Titel: Verfahrungsarten zur Darstellung eines rothen Farbstoffs mittelst Anilin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 158, Nr. XXXIII. (S. 146–147)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj158/ar158033

XXXIII. Neue Verfahrungsarten zur Darstellung eines rothen Farbstoffs mittelst Anilin.

Aus dem Repertory of Patent-Inventions, October 1860, S. 293 und 310.

1. Verfahren von H. Medlock, analytischer Chemiker in London.

Man mischt 2 Gewichtstheile Anilin mit 1 Gewichtstheil wasserfreier Arsensäure (AsO⁵) und läßt das Gemisch einige Zeit stehen, oder beschleunigt die Operation dadurch, daß man es nahezu auf seinen Siedepunkt erhitzt, bis es eine satte Purpurfarbe annimmt; alsdann mischt man es mit kochendem Wasser und läßt die Mischung erkalten, wornach sie filtrirt oder decantirt wird. Die wässerige Lösung welche durch das Filter geht, enthält einen rothen Farbstoff; auf dem Filter bleibt eine theerige Substanz zurück, welche, in Alkohol oder Holzgeist etc. aufgelöst, einen purpurrothen Farbstoff liefert. – Diese Farbstofflösungen können im concentrirten oder verdünnten Zustande gemeinschaftlich zum Färben benutzt werden.

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Das Gemisch von Anilin und Arsensäure kann man auch, nachdem es erhitzt worden ist, erkalten lassen; es bildet dann einen Teig, welcher sich aufbewahren läßt; soll derselbe verwendet werden, so mischt man ihn mit kochendem Wasser und behandelt ihn wie oben angegeben. (Patentirt in England am 18. Januar 1860.)

2. Verfahren von E. J. Hughes in Manchester.

Man vermischt in einer Glasretorte 200 Theile Anilin und 65 Theile Salpetersäure von 1,360 spec. Gewicht. Das Gemisch wird in einem Sandbad auf 149 bis 205° C. erhitzt. Ein Theil des Anilins, welcher mit dem Wasser der Salpetersäure überdestillirt, kann bei künftigen Operationen wieder benutzt werden. Nachdem alles Wasser überdestillirt ist, erhält man das Product beiläufig eine Stunde lang im Sieden; es bildet dann einen dicken Syrup von dunkelrother Farbe; hernach wird es in ein geeignetes Gefäß gebracht, eine kleine Menge Wasser zugesetzt, und mit einer Auflösung von kohlensaurem Natron neutralisirt, alsdann gut mit Wasser gewaschen, bis dasselbe farblos oder schwach roth erscheint. Das Product wird hierauf durch Wärme getrocknet, um das zurückbleibende Wasser zu entfernen.

Das so gewaschene und getrocknete Product ist verkäufliche Waare; es enthält jedoch, außer dem rothen Farbstoff, ein Harz von bräunlich violetter Farbe, welches sich auf folgende Weise absondern läßt. Man erhitzt 20 Theile reines Wasser zum Kochen und setzt während des Siedens 1 Theil des Products zu; man fährt fort zu erhitzen, bis sämmtliches Harz durch Abschöpfen an der Oberfläche entfernt worden ist; die Auflösung wird dann durch eine Sandschicht filtrirt, und setzt beim Erkalten einen grünen Teig mit metallischem Reflex ab. Das Wasser wird abgezogen und kann immer wieder bei der nächsten Operation benutzt werden. Der zurückbleibende rothe Farbstoff kann entweder in seinem teigförmigen Zustande verwendet werden, oder als Auflösung in Arsensäure, Alkohol etc. (In England als Mittheilung patentirt am 24. Januar 1860.)

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