Titel: Ueber den Ursprung der sogenannten chinesischen Gelatine, von Prof. J. Roßmann in Gießen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 158/Miszelle 13 (S. 159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj158/mi158mi02_13

Ueber den Ursprung der sogenannten chinesischen Gelatine, von Prof. J. Roßmann in Gießen.

Die im polytechn. Journal Bd. CLVI S. 317 besprochene chinesische Gallerte ist, so weit sich dieß ohne Ansicht der Substanz entscheiden läßt, identisch mit dem japanischen Agar-Agar, einem Präparat von einer das indische und wahrscheinlich auch das chinesische Meer bewohnenden Pflanze aus der Abtheilung der Algen, welche den Namen Gelidium Amansii (Fucus Amansii) führt und namentlich von Singapore aus in großer Menge nach China eingeführt wird. In ähnlicher Weise werden zwei andere, das chinesische Meer bewohnende Arten, Gelidium cartilagineium und Gloeopeltis tenax (Fucus oder Sphaerococcus tenax), verwendet. Unter dem Namen Agar-Agar finden sich im Handel verschiedene, entweder präparirte oder einfach getrocknete, sonst nicht weiter verarbeitete Algen aus dem indischen Ocean. Der in den letzten Jahren auch in Europa eingeführte (in England zur Zurichtung der Seide und anderer Webstoffe vielfach verwendete) makassarische Agar-Agar ist der einfach getrocknete, schon Linné bekannte Fucus opinosus, jetzt von Kützing als Encheuma spinosum bezeichnet, ausgezeichnet durch starke, dornförmige Auswüchse, welche beim Aufweichen der Pflanze noch sehr hervortreten. Der Ceylonische Ager-Ager carang ist wieder eine andere, in Europa schon lange bekannte, ebenfalls unveränderte Meeresalge von den Küsten Ceylons, die den Namen Sphaerococcus lichenoides (Fucus amylaceus) führt. Die Salangane (chinesische oder indische Schwalbe bereitet ihre bekannten gallertartigen eßbaren Nester ebenfalls aus einigen Sphaerococcus-Arten oder dieser Gattung nahe verwandten Pflanzen, und in England soll man aus Agar-Agar künstliche eßbare Nester verfertigen.

Nach den Analysen von Kloete Nortier und van der Burg enthält der makassarische Agar-Agar: Zellstoff, Stärke, Gummi, Dextrin, Pflanzenschleim, Pflanzenwachs, Harz, eigenes (in Salzsäure nicht lösliches) Chlorophyll, Eiweiß, eine eigenthümliche Säure, Schwefelsäure, Phosphorsäure, Kieselsäure, Chlor und Jod, Kali und Natron, Kalkerde, Talkerde und Eisen. (Gewerbeblatt für das Großherzogthum Hessen, 1860, Nr. 22.)

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