Titel: Ueber das Vorkommen von Chlor in den Steinkohlen; von Th. Leadbetter in Glasgow.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1861, Band 159/Miszelle 9 (S. 238–239)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj159/mi159mi03_9

Ueber das Vorkommen von Chlor in den Steinkohlen; von Th. Leadbetter in Glasgow.

Meines Wissens hat man noch nicht versucht, den Chlorgehalt der Steinkohlen quantitativ zu bestimmen. Daß unter den Producten der trockenen Destillation der Steinkohlen |239| Salmiak vorkommt, wurde von Fownes und Anderen bemerkt; man hat auch beobachtet, daß wenn die ammoniakalische Flüssigkeit der Gasanstalten durch Abdampfen concentrirt wird, sich Krystalle von Salmiak absetzen. Die Fabrikanten von schwefelsaurem Ammoniak haben ebenfalls gefunden, daß eine beträchtliche Menge von gebundenem Ammoniak in der Destillirblase zurückbleibt, nachdem das kohlensaure Ammoniak abdestillirt worden ist. In einer Probe dieser rückständigen Flüssigkeit aus der Blase fand ich 506,4 Grains Chlor per Gallon, und in zwei Proben von nicht destillirter ammoniakalischer Flüssigkeit fand ich respective 156 und 76,4 Grains Chlor per Gallon.

Das Vorkommen einer so großen Menge Chlor in dieser ammoniakalischen Flüssigkeit veranlaßte mich den Chlorgehalt der Steinkohlen zu ermitteln, wozu ich eine Reihe von Versuchen mit Cannelkohle und anderen Steinkohlen aus verschiedenen Gruben Schottlands anstellte. Von jeder Probe wurden 1000 Grains in destillirtem Wasser gekocht, und nach dem Abfiltriren des unauflöslichen Theils wurde das Chlor im Filtrat durch salpetersaures Silber in gewöhnlicher Weise bestimmt. In folgender Tabelle sind die Resultate zusammengestellt, nebst den Berechnungen auf 1 Tonne (20 Ctr.).

Name der Steinkohle. Chlor in 100 Theilen. Grains Chlor p. Tonne.
Lesmahagow 0,015292 2383
Boghead 0,012369 2939
Bank Coal 0,017300 2712
Knightswood 0,019791 3103
Barton's Holm 0,009277 1454
Monkland 0,027831 4363
Thankerton 0,004948 775
Weiche Kohle (soft coal) 0,004948 775

Es schien auch wünschenswerth, die Asche obiger Steinkohlen auf Chlor zu untersuchen; hierzu wurde ein bekanntes Gewicht der Kohle zuerst verkohlt und hernach in einem Platintiegel eingeäschert, die Asche mit Wasser ausgekocht und die Flüssigkeit dann in gewöhnlicher Weise auf Chlor geprüft. In der Asche von mehreren obiger Steinkohlensorten wurde nicht eine Spur von Chlor entdeckt, und in den anderen wurde nur eine kleine und unbestimmbare Menge gefunden. Es ist daher einleuchtend, daß wenn die Steinkohlen destillirt oder in geschlossenen Gefäßen verkohkt werden, das Chlor mit den flüchtigen Substanzen ausgetrieben wird, und diese Thatsache erklärt genügend den Umstand, daß in den von verschiedenen Chemikern veröffentlichten Analysen von Steinkohlenaschen ein Chlorgehalt nicht erwähnt wird.

Bei einer andern Reihe von Versuchen mit denselben Steinkohlensorten destillirte ich einen Theil von jeder in einem schmiedeisernen Rohr und prüfte das Destillat sorgfältig auf Chlor. In jedem Falle war die Gegenwart einer bestimmbaren Menge von Chlor entscheidend nachzuweisen. (Chemical News, 1860, Nr. 46.)

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