Titel: Stereochromischer Anstrich von Krankensälen; von Artmann.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 8 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi01_8

Stereochromischer Anstrich von Krankensälen; von Artmann.

Man verfährt hierbei folgendermaßen: Auf den gewöhnlichen ersten groben Anwurf, der nur oberflächlich geebnet wird, kommt statt des gebräuchlichen feinen Verputzes ein solcher, der aus einer Mischung von 2 Theilen fein gesiebtem Sand und 1 Theil an der Luft zerfallenem Kalk mit einer Lösung von Doppelwasserglas (Natron-Kali-Wasserglas) angemacht wird. Von der Wasserglaslösung (von 10° Baumé) wird so viel genommen, als hinreicht, um das obige Gemenge in einen steifen Brei zu verwandeln, welcher möglichst bald aufgetragen und so glatt als möglich verrieben werden muß. Es ist wohl unnöthig zu erwähnen, daß dieser hydraulische Verputz auch mittelst Cement in der bekannten Weise hergestellt werden kann; nur müßte der Cement sehr gut seyn und es dürften auf 1 Theil Cement höchstens 2 Theile feiner Sand kommen. Ist der hydraulische Verputz hinreichend trocken, so werden die Wände gut geweißt und nach erfolgter Austrocknung zweimal mit einer Lösung von Doppelwasserglas (von 15° Baumé) in einem Zwischenraum von 24 Stunden überstrichen. Kann man billig Marmorstaub oder Dolomit bekommen, so ist es gut, die Hälfte des Kalkes bei der Zusammensetzung für den feinen Verputz durch diesen zu ersetzen. Sollten die Wände einzelner Localitäten gemalt werden, so müßten die Farben, von denen einzelne, wie: Berlinerblau, Chromgelb, Schweinfurter |79| Grün u.s.w. ausgeschlossen sind, mit Wasserglaslösung angemacht und gut patronirt werden. Der Wasserglasüberzug wird am besten mit einer Spritze aufgetragen, welche mit einer beweglichen Brause versehen ist.

Ein derartiger stereochromischer Anstrich verträgt sehr gut das Abwischen mit nassen Tüchern und hat außerdem das Gute, daß er das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert. Den Kostenpunkt anbelangend, stellt sich der stereochromische Anstrich ohne Farben ungefähr drei- bis viermal höher als das gewöhnliche Weißen mit dem ordinären Verputz; erwägt man aber, daß seine Dauer nahezu die zehnfache jener des gewöhnlichen Weißens seyn dürfte, so zeigt es sich, daß derselbe, auch abgesehen von dem Vortheile in sanitätlicher Hinsicht, schon aus ökonomischen Gründen befürwortet werden kann. (Aus des Verfassers Werkchen: „über Ventilation“ 1860, bei C. Bellmann in Prag.)

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