Titel: Ueber einige Anwendungen des gelösten Kautschuks; von Dr. Knieß, Apotheker in Schramberg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1860, Band 158/Miszelle 6 (S. 442–443)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj158/mi158mi06_6

Ueber einige Anwendungen des gelösten Kautschuks; von Dr. Knieß, Apotheker in Schramberg.

Bekanntlich findet der Kautschuk immer mehr und mehr Anwendung, nicht nur zur Darstellung der mannichfaltigsten Utensilien und Luxusgegenstände, sondern auch in den Kleingewerben wegen seiner vielen guten Eigenschaften. Die Eigenschaft des Kautschuks, Gewebe und Leder wasserdicht zu machen, steigert immer mehr und mehr seinen Verbrauch, und für viele Gewerbe dürfte es nicht unwichtig seyn, wenn sie ihren Kautschuk im Kleinen selbst auflösen können. Man bereitet sehr häufig wasserdichte Schmieren, welche auf die Weise dargestellt werden, daß man den Kautschuk mit Hülfe von Wärme schmilzt und dann Schweinefett in denselben einrührt. Durch das Schmelzen des Kautschuks ist derselbe aber bekanntlich in seiner Natur verändert worden, denn geschmolzener Kautschuk bleibt auch nach dem Schmelzen weich und klebrig und nimmt nicht mehr seine ursprünglichen Eigenschaften an. Soll der Kautschuk seine Eigenschaften solchen Schmieren mittheilen, so muß er in aufgelöstem Zustande angewendet werden. Um den Kautschuk aufzulösen, bedient man sich am besten des Benzols. Der Kautschuk wird in warmem Wasser eingeweicht, damit er sich leichter mit einer Schere zerschneiden lasse und dann in kleine Stückchen zerschnitten. Zum Lösen des Kautschuks bediene man sich nun entweder einer blechernen oder gläsernen, verschließbaren Flasche mit weitem Halse. Der Kautschuk wird mit so viel Benzol übergossen, daß dasselbe 3 bis 4 Zoll über demselben steht, und das Ganze nur 12–22 Stunden stehen gelassen. Nach Verlauf dieser Zeit wird der Kautschuk sich in einem vollkommen aufgequollenen Zustande befinden. Man bringt alsdann die Masse in einen eisernen, schwach erwärmten Mörser und knetet sie tüchtig durch, bis sie vollkommen gleichmäßig ist; hierauf fügt man unter fleißigem Umrühren in kleinen Portionen Benzol hinzu bis die Masse gelöst ist. Die Flüssigkeit bringt man in eine verschließbare Flasche, läßt sie ruhig stehen und gießt dann nach einiger Zeit die klare Flüssigkeit vom Satze ab.

Auf einen Theil Kautschuk braucht man 4–6 Theile Benzol.

Zu einer wasserdichten Schmiere lasse man 2 Theile Schweinefett und einen Theil Talg bei gelinder Wärme zergehen, rühre dann den achten Theil von obiger Lösung in das Gemisch ein und erwärme das Ganze noch so lange bei möglichst gelinder Wärme unter immerwährendem Umrühren, bis es nicht mehr nach Benzol riecht, dann lasse man es erkalten. Will man den Thran, dessen sich die Gerber zum Einfetten des Leders bedienen, verbessern, so nehme man auf 1 Pfd. Thran ein Loth obiger Lösung und erwärme ebenfalls die Mischung bei gelinder Wärme, bis sie nicht mehr nach Benzol riecht.

Löst man 1 Theil Wachs in 24 Theilen erwärmten Benzols und vermischt diese Lösung mit einem Theile der beschriebenen Kautschuklösung und trägt diese Mischung |443| lauwarm – damit sich das Wachs nicht ausscheidet – auf Papier auf, so erhält man ein wasserdichtes Papier, das für viele technische Zwecke angewendet und auch statt Wachspapier zum Verbinden von Salben etc. in den Apotheken benützt werden kann.

Wird diese Kautschuklösung reinem säurefreiem Repsöl in einem passenden Verhältniß zugesetzt, so erhält man ein sehr gutes Maschinenöl.

Um Repsöl säurefrei zu erhalten, fand ich am besten, bei der Raffination, nachdem dasselbe mit Schwefelsäure behandelt und dann gewaschen war, Wasser zuzusetzen und gröblich gepulverten Marmor einzurühren, das Umrühren öfters zu wiederholen und dann absetzen zu lassen. Ferner ist sehr zu empfehlen, zwischen den Sägespänen oder dem Moose, durch welche das Oel filtrirt wird, schichtenweise gröblich gepulverten Marmor oder sonst reinen kohlensauren Kalk einzustreuen. Auf ein Pfund so gereinigten Repsöls nehme man ein Loth Kautschuklösung und erwärme das Gemenge, ohne es zum Kochen zu erhitzen, bis es nicht mehr durch den Geruch die Gegenwart des Benzols zeigt. Nach dem Erkalten lasse man es ruhig sich klären. Je nach der Beschaffenheit der Maschinen vermengt man dieses Oel vor dem Verkauf noch mit 16–32 Theilen gereinigten Repsöls, da schon ein sehr geringer Zusatz von Kautschuk das Repsöl zu einem höchst tauglichen Maschinenöl umgestaltet. (Württembergisches Gewerbeblatt, 1860, Nr. 41.)

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