Titel: Ueber die Löslichkeit des kohlensauren, schwefelsauren und phosphorsauren Kalkes in den Ammoniaksalzen; von C. Mène.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 157/Miszelle 7 (S. 465–466)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj157/mi157mi06_7

Ueber die Löslichkeit des kohlensauren, schwefelsauren und phosphorsauren Kalkes in den Ammoniaksalzen; von C. Mène.

Man nimmt allgemein an, daß der kohlensaure Kalk nur in einem mit Kohlensäure imprägnirten Wasser aufgelöst bleiben kann und erklärt dadurch die Bildung des Kalktufs, des Warzensteins etc. Ich habe aber die interessante Beobachtung gemacht, daß sich der kohlensaure Kalk auch in den Ammoniaksalzen auflöst; durch Unkenntniß dieser Thatsache können bei chemischen Analysen große Fehler gemacht werden, überdieß erklärt sie uns einige Erscheinungen in der Landwirthschaft etc.

Wenn man eine Auflösung von Chlorcalcium mit kohlensaurem Kali oder Natron fällt, so erhält man einen voluminösen weißen Niederschlag von kohlensaurem Kalk; setzt man alsdann eine Auflösung von Salmiak zu, so löst er sich bald und leicht wieder auf; umgekehrt, wenn man ein Kalksalz vorher mit einem Ammoniaksalz (kleesaures Ammoniak ausgenommen) vermischt, wird durch das kohlensaure Natron kein Niederschlag hervorgebracht, selbst nicht wenn man die Flüssigkeit zum Sieden erhitzt, wo sich dann ein ammoniakalischer Geruch einstellt. Ebenso wie der kohlensaure Kalk, lösen sich auch der schwefelsaure und der phosphorsaure Kalk im Salmiak auf. Wie der Salmiak wirken auch das schwefelsaure und salpetersaure Ammoniak. Das kohlensaure und phosphorsaure Ammoniak lösen den gefällten kohlensauren Kalk nicht wieder auf. Gibt man kohlensaures Natron oder Kali in Ueberschuß auf den kohlensauren Kalk, so lösen sie ihn auf, während die Bicarbonate ihn nicht auflösen.

Wenn man natürlichen kohlensauren Kalk (Kreide von Mendon, Jurakalkstein etc.) nur kurze Zeit in destillirtes Wasser mit einem Stück Salmiak gibt und dann filtrirt, so wird das durchgehende Wasser durch kleesaures Ammoniak reichlich gefällt werden. Läßt man einen Knochen einige Stunden lang in einer großen Quantität von Salmiak digeriren, so wird er eben so weich wie in einer Auflösung von kohlensaurem Gase oder in einer Säure.

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Aus Vorstehendem ergibt sich, daß man bei Analysen immer nur kleesaures Ammoniak anwenden darf, um die Kalksalze zu ermitteln und zu bestimmen. Ferner ersieht man daraus, daß in solchen Wässern, welche keine Säuerlinge sind und (wie so häufig der Fall ist) ein Ammoniaksalz enthalten, die große Menge von kohlensaurem Kalk nur diesem Ammoniaksalz zuzuschreiben ist, und nicht dem Umstand daß Kohlensäure ein Alkali-Bicarbonat bildet, denn die Bicarbonate lösen das Kalk-Bicarbonat nicht auf. Ebenso muß man, wenn ein Wasser viel kohlensauren Kalk oder andere Kalksalze enthält, dasselbe auf Ammoniaksalze untersuchen, weil letztere die Löslichkeit der Kalksalze begünstigen.

In der Natur können, da fast alle Wässer Ammoniaksalze enthalten, welche von organischen Ueberresten herrühren, die Kalkfalze sich in denselben auflösen und Niederschläge, Tropfsteine etc. erzeugen, indem das Wasser verdunstet. Auch ist es höchst wahrscheinlich, daß die Kalksalze sich den Vegetabilien assimiliren, indem sich Kalkstein in den Ammoniaksalzen des Düngers etc. auflöst. (Comptes rendus, Juli 1860, Nr. 5.)

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