Titel: Bereitungsweise der Gußkernseife; von Albert Eckstein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 9 (S. 399–400)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi05_9

Bereitungsweise der Gußkernseife; von Albert Eckstein.

Ich bereite mir aus im Handel vorkommender calcinirter Soda von 90 bis 95 Proc. an reinem kohlensauren Natron, mit frischem Aetzkalk und der nöthigen Menge Flußwasser eine Aetzlauge. Dem Gehalte an reinem kohlensauren Natron entsprechend nehme ich von gutem, frischem Aetzkalk 50 bis 60 Pfund auf je 100 Pfund, in der Siedhitze in 1000 Theilen Wasser aufgelösten kohlensauren Natrons und koche so lange, bis herausgenommene Proben der Lauge von verdünnter Salzsäure nur wenig mehr durch entweichende Kohlensäure aufbrausen und von einer Auflösung kohlensauren Ammoniaks nicht mehr (in Folge etwa zu reichlich zugesetzten Kalkes) getrübt werden, zu welchem Behufe ich das Ganze an Soda oder Aetzkalk, je nach Bedürfniß, vermehre. Die klar abgezogene Lauge concentrire ich dann bis auf 18° Baumé bei 14° R. und meine Lauge ist fertig. Ich bringe nun das Fett in den Kessel und verseife je 100 Pfd., bestehend aus 50 Pfd. Kokusnußöl und 50 Pfd. ausgeschmolzenem Talg mit 200 Pfd. 18grädiger obenerwähnter Aetzlauge, bis ein klarer, vollkommen durchsichtiger Seifenleim sich gebildet, koche so lange fort, bis herausgenommene Proben auf dem Spatel langsam erkaltend, in breiten Platten von demselben abfallen und einen harten Druck zeigen. Die so gebildete Seife wird nun in die Form gebracht und so lange gerührt, bis die Masse anfängt dickflüssig zu werden. Während jener Zeit wird reine Stearinsäure oder mit Schwefelsäure ausgeschmolzener und auf bekannte Weise mit chromsaurem Kali und Schwefelsäure gehärteter |400| Talg mit 10grädiger Aetznatronlauge zu einem klaren Seifenleime gesotten (auf je 1 Pfd. Stearinsäure oder gehärteten Talg nimmt man 2 Pfund der letzterwähnten Lauge) und in die dick werdende Kokosseife in der Form eingetragen, gut durchgekrückt und endlich die ganze Masse mit einem Eisenstabe gut durchgekerbt und die Seife dann dem Erstarren überlassen. Auf je 100 Pfd. der zuerst erzeugten Kokostalgseife nehme ich 5 Proc. Stearinsäure oder 10 Proc. gehärteten Talg.

Die fertige Seife besitzt ein geflammtes Aussehen von ausgeschiedenem stearinsaurem Natron, zeigt auf dem Bruche ein krystallinisches, seidenglänzendes Gefüge, ist hart, schäumt beim Waschen sehr gut, reinigt die Wäsche durch ihren kleinen Ueberschuß von freiem Alkali sehr gut vom fettigen Schmutze und ist auch für feinere Gewebe und zum Toilettengebrauche geeignet. Die Gußkernseife besteht somit hauptsächlich aus stearin-, olëin- und cocinsaurem Natron und entspricht allen Anforderungen, die man bezüglich dieses Productes stellen kann. Mein Fabrikat und dessen Bereitungsart unterscheidet sich von der gewöhnlichen Kernseife und ihrer Darstellung in folgenden wesentlichen Punkten:

1) Die gewöhnliche Kernseife erfordert bei der Erzeugung größerer Quantitäten viel Brennmaterial, Arbeitskraft und Zeitaufwand, während die Anfertigung von Gußkernseife bis zu ihrer Vollendung nur einige Stunden in Anspruch nimmt, folglich mit wenig Brennmaterial, Zeitaufwand und Arbeitskraft, selbst bei größeren Quantitäten, erzeugt wird und in Folge dessen das Product sich auch im Preise bedeutend billiger stellt.

2) Die Darstellung der gewöhnlichen Kernseife wird zu sehr empirisch betrieben; oft ist sie in Kalk übertrieben, oft enthält sie noch kohlensaures Alkali, durch welche beide Fehler das Product verschlechtert und die Ausbeute verringert wird, während die Bereitung der Gußkernseife auf wissenschaftlicher Basis beruhend stets ein gleichförmiges und gleichartiges Product, bezüglich der Qualität und Quantität liefert.

Ich nenne mein Product deßhalb Gußkernseife, weil der Kern der Seife (stearinsaures Natron) in die fertige Seife erst später eingetragen oder eingegossen wird. Es versteht sich von selbst, daß man durch Eintragen von mehr oder weniger stearinsaurem Alkali die Qualität des Productes verbessern oder verringern, mithin auch das Product bezüglich des Preises variabler stellen kann, jedoch bleibt dem Producenten immer ein sicherer Maaßstab in Händen. (Nach Stamm's illustr. Zeitschrift, 1860 S. 75.)

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