Titel: Degrand's Lampen für mit mehreren concentrischen Dochten und mit einer vereinfachten mechanischen Construction für Leuchtthürme etc.
Autor: Degrand, E.
Fundstelle: 1861, Band 159, Nr. LXXVII. (S. 269–272)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/ar159077

LXXVII. Lampen mit mehreren concentrischen Dochten und mit einer vereinfachten mechanischen Construction für Leuchtthürme u.s.w.; vom Ingenieur E. Degrand.

Aus dem Bulletin de la Société d'Encouragement, Juli 1860, S. 393.

Mit Abbildungen auf Tab. IV.

Bei den Lampen, welche man in den Leuchtthürmen anwendet, sind zwei Theile zu unterscheiden: 1) der Brenner, welcher die Dochte und das Zugglas trägt, und 2) der Mechanismus, welcher das Aufsteigen des erforderlichen Oeles bewirkt.

Schon Fresnel und Arago, vielleicht schon früher Rumford, haben Lampen mit mehreren concentrischen Dochten zur Hervorbringung großer Lichteffecte construirt. Ihre Versuche erstreckten sich indessen nur auf die Einrichtung dieser Brenner, ohne den Mechanismus für die Oelzuführung zu berühren. Während die Brenner seither nur geringe Verbesserungen erlitten, ist dagegen der Oelzuführungsapparat mehrfach abgeändert worden, ohne bis jetzt alle Bedingungen erfüllt zu haben.

|270|

Von den befolgten Systemen ist dasjenige eines durch Uhrwerk getriebenen Pumpwerks das verbreitetste. Indessen sind die Unbequemlichkeiten desselben bekannt genug und es konnte den durch die complicirte Construction dieser Lampen hervorgerufenen Störungen (in Frankreich) nur dadurch vorgebeugt werden, daß zu jedem Leuchtthurme drei Lampen gehören, damit stets mindestens eine zum Dienste tauglich vorhanden ist. Für sehr entfernte Localitäten dürfte indessen auf keinerlei Weise mit diesen Lampen auszureichen seyn. Der Hauptübelstand dieses Systems ist jedenfalls die Unentbehrlichkeit der Membranen und der zahlreichen Klappen und Ventile. Je nach der Dauer des Gebrauchs oder der Ruhe, so wie je nach der Temperatur ist das Spiel dieser Theile ungleich und oft solchen Veränderungen unterworfen, daß die Lampen ganz unbrauchbar werden. Treten auch solche äußerste Fälle selten ein, so ist doch schon der Umstand, daß die emporgehobene Oelmenge sehr wechselnd ist, von einem solchen Einfluß, daß die Flamme nicht auf dem Maximum ihres Leuchtvermögens erhalten werden kann.

Eine Lampe demnach, welche weder Uhrwerk noch Pumpe, weder Klappen noch Ventile enthielte und die dennoch einen constanten Strom Oel gäbe, würde allen diesen Uebelständen entgehen, und ich glaube diesen Zweck dadurch erreicht zu haben, daß ich das Bewegungsgewicht, ähnlich wie die Feder der Moderatorlampen, direct auf das Oel wirken lasse.

Diese Lampen sind in Fig. 1114 dargestellt.

In dem cylindrischen Körper der Lampe A, B, C, D, Fig. 12, befindet sich der Kolben m, n, p, q, der mit einer Ledermanschette E, E versehen ist, wie aus der Figur ersichtlich.

Eine Kette H, G ist mit einem Ende bei H oberhalb des Schwerpunktes befestigt und mit dem andern um die bewegliche gußeiserne Stange K, L, L¹ aufgerollt, welche durch die Kurbel bei L, L¹ gedreht werden kann. Auf den Kolben werden in eine eigens angebrachte cylindrische Höhlung Bleigewichte P, P, mit einer Blechhülle versehen, aufgelegt, und zwar je nach dem gewünschten Druck in beliebiger Anzahl.

Eine Röhre a, b, c, d ist in einer der Vertiefungen aus Bronze angebracht, welche sich am Lampenkörper befinden, und bringt den unteren Theil des Apparates mit der Büchse v, v' in Verbindung, auf welcher der Brenner in gewöhnlicher Weise, wie Fig. 11 angibt, angebracht wird.

Nehmen wir nun an, der Kolben befinde sich am untern Theil des Cylinders, man habe diesen mit Oel gefüllt und winde den Kolben mittelst Kette und Kurbel in die Höhe, um ihn sich alsdann selbst zu überlassen, so wird das Oel durch den starken ausgeübten Druck zur Büchse v, v' und dem Brenner emporgetrieben werden.

|271|

Dieser einfache Mechanismus bedarf nur noch einer Einrichtung zur Regulirung des Oelzuflusses, da derselbe in dem Maaße als das Oel im Behälter sinkt und mithin höher gehoben werden muß, sich vermindert. Diese Einrichtung ist dieselbe wie bei den gewöhnlichen sogenannten Moderatorlampen.

Die Stange K, L' ist nämlich mit einer Schraube ohne Ende k, l versehen, auf welcher sich die Mutter M bewegt, die einen Finger trägt, dessen oberer Theil N in einen festen Spalt a, b greift, welcher parallel der Schraubenachse in einem der Träger des Brenners angebracht ist. Auf diese Weise wird, je nachdem die Stange nach der einen oder andern Seite gedreht wird, die durch den Spalt gehaltene Schraubenmutter in einer von der Bewegung des Kolbens selbst abhängigen Richtung bewegt.

Auf dem obern Theil dieser Mutter ist der conische Stift e, f, g (Fig. 12) angebracht, welcher bei f durch eine Lederbüchse geht und dann in den horizontalen Theil der Steigröhre eintritt.

Zu Anfang des Brennens befindet sich der Kolben oben, die Schraubenmutter so nahe wie möglich der Kette und der Stift e, f, g ganz in der Röhre a, b. In diesem Momente des stärksten Druckes setzt er also dem Oelzufluß den größten Widerstand entgegen, der mit dem Sinken des Kolbens in Folge der Bewegung der Schraubenmutter und des Zurückgehens des Stiftes allmählich abnimmt, wie es der durch die wachsende Höhe der zu hebenden Oelsäule vermehrte Widerstand dieser letztern erfordert. Bei richtiger Construction dieser Theile ist es begreiflicherweise leicht, ein ganz gleichmäßiges Ausfließen des Oeles zu bewirken.

Trotz der Einfachheit dieser Lampen sind meine Hoffnungen, sie bedeutend wohlfeiler als früher zu erhalten, nicht erfüllt worden; eine Lampe erster Classe kostet nämlich 650 Franken. Freilich ist die neue Lampe ganz aus Bronze oder Kupfer gearbeitet und hat ein gefälliges Aeußere erhalten, und außerdem gehört zu jeder einzelnen eine Art Fuß oder verzierter Korb, worin die Lampe während des Dienstes gestellt und befestigt wird.

Durch diese verbesserte und verschönerte Form ist also doch im Grunde eine Preisermäßigung erzielt worden. Genau genommen könnte durch Weglassung des Moderators, welcher eine sehr sorgfältige Ausführung erheischt, noch eine größere Ersparniß erzielt werden.

Die in der Abbildung gegebene Lampe hat 0,37 Met. innern Durchmesser, bei einer Höhe von 0,575 Met. und einem Kolbenlauf von 0,46 Met.

Zu Anfang ist der auszuübende Druck, abgesehen von den Reibungen, gleich einer Oelsäule von etwa 0,36 Meter Höhe; nach 12 Stunden |272| wenn der Kolben unten angelangt ist, ist das Oelniveau um 0,11 Met. gesunken und also eine Oelsäule van 0,47 Met. zu heben.

Indessen muß der Kolbendruck in Folge der starken Reibung an der Cylinderwand und des Widerstandes des Oeles in dem mehrfach gekrümmten Steigrohr viel größer genommen werden.

Nehmen wir z.B. für den Fall der Weglassung des Moderators ein Kolbengewicht von 100 Kilogr. an, so würde hiedurch, die Reibung u.s.w. mitgerechnet, eine Oelsäule von 1 Met. gehoben und eine Ausflußgeschwindigkeit entsprechend einer Höhe von 0,64 Met. erzeugt werden, welche man in Ermangelung einer genauen Formel annähernd auf 1,80 Met. in der Secunde anschlagen kann.

Nach 12stündigem Brennen wird die den Druck darstellende Oelhöhe 0,53 Met. und die Ausflußgeschwindigkeit 1,55 Met. betragen.

Wenn man nun, statt einen Moderator anzuwenden, an der Oeffnung der Steigröhre, nach der Seite der Büchse v, v' (Fig. 12) ein Diaphragma mit einer 0,00085 Met. weitern Oeffnung anbringt, so werden nach den oben gegebenen Zahlen die zu Anfang und zu Ende des Brennens durchgelaufenen Oelmengen 3,200 und 2,800 Gramme betragen. Indem nun die Verkohlung des Dochtes dem Aufsteigen der Flamme durch Verminderung des Oelzuflusses entgegenwirkt, wird sich eine Art von Gleichgewicht herstellen, welches den Moderator gewiß entbehrlich macht. Endlich würde durch Anbringung eines Diaphragmas wie bei den Lepaute'schen Lampen (mit conischem Schraubenverschluß) der Wächter in den Stand gesetzt seyn die Lampe von Zeit zu Zeit reguliren und so ein constantes Licht zu erhalten.

Die obigen, nur annäherungsweise richtigen Berechnungen zeigen somit die Möglichkeit, die Kosten für die Anbringung des Moderators zu umgehen. Die so vereinfachten Lampen, welche nur noch ein Oelreservoir mit Kolben, Kette und Windeapparat, ohne irgend feinere mechanische Constructionen enthalten, würden dann weit wohlfeiler als die gegenwärtigen Uhrlampen (welche 700 Franken kosten) herzustellen seyn und somit dem beabsichtigten Zweck der Zuverlässigkeit, Dauerhaftigkeit und Billigkeit erfüllen.

Versuche, welche seit mehr als 6 Jahren mit der Anwendung meiner Lampen auf einem Leuchtthurm an der Mündung der Canche angestellt worden sind, haben den besten Erfolg gehabt, und sind auch in Folge dessen bereits mehrfach ähnliche Apparate an verschiedenen Punkten, namentlich in Spanien, aufgestellt worden.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: