Titel: Ueber den Pariser Edelstein „Rubasse“; vom Grafen F. G. von Schaffgotsch in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 6 (S. 77–78)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi01_6

Ueber den Pariser Edelstein Rubasse; vom Grafen F. G. von Schaffgotsch in Berlin.

Bei Brahy in Paris, Boulevard des Italiens Nr. 38, war im Herbst 1856 und ist, wie ich höre, noch jetzt unter der Bezeichnung nouvelle pierre fine, dite Rubasse ein hellblutrother, zu mannichfachen Schmuckgegenständen verarbeiteter Stein zu kaufen. Eine aufmerksame Betrachtung desselben zeigt sogleich, daß seine Hauptmasse durchaus wasserhell ist und ihre schöne Färbung lediglich einer Anzahl äußerst dünner rother Streifen entlehnt, welche den sogenannten Edelstein gleichsam als eine durchsichtige, ins Innere verlegte Folie in vielen Richtungen und ganz regellos durchsetzen. Die Härte des Steins ist die des Quarzes.

Es standen mir fünf derartige Steine zu Gebote; ich will sie mit A, B, C, D, E bezeichnen. A wog in der Luft 0,3202 Grm., in Wasser von 12°,3 Cel. 0,1995 Grm., also Gewichtsverlust = 0,1207 Grm. und Eigenschwere = 2,653 oder für 15° berechnet, = 2,654.

B und C, beide gleich groß, wogen zusammen in der Luft 2,5836 Grm., in Wasser von 20°,5 über 1,6092 Grm.; mithin ist der Gewichtsverlust = 0,9744 Grm. und die Eigenschwere = 2,651 oder für 15° berechnet = 2,649. Diese, so wie die obige Zahl ist wenig verschieden von 2,652, der von mir in Uebereinstimmung mit Anderen für Quarz gefundenen Eigenschwere.

Der Stein B, in Aetzammoniakflüssigkeit gelegt, gab während 48 Stunden seine Farbe vollständig ab; die rothe Lösung, auf einem Uhrglase im Wasserbade verdunstet, hinterließ ihren Farbstoff als einen unbeträchtlichen Flecken von lebhafter Farbe. Aehnlich verhielt sich der Stein C in reinem Wasser, doch wurde das Ende der Entfärbung hier nicht abgewartet.

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Der Stein D, an Gewicht 0,1678 Grm., wurde durch Erhitzen blaß lila, durch kurzes und schwaches Glühen grau, und wog jetzt 0,1676 Grm. Ferneres kurzes Rothglühen entfärbte ihn gänzlich ohne Gewichtsänderung.

Der Stein E endlich, 0,0828 Grm. schwer, verhielt sich in der Rothgluth wie der vorige. Halbstündige Weißgluth machte ihn ohne Spur von Schmelzung undurchsichtig weiß und so mürbe, daß er unter einer Reibkeule von Achat sofort zu Pulver zerfiel. Von diesem Pulver wurden, nachdem es möglichst fein zerrieben worden, 0,0725 Grm. mit 0,9 Kubikcentim. rauchender Flußsäure übergossen. Nach 20stündiger Einwirkung ließ die Säure, langsam verdunstet, nur 0,0007 Grm. zurück.

Aus der Gesammtheit dieser Versuche ergibt sich, daß der Pariser Edelstein ein rissiger und innerhalb der Risse mit einem rothen sehr ausgiebigen organischen Farbstoff, wahrscheinlich Carmin, getränkter Bergkrystall oder Quarz ist.

Der Preis eines Steines, so groß wie B oder C, beträgt 12 Francs. (Böttger's polytechnisches Notizblatt, 1861, Nr. 1.)

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