Titel: Anwendung des Naphthalins zur Darstellung von Farben für Malerei und Zeugdruck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 158/Miszelle 4 (S. 316–317)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj158/mi158mi04_4
|317|

Anwendung des Naphthalins zur Darstellung von Farben für Malerei und Zeugdruck.

Es ist bekannt, daß durch Behandlung des Naphthalins mit Salpetersäure verschiedene Nitronaphthaline erhalten werden. Dusart und Gelis in Paris, überrascht durch die Farbe, welche Naphthalin in Gegenwart von Salpetersäure annimmt, kamen auf den Gedanken, daraus das sogenannte französische Gelb zu erzeugen. Sie sind noch nicht zu einem vollständig befriedigenden Resultate gelangt, doch dürfte, wenn man die im Anfange mit dem Murexid, dem Anilin und dem französischen Purpur erhaltenen Resultate berücksichtigt, auch dieser Erfindung eine Zukunft vorbehalten seyn. Die Farbe wird dargestellt, indem man 75 Th. Aetzkali, 250 Th. gelöschten Kalk und 100 Th. Nitronaphthalin mengt, gut zusammenreibt und dann erhitzt. Nach einiger Zeit wird die Masse gelb, worauf man sie mit Wasser wäscht und mit Schwefelsäure behandelt, welche letztere sich des Kalis und des Kalks bemächtigt. Eine gelbe Masse schwimmt im Wasser in Gestalt von Flocken, die nach dem Filtriren und Auswaschen als gelbe Farbe zu obigen Zwecken benutzt werden kann. Mit der erhaltenen gelben Farbe können auch verschiedene Lacke dargestellt werden, deren Farbtöne nach der genommenen Basis verschieden sind. (Verhandlungen des nieder-österreichischen Gewerbevereins.)

Nachschrift. Die Farben, welche durch Oxydation des Naphthalins ähnlich wie die aus Anilin gewonnenen erhalten werden, haben weder große Beständigkeit, noch sind die Töne schön. Das Violett zieht immer ins Braune, das Braune ins Graue. Dieß ist das vorläufige Resultat vieler Versuche, die ich in meinem Laboratorium anstellen ließ. Es ist einleuchtend, daß es von höchster Wichtigkeit wäre, aus dem Naphthalin, das in so unerschöpflich großer Menge beim Steinkohlengasbereiten gewonnen wird, technisch brauchbare Farben herzustellen. Das Gelb, wie es die genannten Chemiker darstellen, wurde auch in meinem Laboratorium erhalten, die Ausbeute ist indessen nicht groß, und wenn auch die Nüance ziemlich lebhaft ist, so ist davon, bei unserem Ueberfluß an trefflichen gelben Farbstoffen, keine große Anwendung zu erwarten. Dr. Bolley. (Schweizerische polytechnische Zeitschrift, 1860, Bd. V S. 103.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: