Titel: Ueber ein neues Verfahren, mit Berlinerblau zu färben, von J. Arnaudon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 7 (S. 159–160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi02_7

Ueber ein neues Verfahren, mit Berlinerblau zu färben, von J. Arnaudon.

Dieses Verfahren beruht auf der Eigenschaft des oxalsauren Ammoniaks, die Fällung der Eisenoxydsalze durch Blutlaugensalz zu verhindern. Um diese Eigenschaft nachzuweisen, theilt man eine Lösung des Eisenoxydsalzes in zwei Theile, fügt der einen Portion oxalsaures Ammoniak hinzu und versetzt dann beide Portionen mit derselben Quantität einer Lösung von gelbem Blutlaugensalz. In der nicht mit oxalsaurem Ammoniak versetzten Portion entsteht dabei sofort ein blauer Niederschlag, in der andern Portion entsteht dagegen kein Niederschlag, sondern dieselbe färbt sich bloß tiefer braun und setzt nach einiger Zeit einen krystallisirten braunen Niederschlag ab. Vermischt man diese braune Flüssigkeit mit einer Säure, so entsteht sofort der Niederschlag von Berlinerblau. Es ist nicht die Oxalsäure, welche die Bildung des Berlinerblaus verhindert, denn wenn man den Versuch in der Art wiederholt, daß man anstatt des oxalsauren Ammoniaks Oxalsäure zusetzt, so findet die Bildung des Berlinerblaus ziemlich in derselben Weise statt, als ob man irgend eine andere Säure zugesetzt hätte. Die Erscheinung, daß die Eisenoxydsalze bei Gegenwart von oxalsaurem Ammoniak durch Blutlaugensalz nicht niedergeschlagen werden, beruht wahrscheinlich auf der Bildung eines oxalsauren Doppelsalzes von Eisenoxyd und Ammoniak, welches durch Blutlaugensalz nicht zersetzt wird.

Man kann dieses Verhalten in folgender Art in der Färberei anwenden: Nachdem man ein Bad aus schwefelsaurem Eisenoxyd oder einem anderen Eisenoxydsalz und der hinreichenden Menge von oxalsaurem Ammoniak, um die Bildung von Berlinerblau durch das Blutlaugensalz zu verhindern, bereitet hat (wobei man gut umrühren muß, damit der Niederschlag, welcher beim Eingießen des Blutlaugensalzes entsteht, sich wieder auflöst), bringt man das zu färbende Garn oder den sonstigen Faserstoff hinein und läßt es einige Stunden lang darin verweilen, indem man es zuweilen mit den Stöcken herum bewegt. Man nimmt es nachher wieder heraus, läßt abtropfen und bringt es sodann, ohne es vorher zu sehr auszuwinden, in ein anderes Bad, welches entweder bloß in einer verdünnten Säure besteht oder außerdem noch Zinnchlorid enthält. Das Garn wird dabei sofort blau und man behandelt es nachher weiter wie gewöhnlich.

In der Druckerei kann man so verfahren, daß man den Zeug zuerst mit der Mischung von Eisenoxydsalz, oxalsaurem Ammoniak und Blutlaugensalz imprägnirt, trocknet und dann mit einer Mischung, die eine Säure und Zinnchlorid enthält, bedruckt, worauf |160| wieder getrocknet und gewaschen wird; man erhält auf diese Weise ein blaues Muster auf weißem Grunde. Man kann aber auch die Mischung selbst ausdrucken und den Zeug nachher durch eine Säure passiren, was dasselbe Resultat gibt. (Technologiste, October 1860, S. 11; polytechnisches Centralblatt, 1861 S. 141.)

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