher aber hauptsächlich die Aufgabe verfolgt, durch Vermittelung des Baryts aus dem Stickstoff der Luft Ammoniak zu erzeugen. Ihr Verfahren ist im Wesentlichen Folgendes:

Ein Gemenge von kohlensaurem Baryt, Eisenfeile, Kohlentheerpech und Sägespänen wird in einer thönernen Retorte anhaltend stark geglüht, wobei der kohlensaure Baryt größtentheils in caustischen Baryt übergeht. Man leitet sodann durch die poröse Masse langsam einen Strom von Luft, deren Sauerstoff man mittelst vorhergehenden Hindurchleitens durch eine Säule glühender Kohlen in Kohlenoxydgas verwandelt hat. Der Stickstoff der Luft tritt unter dem Einfluß des Baryts mit dem Kohlenstoff zu Cyan zusammen und dieses bildet Cyanbaryum, welches in beträchtlicher Menge entsteht. Man bringt die Masse nachher in einen eisernen Cylinder, welcher zugleich zum Abschluß der Luft während des Erkaltens und zur Behandlung der Masse mit Wasserdampf dient. Man leitet nämlich nachher durch diesen Cylinder bei einer Temperatur unter 300° C. einen Strom von Wasserdampf, wodurch der ganze in dem Cyanbaryum enthaltene Stickstoff in Form von Ammoniak ausgetrieben wird. Der Baryt wird immer wieder aufs Neue verwendet.“

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