Titel: Ueber krystallisirtes Zinn-Eisen, welches bei der Zinnsalzfabrication erhalten wird; von Dr. C. Nöllner.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 5 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi05_5

Ueber krystallisirtes Zinn-Eisen, welches bei der Zinnsalzfabrication erhalten wird; von Dr. C. Nöllner.

Schon im J. 1847 theilte ich in den Annalen der Chemie und Pharmacie Bd. LXIII S. 120 (polytechn. Journal Bd. CVI S. 131) Mehreres sich auf die Darstellung von Zinnsalz Beziehende mit, dem das Folgende als Ergänzung dienen kann.

Bei dem gewöhnlichen Verfahren der Zinnsalzfabrication durch Auflösen des Zinns in käuflicher Salzsäure pflegt ein schwarzer, meist aus Kupfer und Sand bestehender Rückstand zu bleiben, der bei weiterer Behandlung mit Salzsäure bisweilen einen unter dem Mikroskop krystallinisch erscheinenden Körper hinterläßt, welcher in Salpetersäure wie in Salzsäure kaum löslich, leicht löslich dagegen in Königswasser ist, sich demnach wie ein edles Metall verhält; die qualitative Prüfung desselben ließ indeß immer nur Zinn |398| und Eisen erkennen, und zwar in derselben Form, wie solche bis jetzt nur bei der Spiegelbelegfabrication durch Abdestilliren des Quecksilbers in gußeisernen Retorten erhalten wurden, welche Lassaigne aus 3 Aeq. Eisen und 1 Aeq. Zinn bestehend fand und Gmelin in seinem Handbuch der Chemie (Bd. III S. 296) erwähnt.

Da die Abscheidung größerer Mengen dieser Zinn-Eisenkrystalle immer eine dem geringen Eisengehalt des ostindischen Zinns entsprechende größere Menge Zinn voraussetzt, so kann es nicht fehlen daß, wenn aus dem bei der Zinnsalzfabrication gebliebenen Rückstande alle übrigen Körper durch Schlämmen und Digestion mit überschüssiger Salzsäure entfernt sind, zuletzt auch der den Zinnblöcken mechanisch eingeschlossene Sand als weiße durchscheinende Quarzkörnchen zurückbleiben muß. Da es nicht gelang dieselben mit der Pincette oder auf andere Weise auszulesen, so mußte bei der Analyse der Zinn-Eisenkrystalle das Gewicht der nach Behandlung mit Königswasser bleibenden Quarzkörnchen in Abzug gebracht werden. Die Analyse der Krystalle geschah nach gewöhnlicher Weise durch Bestimmung der Metalle als Oxyde und wurde mit zu verschiedenen Zeiten erhaltenen Krystallen ausgeführt. Die Krystalle erwiesen sich als eine constante chemische Verbindung und so zusammengesetzt, daß auf 1 Aeq. Eisen = 28,2 Aeq. Zinn = 116 kommen.

Die Bildung dieser Krystalle ist für die Fabrication eines reinen Zinnsalzes um so wichtiger, weil auf keine andere Weise es sonst möglich ist, den Eisengehalt des Zinnsalzes bei seiner Darstellung aus immer eisenhaltigem Zinn des Handels zu entfernen.

Es entstand nun noch die Frage: welche Verhältnisse bedingen die Bildung jener Krystalle, oder präexistiren solche schon im Banca-Zinn und bleiben nur als in Salzsäure unlöslich zurück, wenn alles sie umgebende Zinn aufgelöst ist? Für ihre Bildung auf nassem Wege und die Abscheidung durch die einfache galvanische Kette spricht der Umstand, daß die Krystalle immer nur da zu erblicken sind, wo das granulirte Zinn mit der concentrirten gesättigten Lösung und frischer Salzsäure oder schwacher Lösung in Berührung kommt, woselbst auch die Abscheidung reiner Zinnkrystalle veranlaßt wird, wobei die Zinn-Eisenkrystalle als frei in der Flüssigkeit schwebend und durch die Wasserstoffgasentwickelung fortwährend bewegt mitunter das Licht so stark reflectiren, daß sie bald wie durchscheinende Salznadeln, bald schwarz und undurchsichtig erscheinen. Für die Präexistenz im Banca-Zinn spricht dagegen der Umstand, daß beim Schmelzen größerer Mengen Banca-Zinn, ruhigem Stehenlassen und vorsichtigem Abschöpfen des geschmolzenen Zinns, der zuletzt bleibende Rest bisweilen dickflüssig erscheint und beim Erkalten eine Masse bildet, welche mit feinen Nadeln von Zinn-Eisenkrystallen durchwebt ist; diese Zinn-Eisenkrystalle haben dieselbe Zusammensetzung wie die eben beschriebenen und sind nur zwischen einer Menge reinem Zinn mechanisch vertheilt. Die richtigste Annahme in Bezug auf die Bildung der Zinn-Eisenkrystalle scheint demnach die zu seyn, daß die Neigung des Zinns, unter gewissen Bedingungen mit Eisen einen schwerlöslichen krystallinischen Körper zu bilden, so groß ist, daß dieselbe Verbindung sowohl auf trockenem wie nassem Wege sich bilden kann.

Bei dieser Gelegenheit sey in Bezug auf Zinnsalzfabrication auch noch erwähnt, daß in einer kalt vollkommen mit überschüssigem Zinn gesättigten salzsauren Zinnlösung genau die doppelte Menge Salzsäure enthalten ist, deren das Zinn zur Bildung von Zinnsalz bedarf, und daß erst beim Eindampfen einer solchen sauren Zinnsalzlösung mit überschüssigem granulirtem Zinn in der Wärme die zweite Hälfte Säure sich sättigt, wobei aber immer ein kleiner Theil Salzsäure, ohne mit dem Zinn in Berührung zu kommen, aus der Flüssigkeit gasförmig entweicht und daher nicht zur Nutzanwendung kommt, wenn die Eindampfung in offenen Gefäßen, wie gewöhnlich, geschieht. (Annalen der Chemie und Pharmacie, 1860, Bd. CXV S. 233.)

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