Titel: Die Commission für einheitliches Maaß und Gewicht in Deutschland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 1 (S. 153–154)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi02_1

Die Commission für einheitliches Maaß und Gewicht in Deutschland.

In den fünf Sitzungen der vergangenen Woche hat die am Bundestag zu Frankfurt a. M. versammelte Commission für einheitliches deutsches Maaß und Gewicht ihre Arbeiten bedeutend weiter gefördert, und es wird uns die erfreuliche Mittheilung gemacht, daß fast alle wesentlicheren Beschlüsse einstimmig gefaßt sind, überhaupt bis jetzt eine glückliche Einhelligkeit in den Verhandlungen sich zu Tage legt.

Für den als Einheit des Längenmaaßes gewählten französischen Mètre soll der Name Meter beibehalten werden, und man hat demnach die Benennung „Stab“, welche in einer von der hannoverischen Regierung vorher am Bundestag überreichten Denkschrift empfohlen war, nicht angenommen, um zum Vortheil des internationalen Verkehrs auch in der Schreibung die Identität des Maaßes erkennen zu lassen. Die Theilung des Meters betreffend, hat man zwar principiell die vollständige decimale Zerfällung in 10 Decimeter, 100 Centimeter, 1000 Millimeter angenommen, daneben aber auch eine vereinfachte Eintheilung und Nomenclatur aufgestellt, wonach – mit Ausschluß des Zehntels – der Meter direct in 100 Cent, der Cent in 10 Mill zerfallen soll. Es dünkt uns, daß dieses letztere System allgemeinen Beifall im gewöhnlichen Verkehr und in der technischen Welt finden müsse, während die Leute der reinen Wissenschaft vielleicht fortfahren werden, die ihnen schon geläufigen längeren Namen zu gebrauchen. Die doppelten Benennungen derselben Maaßgrößen können zu Mißverständnissen nicht Anlaß geben, da die Namen der einen Reihe eben nur durch Streichung der späteren Sylben aus jenen der anderen Reihe gebildet sind.

Der Meter soll auch – unter Beseitigung jedes anderen Ellenmaaßes – zum Messen der Zeugwaaren gebraucht, hierbei aber in doppelter Weise eingetheilt werden, nämlich auf der einen Seite decimal, in 100 Cent (was besonders wegen Messung der Stoffbreiten zweckdienlich erscheint), und auf der andern Seite in 1/2, 1/4, 1/8, 1/16, um der im gewöhnlichen Leben gerade bei Ellenwaaren so bequemen Gewohnheit Rechnung zu tragen. Diese letztere Theilungsweise, durch Halbiren, würde jedoch nur nebenher als gesetzlich zugelassen (nicht als absolut verbindlich) anzusehen seyn.

Als Bergwerksmaaß ist das Lachter = 2 Meter (wie es in Sachsen jetzt schon besteht) vorgeschlagen und angenommen; dasselbe wäre in 100 Theile (Zoll oder Lachterzoll, auch schlechtweg Hundertel genannt) zu theilen.

Als Wegemaaß hat man die Meile = 7500 Meter beschlossen, welche von der geographischen Meile und den in Deutschland jetzt üblichen Post- oder Straßenmeilen unbedeutend abweicht, Der Kilometer = 1000 Meter, soll da wo man ein solches kleineres Wegmaaß etwa wünschenswerth hält, zulässig seyn; ebenso eine Ruthe von 5 Meter (welche in der Meile 1500mal enthalten ist).

Das Flächenmaaß für Grundstücke und Ländereien erhält als Einheit und Grundlage naturgemäß den Quadrat-Meter, welcher decimal getheilt wird. Als größere Einheiten sind angenommen:

die Quadrat-Ruthe = 25 Quadratmeter
das Beet oder Ar (nach dem französ. are) = 100
der Morgen = 2,500
das Joch = 5,000
der Acker oder das Hektar (franz. hectare) = 10,000
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wobei man beabsichtigt den einzelnen Staaten zu überlassen, welche von diesen Größen sie zu ihrem Gebrauch auswählen und zu einem System zusammenstellen wollen. So würden z.B. diejenigen Länder welche den Morgen annähmen (dieser ist sehr wenig vom preußischen, hannoverischen, braunschweigischen, bremischen Morgen und vom kurhessischen Acker verschieden, dem darmstädtischen und nassauischen Morgen aber ganz gleich), denselben in 100 Quadrat-Ruthen theilen, ohne sich der übrigen Größen zu bedienen. Indem man so gestrebt hat, sich thunlichst dem Gewohnten anzunähern, ist doch die leichte Vergleichbarkeit sämmtlicher Feldmaaße und ihr Zusammenhang mit dem Decimalsystem, sowie mit den französischen, belgischen und niederländischen Feldmaaßen nicht aufgeopfert.

Zum Brennholzmaaß ist der Kubikmeter als Einheit aufgestellt; 4 Kubikmeter werden eine Klafter genannt. Man wünscht daß vorgeschrieben werde: die Messung solle in einem Rahmen von 2 Meter Höhe und 2 Meter Breite, also 4 Quadratmeter Oeffnung, geschehen. Die Länge der Holzscheite will man entweder gar nicht vorgeschrieben, oder der Festsetzung durch die einzelnen Regierungen überlassen wissen, um örtlichen Gewohnheiten oder den Erfordernissen zu bestimmten Zwecken Rechnung zu tragen. Dessenungeachtet würde in jedem einzelnen Fall augenblicklich leicht zu erkennen seyn, wieviel Klafter oder Kubikmeter der Meßrahmen faßt; denn die Länge der Scheite, in Meter ausgedrückt, gäbe direct die Masse in Klafter, mit 4 multiplicirt dieselbe in Kubikmeter an. Wäre etwa die Scheitlänge 0,75, oder 1,00, oder 1,20 Meter, so hätte man die Holzmenge womit der Maaßrahmen gefüllt ist, ohne weiteres als 0,75 oder 1 oder 1,2 Klafter, d.h. beziehungsweise 4 × 0,75 = 3, oder 4 × 1 = 4, oder 1 × 1,2 = 4,8 Kubikmeter zu berechnen.

Als Körpermaaß für Bau- und Werkholz gilt der Kubikmeter, oder – wo man diese Einheit den Umständen nach zu groß fände – das Scheit, unter welchem Namen 1/100 Kubikmeter zu verstehen ist, so daß 100 Scheit = 1 Kubikmeter sind.

Endlich schlägt man für die Größenbestimmung von Stein- und Erdmassen (beim Straßen- und Eisenbahnbau etc.) den Kubikmeter vor, ohne den Gebrauch eines ausdrücklich benannten Vielfachen des Kubikmeters verhindern zu wollen, sofern es etwa wünschenswerth gefunden werden sollte, bei Lieferungsaccorden u.s.w. dergleichen an die Stelle der jetzt üblichen Schachtruthen, Faden, Kasten etc. zu setzen. Wahrscheinlicherweise würde der Kubikmeter sich leicht ausschließliche Geltung verschaffen. (Allgemeine Zeitung vom 23. Januar 1861.)

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