Titel: Ueber die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen; von S. de Luca.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 158/Miszelle 11 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj158/mi158mi03_11

Ueber die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen; von S. de Luca.

Boutigny gibt an, indem er sich auf directe Versuche stützt, daß die Temperatur der Flüssigkeiten in dem Leidenfrost'schen Tropfen, unabhängig von der Temperatur des Gefäßes, unveränderlich sey und immer niedriger liege als der Siedepunkt; für Wasser betrage sie 96,5° C. Ganz andere Resultate haben Laurent, Le Grand, Kramer, Belli, Peltier und Baudrimont erhalten. Diese Experimentatoren haben die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen vermittelst eines in das Wasser eingehaltenen Thermometers bestimmt, allein es ist nicht möglich, auf diese Weise übereinstimmende Resultate zu erhalten, well dabei Fehlerquellen vorhanden sind, die man nicht vollständig beseitigen kann.

Der Verf. hat bei seinen Versuchen farbige Körper angewendet, welche bei einer bestimmten Temperatur ihre Farbe verlieren. So bringt Jodstärkemehl eine blaue Färbung des Wassers hervor, die bei einer Temperatur von 50° matt zu werden anfängt und bei 80° gänzlich verschwindet. Wenn man nun eine solche blau gefärbte Flüssigkeit in einer stark erhitzten Platinschale dem Leidenfrost'schen Phänomen unterwirft, so entfärbt sich das Jodstärkemehl nicht und das Wasser behält seine Färbung bis zum Ende der Erscheinung. Hieraus geht deutlich hervor, daß die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen 80° nicht erreicht, und sogar, daß sie noch unter 50° liegen muß.

Man kann diesen Versuch auf verschiedene Art anstellen; er gelingt jedesmal, wenn man zuerst eine Lösung von Jodkalium (1000 Th. Wasser auf 1 Th. Jodkalium) dem Leidenfrost'schen Phänomen aussetzt und dann vermittelst zweier Pipetten gleichzeitig Chlor- oder Bromwasser und die Stärkelösung zusetzt. Das Jodkalium muß neutral seyn und die Chlor- oder Bromlösung frisch bereitet; auch dürfen letztere keine freien Säuren enthalten. Man kann den gefärbten Tropfen in ein Glasgefäß fallen lassen, ohne daß derselbe seine Farbe verliert; durch Einwirkung von Hitze kann man ihn entfärben, und wenn man ihn dann erkalten läßt, so nimmt er seine ursprünglich blaue Färbung wieder an und verliert dieselbe von Neuem, wenn er dem Leidenfrost'schen Phänomen nochmals unterworfen wird.

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Ein Leidenfrost'scher Tropfen, der aus 1 Volumentheil Albumin und 2 Volumentheilen Wasser besteht, nimmt nur äußerlich ein opalartiges Ansehen an, während der Kern klar und durchsichtig bleibt.

Der Verf. hat beobachtet, daß die Temperatur des Wassers im Leidenfrost'schen Tropfen um so niedriger ist, je stärker die Schale, in welcher man den Versuch vornimmt, erhitzt wird. Der Grund hiervon liegt jedenfalls darin, daß die Dampfhülle, welche den Tropfen umgibt, sich leichter erneuern kann, d.h. daß die Verdampfung der äußeren Schichten rascher vor sich geht und somit eine verhältnißmäßige Erniedrigung der Temperatur im Kern verursacht. (Comptes rendus, t. LI p. 141; polytechnisches Centralblatt, 1860 S. 1411.)

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