Titel: Ueber Lenoir's Gasmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 1 (S. 75–76)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi01_1

Ueber Lenoir's Gasmaschine.

Hr. Dr. Wilhelm v. Schwarz in Paris hat im württembergischen Gewerbeblatt Nr. 49 vom 2. December 1860 einen Bericht über den gegenwärtigen Standpunkt der Lenoir'schen Gasmaschine erstattet, welchem wir Folgendes entnehmen:

Lenoir ist zur Verbesserung und Vervollkommnung seiner Gasmaschine mit dem Maschinenfabrikanten Hyppolite Marinoni in Paris in Verbindung getreten, einem tüchtigen vielerfahrenen Praktiker von seltener Geduld und Ausdauer in Verfolgung selbstgesteckter Ziele. Seine vielseitigen und mühsamen, mit großen Opfern an Zeit und noch größeren an Geld ununterbrochen fortgesetzten Versuche haben endlich die vollständige und praktische Lösung des Problems in einer Weise gesichert, die jeden Zweifel entfernt. Marinoni hat nämlich seit vollen vier Wochen in seinen Maschinenwerkstätten (Rue de Vaugirard, Faubourg St. Germain, Nr. 67) Tag für Tag einen Gasmotor von 8 Pferdekräften im Gange, welcher seine sämmtlichen Hülfsmaschinen, als 1 Ventilator für 6 Schmiedefeuer, 10 Drehbänke, 3 Bohrmaschinen, 1 Hobelmaschine, 1 Lochmaschine und 2 Schleifsteine treibt. Der Verbrauch an Leuchtgas (6 Proc. Gas mit 94 Proc. atmosphärischer Luft) beträgt 800 Liter pro Stunde und pro Pferdekraft (1000 Liter = 1 Kubikmeter, der von der Pariser Gascompagnie zu 30 Centimes geliefert wird).

Nebst diesem größeren Gasmotor hat Marinoni bereits 12 kleinere Gasmaschinen seiner neuen Construction von 1, 2, 3 und 4 Pferdekräften abgeliefert, worunter eine nach St. Petersburg, eine zweite nach Amsterdam und vier nach Madrid. 30 Motoren neuer Construction von 1/2 bis 4 Pferdekräften sind in den Marinoni'schen Werkstätten eben im Baue; 64 neue Bestellungen liegen vor.

Von den in den Pariser Gewerben bis heute in Anwendung stehenden Gasmaschinen bietet die bei Hrn. Barvajel, einem Fabrikanten von Posamentirwaaren, besonderes Interesse, weil sie die großen Vorzüge und Vortheile der Erfindung für die Kleingewerbe und die Industrie in den Städten zur vollen Evidenz nachweist. Die Werkstätten des Hrn. Barvajel (rue St. Sauveur Nr. 22) liegen z.B. in einem der dichtbevölkertsten Stadttheile von Paris, in einem von 18 Wohnpartien, meist kleinen Gewerbsleuten, bewohnten Miethhause. Die Gasmaschine arbeitet ohne Lärmen und Geräusch (die Auszugsröhre der benützten Gase geht durch eine kleine Fensteröffnung auf die Straße) und ersetzt zwei Taglöhner, welche täglich während 10 Arbeitsstunden 2 große Treibräder zu drehen hatten, um eine Neihe von Garnweisen, Börtelstühle u. dgl. Maschinen in Bewegung zu setzen. Diese beiden Taglöhner wurden mit 6 Fr. pro Tag bezahlt; die Gasmaschine consumirt 8 Kubikmeter Gas in 10 Arbeitsstunden, welche 2 Fr. 40 Cent. kosten. Das Product der Arbeitsmaschinen hat sich überdieß seit Ersatz der Radtreiber durch die Gasmaschine, des gleichförmigeren und regelmäßigeren Ganges wegen, um 25 Proc., somit um ein Viertel pro Tag vermehrt. Hr. Barvajel schätzt daher heute schon die durch Einführung der Gasmaschine in seinem Geschäfte erzielte Ersparniß auf 6 Fr. pro Tag, somit auf 180 Fr. pro Monat, und er ist überzeugt, daß er die Anzahl seiner Arbeitsmaschinen nöthigenfalls verdoppeln könnte, ohne viel mehr Gas zu consumiren. Ein weiterer Gewinn, welchen Hr. Barvajel hervorhebt, besteht in der großen Raumersparniß, welche durch die Beseitigung der Treibräder erzielt wurde. Eine Lenoir'sche Gasmaschine nach der neuen Marinoni'schen Construction von 1/2 Pferdekraft nimmt nur 70 Kubikcentimeter Raum ein, und wiegt nur 100 Kilogr.; eine Maschine von 1 Pferdekraft wiegt 185 Kilogr. (mit allem Zubehör) und erfordert nur einen Raum von einem Kubikmeter. Die Gasmaschine erwärmt endlich nicht nur die Werkstätte des Hrn. Barvajel, sondern sie liefert täglich noch ohne weitere Auslagen 50 Liter warmes Wasser zu 50 bis 60° C. Nach der gegenwärtigen Construction Marinoni's genügt nämlich diese Quantität kalten Wassers vollkommen zur Abkühlung des Cylinders der Gasmaschine während 10 Stunden.

Die Gesellschaft Lenoir (Société Lénoir et Comp.) garantirt für die Nutzleistung, die gute Ausführung und den guten Gang der gelieferten Gasmaschinen, und übernimmt unter diesen Bedingungen jede Bestellung auf Gasmaschinen von 1/2 bis 20 |76| Pferdekräften; sie hat zu diesem Ende den nachstehenden Preis-Courant ausgegeben, und errichtet so eben mit Hrn. Marioni in der Avenue de Saxe eine eigene auf 250 Arbeiter berechnete Fabrik zur ausschließlichen Erzeugung der neuen Gasmaschinen.

Preis-Courant.

Kraft der Maschinen. Geliefert und aufgestellt
in Paris.
Geliefert und aufgestellt
in den Departements.
1/2 Pferdekraft 900 Fr. 1,100 Fr.
1 „ 1,350 „ 1,500 „
2 „ 1,910 „ 2,110 „
3 „ 2,470 „ 2,670 „
4 „ 3,030 „ 3,230 „
6 „ 4,200 „ 4,500 „
8 „ 5,370 „ 5,720 „
10 „ 6,540 „ 6,940 „
12 „ 7,760 „ 8,110 „
15 „ 9,490 „ 9,990 „
20 „ 11,930 „ 12,630 „
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