Titel: Ueber Papier und Pergamentpapier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 6 (S. 158–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi02_6

Ueber Papier und Pergamentpapier.

Dr. Kunheim zeigte in der Versammlung der Mitglieder des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen im Monat Juni v. J. vegetabilisches Pergament vor, wie solches von dem Papierfabrikbesitzer Bernhard Behrend in Cöslin hergestellt wird. Ueber die Herstellung und Eigenschaften des Pergamentpapiers, welches in großem Umfange in Paris von Montgolfier und in London von de la Rue fabricirt wird, haben wir eine ausführliche Abhandlung des Professors Hofmann mitgetheilt. Das Pergamentpapier wird bekanntlich durch Behandlung von ungeleimtem Papier mit einer Mischung von Schwefelsäure und Wasser erhalten. Außer den schon in der genannten Abhandlung angeführten Eigenschaften gibt Hr. Behrend noch folgende an: Mit Bleistift Geschriebenes kann ohne Nachtheil abgewischt werden; es eignet sich daher für Notizbücher, Schreibtafeln etc. Die Tinte fließt sehr leicht darauf aus, so daß man mit der gewöhnlichen Alizarintinte keinen feinen Strich machen kann; sie muß zu diesem Zwecke noch mit Gummi versetzt werden, haftet aber nach dem Trocknen sehr fest. Ferner kann das Papier als Zeichen- und Pauspapier benutzt werden. Zum Ueberbinden von Gefäßen kann es die Schweinsblase mit Vortheil ersetzen; bei größerer Haltbarkeit hat es wegen der Abwesenheit des Stickstoffs nicht die Neigung zu faulen. Es wird auch zur Herstellung von Wertpapieren und Patronenhülsen empfohlen. In Bezug |159| auf die Verwendung zu Wertpapieren theilte Hr. Geh. Regier.-Rath Wedding mit, daß in der Berliner Staatsdruckerei vielfältige Versuche gemacht worden seyen, die aber vorläufig, abgesehen von der zweifelhaften Dauerhaftigkeit, noch daran scheiterten, daß das Pergamentpapier Druck und Schrift zwar leicht annehme, aber auch wieder davon befreit werden könne. Hr. Commerzienrath Weigert schlug vor, da sich die einzelnen Bogen beim Präpariren sehr leicht durch Aufeinanderlegen verstärken lassen, zu versuchen, ob sich nicht leichte und haltbare Jacquardpappen daraus herstellen ließen. Im Anschluß hieran machte Hr. Dr. Kunheim auf die Wichtigkeit der Versuche aufmerksam, welche jetzt in Oesterreich gemacht werden, das Maisstroh zur Papierfabrication zu verwenden. Andere Lumpensurrogate sind theils nicht leicht zu transportiren, finden als Viehfutter Verwendung, oder sind schwer zu behandeln; das Maisstroh jedoch ist ein reines Material. Ein Knotenfänger bei der Bearbeitung ist entbehrlich; ein Abfasern des Schreib- und Zeichenpapiers soll bei der Gleichmäßigkeit des Materials nicht stattfinden. Dabei werden bei der Fabrication manche Vorarbeiten erspart und dadurch die Anlagekosten geringer. Erfinder der Herstellung des Maispapiers ist ein Hr. Moritz Diamant in Wien, das Verfahren selbst ist vom Reichsgrafen Lippe-Weißenfeld acquirirt worden. Nähere Auskunft hierüber ertheilt Dr. Schwartz in Breslau. Hr. Geh. Regier.-Rath Wedding erwähnte auch hierbei, daß die Haltbarkeit des Maispapiers im Vergleich zu aus Hanf und aus leinenen Lumpen gefertigtem Papier zweifelhaft sey, indem das Material seiner Beschaffenheit nach nicht solche Fasern liefern könne, die ein Verfilzen gestatten, wie dieß Hanf und Leinen gestatteten. Ein gutes Leimen wäre für Papier aus Mais und anderen Strohsorten eine nothwendige Bedingung, das hieraus gefertigte Papier aber nur zu untergeordneten Zwecken verwendbar. (Verhandlungen des Vereins zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen, 1860 S. 125.)

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