Titel: Dullo, über die Fabrication von überphosphorsaurem Kalk.
Autor: Dullo,
Fundstelle: 1860, Band 158, Nr. CXV. (S. 422–424)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj158/ar158115

CXV. Ueber die Fabrication von über phosphorsaurem Kalk in England; von Dr. Dullo.

Dieses wichtige Düngemittel, dessen großartigste Fabrication wohl in England zu Hause ist, wird in Deutschland auch schon an manchen Orten in größerem Maaßstabe dargestellt, weßhalb die Beschreibung der englischen Fabriken für überphosphorsauren Kalk wohl nicht ohne Interesse ist.

Die Rohmaterialien dafür sind entweder einheimische Knochen oder solche vom Continent, der größten Menge nach aber solche von Südamerika oder Australien, die sich durch ihre colossale Größe auszeichnen, ferner amerikanischer Guano, der keinen Stickstoff und keine Alkalien, sondern circa 60 bis 70 Proc dreibasisch phosphorsauren Kalk enthält, überdieß Apatit von Norwegen und Estremadura, und Koprolithen von Cambridge |423| und Suffolk, welche letztere 40 bis 60 Proc. dreibasisch phosphorsauren Kalk enthalten.

Die Knochen werden zuerst gedämpft und dann auf den in England jetzt allgemein gebräuchlichen Knochenmühlen von Oldham und Booth in Hull63) zwischen eisernen, cannelirten Walzen zermahlen. Da man aber auf diesen Knochenmühlen feines Pulver nicht erzielen kann, so kommt dieses noch sehr grobe Knochenpulver unter vertical laufende Mühlsteine, durch die es auf einer eisernen Unterlage fein gemacht wird. Der steinharte südamerikanische Guano, sowie die Apatite und Koprolithen werden direct unter Mühlsteinen zermahlen.

Das erhaltene Pulver aller dieser Rohstoffe wird in variabeln Verhältnissen gemischt. Reine Knochen werden selten zu überphosphorsaurem Kalk verarbeitet, sondern man macht gewöhnlich zwei Sorten. Die erste Sorte enthält 50 Proc. Knochenmehl und 50 Proc. der anderen Materialien, und wird pro Ctnr. mit 2 Thlr. 3 Sgr. verkauft, während die zweite Sorte nur aus Koprolithen und Apatit gemacht ist, und pro Ctnr. mit 1 Thlr. 22 Sgr. 6 Pf. verkauft wird.

Die Aufschließung des dreibasisch phosphorsauren Kalks geschieht in England nie durch Salzsäure, sondern nur mit Schwefelsäure, und zwar mit Kammersäure, da die meisten derartigen Fabriken mit einer Schwefelsäurefabrik verbunden sind.

In einer Schwefelsäurefabrik bei London, die nur Kammersäure für Düngerfabriken producirt, wird dieselbe zum Theil aus der in den Gasanstalten erhaltenen Laming'schen Masse gewonnen, wovon wöchentlich 40 Tonnen = 800 Cntr. zu diesem Zweck verbraucht werden. Diese Schwefelsäure vom spec. Gew. 1,60 wird dem Gewicht nach zu gleichen Theilen mit dem Gemenge der Pulver angewendet, und das Mischen der Säure mit dem Pulver geschieht auf folgende Weise: Im Fabrikgebäude ist 25 Fuß über dem Boden ein eiserner Cylinder von 1 1/2 Fuß innerem Durchmesser und 6 Fuß Länge in etwas schräger Lage angebracht. Derselbe ist am obern Ende geschlossen, und am untern Ende offen, innen mit Blei ausgelegt und enthält eine eiserne ebenfalls mit Blei belegte Schnecke, welche durch die Dampfmaschine bewegt wird.

Durch ein Paternosterwerk mit kleinen Bechern wird nun das Gemenge von Knochenpulver etc. auf die Bühne gehoben, auf welcher der Mischcylinder liegt, und durch eine viereckige Oeffnung in den Cylinder geworfen; alsdann wird die nöthige Menge Schwefelsäure durch eine Bleipumpe |424| in den Cylinder gehoben. Die Schnecke mischt beide Substanzen vollkommen, und bewegt das Gemisch weiter, so daß es am untern Ende des Cylinders herausfällt, und zwar in den sogenannten Sumpf.

Dieser Sumpf, welcher sich unter dem Mischcylinder befindet, ist ein viereckiger, aus starken Bohlen möglichst luftdicht hergestellter Behälter von circa 20 Fuß Höhe und 1000 Tonnen Inhalt. Der Sumpf wird ebenfalls luftdicht bedeckt, – und über demselben sind parallel seiner Decke zwei eiserne Cylinder von 1 Fuß Durchmesser angebracht, welche an ihrer Unterfläche mit Ansatzöffnungen versehen sind, die unmittelbar unter der Decke in den Sumpf münden. Diese Cylinder sind an einem Ende geschlossen, während das andere Ende offen ist – und die bei der Vermischung von Schwefelsäure und Knochenpulver sich entwickelnde schweflige Säure in die Bleikammer der Schwefelsäurefabrik gelangen läßt. Durch ein in dem Fortleitungsrohr angebrachtes Ventil kann die Communication mit der Bleikammer aufgehoben werden.

Sobald sich im Sumpf eine größere Partie des überphosphorsauren Kalks angesammelt hat, wird derselbe geöffnet, die noch immer sehr warme Masse umgestochen, und unter eine Scheune gefahren, wo sie etwas ausgebreitet, durch Selbstverdunstung der freiwilligen Trocknung überlassen wird. Nachdem diese Trocknung bis zu einem gewissen Grade erreicht ist, wird das Fabrikat verkauft. Es enthält zwar in diesem Zustande noch 25 bis 30 Proc. Wasser, welches aber keinen Vorwurf begründet, da nach dem Wassergehalt der Preis normirt wird und sich die Masse auch in diesem feuchten Zustande sehr gut in Fässern und Säcken versenden läßt.

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Man s. polytechn. Journal Bd. CLVI S. 181.

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